Transgender-Korrespondentin

21. August 2017 10:46; Akt: 22.08.2017 11:47 Print

«SRF hat vorbildlich gehandelt»

Valentina De Vos stand früher als Reto Stutzer vor der Kamera – jetzt moderiert sie als Frau. Andere Transmenschen hatten weniger Glück: Sie verloren ihren Job.

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Valetina De Vos ist Springer-Korrespondentin des SRF. Hier ist sie am 8. August 2017 bei einer Liveschaltung vom Bundesstrafgericht in Bellinzona in die «Tagesschau am Mittag» zu sehen. Der Name Valentina De Vos ist für die SRF-Zuschauer neu, obwohl dieselbe Person seit vielen Jahren am Bildschirm zu sehen ist. Bis vor zwei Jahren trat De Vos als Mann auf - unter dem Namen Reto Stutzer. Dieser ist durch eine Geschlechtsanpassung zur Frau geworden. Die Reaktionen in der Trans-Community fallen positiv aus. «Wir sind sehr froh darüber, dass das Coming out am Arbeitsplatz für Frau De Vos so reibungslos verlaufen ist», sagt Janna Kraus, Sprecherin des Transgender Networks Schweiz. Ein prominenter Fall wie dieser könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und für manche Leute den Dialog an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu öffnen. Auch für Patrick Weber, Leiter der Beratungsstelle «Du bis Du», der auch Transmenschen beim Coming-Out berät, hat SRF vorbildlich gehandelt. «Genau das erwarten wir von den Arbeitgebern: Kein Tam-Tam veranstalten, zur Tagesordnung übergehen und die Person ihre Arbeit machen lassen.» Auf dem Arbeitsmarkt ist die Handhabung, wie sie SRF pflegt, jedoch noch längst nicht der Normalfall. «Kündigungen, Mobbing und generelle Verunsicherung sind dabei traurigerweise an der Tagesordnung», betont Kraus. Laut einer Untersuchung des Transgender Networks erhielt nur die Hälfte der Personen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können, Unterstützung vom Arbeitgeber.

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«Valentina De Vos!? War sie mal ein Er?» Diese Vermutung postete ein SRF-Zuschauer auf der Facebook-Seite des Senders diesen Frühling.

Tatsächlich stand Korrespondentin Valentina De Vos, die für verschiedene Sendungen wie «Schweiz Aktuell» und «Tagesschau» arbeitet, bis vor zwei Jahren als Reto Stutzer vor der Kamera, wie der «SonntagsBlick» berichtete. De Vos hatte sich beinahe unbemerkt einer Geschlechtsanpassung unterzogen.

«Prominenter Fall kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen»

Die Reaktionen in der Trans-Community fallen positiv aus. «Wir sind sehr froh darüber, dass das Coming-out am Arbeitsplatz für Frau De Vos so reibungslos verlaufen ist», sagt Janna Kraus, Sprecherin des Transgender Networks Schweiz. Ein prominenter Fall wie dieser könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und für manche Leute den Dialog an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu öffnen.

Und für Patrick Weber, Leiter der Beratungsstelle «Du bis Du», der auch Transmenschen beim Coming-out berät, hat SRF «vorbildlich gehandelt». «Genau das erwarten wir von den Arbeitgebern: Kein Tam-Tam veranstalten, zur Tagesordnung übergehen und die Person ihre Arbeit machen lassen.»

Dabei sei es auch nicht relevant, ob es sich um ein in der Öffentlichkeit stehendes Grossunternehmen wie SRF oder einen kleinen Handwerksbetrieb handle: «Ich erwarte von Vorgesetzten, dass sie eine Person, die auf der Suche nach ihrer wahren Geschlechteridentität ist, unterstützen – sofern diese Hilfe benötigt.»

Nur die Hälfte erhält Unterstützung vom Chef

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Handhabung, wie sie SRF pflegt, jedoch noch längst nicht der Normalfall. «Kündigungen, Mobbing und generelle Verunsicherung sind dabei traurigerweise an der Tagesordnung», betont Kraus.

Laut einer Untersuchung des Transgender Networks erhielt nur die Hälfte der Personen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können, Unterstützung vom Arbeitgeber. «Im Durchschnitt wurde jeder der befragten Transpersonen während der Transition einmal die Stelle gekündigt», heisst es in der Befragung. Vor allem die Zeit des Coming-outs und der Transition birgt laut Transgender Network ein deutliches Risiko, einen unfreiwilligen Jobverlust oder einen beruflichen Abstieg zu erleiden.

«Dass Transpersonen keine Unterstützung der Vorgesetzten erhalten oder ihnen sogar gekündigt wird, hängt damit zusammen, dass einige Chefs in veralteten Geschlechterbildern denken oder mit der Situation überfordert sind», erklärt Berater Patrick Weber. «Sie glauben, es sei abnormal, wenn sich jemand nicht mit dem biologischen Geschlecht identifiziert.» Dabei ändere sich ja nicht der Mensch, sondern nur sein Äusseres.

Leitfaden zum Umgang mit Namensänderung

Um Transmenschen ein sicheres Arbeitsumfeld zu garantieren und das Betriebsklima für alle Beteiligten möglichst offen und positiv zu gestalten, sind laut Transgender Network Aufklärung, Information und Beratung nötig. Dies soll mit dem Projekt «Trans-Fair» geschehen, wie Sprecherin Janna Kraus erklärt. Mit Broschüren oder in Workshops soll dort etwa die Frage beantwortet werden, wie Angestellte und Arbeitgeber mit administrativen Dingen wie der Namensänderung umgehen können oder wie man gegenüber Kunden kommunizieren soll.

(pam)