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Sportbetrug
09. November 2012 08:58; Akt: 09.11.2012 15:32 Print
«Schweiz als Fifa-Sitzstaat muss Vorgaben machen»
von L. Mäder - Der Bund hat Vorschläge für den Kampf gegen Korruption im Sport präsentiert. Für Strafrechtsprofessor Mark Pieth ein wichtiger Schritt. Doch er fürchtet, dass die Reform überladen wird.

Der Bundesrat prüft Massnahmen gegen Betrug im Sport. Fussballplatz des FC Gossau, der 2009 in einen Wettbetrug involviert war. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
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Der Bundesrat hat am Mittwoch einen Bericht zur Korruption im Sport vorgestellt. Unter anderem will er einen neuen Tatbestand Sportbetrug prüfen. Sind Sie zufrieden?
Mark Pieth: Mit den grossen Linien sicher. Mit ist wichtig, dass der Bund bereit ist, gewisse Leitplanken zu definieren. Das erleichtert auch meine Arbeit in der Governance-Kommission der Fifa. Ich habe immer befürwortet, dass sich die Fifa selbst reformiert. Aber es wäre einfacher, wenn die Schweiz als Sitzstaat vieler Sportorganisationen Vorgaben machen würde.
Mark Pieth ist Professor für Strafrecht an der Universität Basel und gilt als Korruptionsexperte. Er leitet das Basel Institute on Governance und ist Vorsitzender der OECD-Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Korruption im internationalen Geschäftsverkehr.
Vom Weltfussballverband Fifa hat er ein Mandat als Leiter der unabhängigen Kommission für Governance. Auf Vorschlag dieser Gruppe hat die Fifa im Juli diesen Jahres eine Ethikkommission eingesetzt. Korruption und Wettmanipulation
In seinem am Mittwoch veröffentlichten Bericht fasst der Bundesrat die Einführung eines neuen Straftatbestandes Sportbetrug ins Auge. Weiter will er prüfen, ob Mitglieder nationaler und internationaler Sportverbände mit Sitz in der Schweiz dem Schweizer Korruptionsstrafrecht unterstellt werden sollen. Ausserdem soll die internationale Zusammenarbeit ausgebaut werden.
Zwar hält der Bericht fest, dass die Bekämpfung der Korruption zunächst Aufgabe der Sportverbände selbst sei. Die Skandale der letzten Jahre hätten jedoch gezeigt, «dass die bisherigen Massnahmen der (internationalen) Sportverbände nicht ausreichen, um Korruption effizient zu verhindern». (sda)
Warum?
Die Sportdachverbände sind internationale Organisationen, die Probleme der ganzen Welt auf sich vereinigen. Sie sehen die Notwendigkeit von Massnahmen gegen Korruption nicht unbedingt. Deshalb muss der Sitzstaat gewisse Anforderungen stellen.
Sie sind mit den grossen Linien des Berichts einverstanden. Und was kritisieren Sie?
Wenn die Privatkorruption ein Offizialdelikt wird, ist das taktisch nicht geschickt. Diese Änderung könnte grossen Widerstand in der Wirtschaft provozieren und die gesamte Reform zum Scheitern bringen. Denn diese Gesetzesänderung beträfe nicht nur Sportverbände, sondern auch Unternehmen, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen oder die Medien.
Wie würden Sie das Problem der Korruption im Sport angehen?
Die Bestechung von Angehörigen internationaler Organisationen ist bereits heute strafbar. Dort könnte man die Ergänzung anbringen, dass dieser Artikel auch für Angehörige internationaler Sportverbände gilt.
Der Bund will auch einen gesonderten Straftatbestand Sportbetrug prüfen. Ist das überhaupt nötig? Derzeit läuft doch am Bundesstrafgericht ein Prozess gegen zwei Fussballspieler, die sich 2009 mit Spielmanipulationen an einem internationalen Wettbetrug beteiligt hatten.
Unter Strafrechtlern läuft die Diskussion, ob bei Fällen von Doping oder Matchfixing der bestehende Betrugstatbestand ausreicht, oder ob es Lücken gibt. Beim aktuellen Gerichtsverfahren wird man sehen, ob es Betrug war.
Warum sollte es kein Betrug sein?
Dafür muss jemand hereingelegt worden sein und sich selbst geschädigt haben. Bei Fällen von Doping oder Wettbetrug geht es aber teilweise um indirekte Schädigung. So ist beispielsweise beim Fall Lance Armstrong nicht klar, wer tatsächlich durch das Doping geschädigt wurde.
Sie befürworten also einen gesonderten Straftatbestand?
Ich kann mich dazu nicht äussern, da wir derzeit eine Stellungnahme zu Handen des Bundes erarbeiten. Darin werden auch die Überlegungen des Bundesstrafgerichts zum aktuellen Fall einfliessen.
Eine Möglichkeit wäre, Wettbetrug im Lotteriegesetz unter Strafe zu stellen.
Dagegen spricht, dass die verschiedenen Tatbestände beim Sport über die gesamte Gesetzgebung verteilt werden. Die Überlegung des Bundes ist, sie in einem einzigen Artikel zu sammeln.
Ist in der Schweiz der politische Wille überhaupt vorhanden, Sportkorruption anzugehen?
Wir haben Riesenschritte gemacht, wenn ich es mit der Situation vor zwei Jahren vergleiche. Als ich damals gewarnt habe, dass die internationalen Sportverbände einen Reputationsschaden bewirken könnten wie Drogengelder oder die Steuerdiskussion, wollte das kaum jemand zur Kenntnis nehmen. Inzwischen läuft die Diskussion über Mindeststandards.
Aber bis die aktuellen Vorschläge umgesetzt sind, wird es noch Jahre dauern.
Demokratie braucht ihre Zeit. Entscheidend ist, dass tatsächlich etwas passiert. Und der Bundesrat meint es ernst. Zudem entfaltet die Diskussion bereits eine Wirkung, indem die Sportorganisationen vorauseilend Anpassungen vornehmen.
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Korruption
Zu: ,, Wenn die Korruption ein Offizialdelikt wird... diese Gesetzesänderung beträfe nicht nur Sportverbände, sondern auch (z. B.) Unternehmen ..." und nicht zuletzt auch der Haufen Lobbyisten im Bundeshaus!
Der Fisch stinkt...
Mann müsste doch bei der FIFA selbst anfangen mit suchen... Der Fisch fängt vom Kopf an zu faulen...
Ehemaliger Gossauer
und wieso ist genau der fussballplatz gossau abgebildet?!? glaube kaum das dies der einzige club mit einer dunkler seite ist/war?!