Einbürgerung

15. Juli 2017 09:06; Akt: 15.07.2017 09:58 Print

«Schweizer Pass für alle hier geborenen Kinder»

von A. Schawalder - Cédric Wermuth will, dass hier geborene Kinder automatisch den Schweizer Pass erhalten. Für Kritiker ist das Bürgerrecht eine «Holschuld».

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Das Konzept des Schweizer Bürgerrechts müsse fundamental in Frage gestellt werden, sagt SP-Nationalrat Cédric Wermuth in einem Interview mit Watson. Sein Vorschlag: Kinder, die in der Schweiz geboren werden, sollen automatisch den Schweizer Pass erhalten. Dazu gehören laut Wermuth auch die Kinder von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Der Lebensmittelpunkt der Eltern müsste sich allerdings schon einige Jahre in der Schweiz befinden, ein kurzer Besuch reiche nicht aus.

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Die Kriterien für die Einbürgerung seien zu hart und teilweise auch willkürlich, argumentiert Wermuth. Es mache keinen Sinn, dass in der Schweiz aufgewachsen Personen nicht dieselben Rechte hätten, nur weil ihre Eltern aus dem Ausland kommen. Deshalb will er das geltende System ändern: «Das Bürgerrecht ist der Anfang der Integration, nicht das Ende.» Die Änderung sei auch nötig, um die Demokratie zu stärken: «Wenn immer mehr Menschen hier leben, ohne mitbestimmen zu können, ist das zutiefst undemokratisch.»

Staatsbürgerschaft dank Blut oder Boden

In der Schweiz gilt beim Bürgerrecht das Prinzip des «Ius sanguinis», das Blutrecht. Es besagt, dass mindestens ein Elternteil Schweizer oder Schweizerin sein muss, damit ein Kind die Schweizer Staatsbürgerschaft erhält. Das funktioniert aber nicht überall so. In gewissen Ländern, etwa in den USA und in Kanada, gilt das «Ius soli», das Bodenrecht. Es bedeutet, dass die Staatsbürgerschaft nach Geburtsort und nicht nach Herkunft der Eltern erteilt wird. Wird ein Kind auf amerikanischem Staatsgebiet geboren, erhält es automatisch den amerikanischen Pass, auch wenn die Eltern keine Amerikaner sind. Wermuth wünscht sich den Wechsel vom Blutrecht zum Bodenrecht.

FDP-Nationalrat Kurt Fluri hingegen hält einen Systemwechsel für unnötig: «Wenn ein in der Schweiz geborenes Kind Schweizer werden will, kann es das machen, sobald es 18 ist. Es kann dann selbst entscheiden.» Bevor das Kind volljährig werde und wählen könne, habe es mit dem heutigen System keine Nachteile. Das Prinzip des «Ius sanguinis» stelle auch eine gewisse Hürde dar, da die Person sich aktiv um die Staatsbürgerschaft bemühen müsse. «Das ist nicht zu viel verlangt, es gibt auch eine gewisse Holschuld beim Bürgerrecht.»

Ausschaffungen erschwert

Ebenfalls kritisch äussert sich SVP-Nationalrätin Barbara Steinemann: «Eltern, deren Kinder Schweizer sind, kann man nicht mehr ausweisen, wenn sie einst kriminell würden.» Man könnte auch kaum mehr jemandem die Aufenthaltsgenehmigung entziehen, zum Beispiel wenn die Person von der Sozialhilfe abhängig sei. «Mit der automatischen Einbürgerung müssten solche Sozialhilfebezüger nur ein Kind auf die Welt stellen, damit die Familie dauerhaft in der Schweiz bleiben kann», erklärt Steinemann. Das würde teuer werden und falsche Anreize setzen.

Auch das Demokratie-Argument Wermuths lässt sie nicht gelten: «Das Defizit kommt eher davon, dass einfach zu viele Menschen eingewandert sind.» So wie sie seine Argumentation verstehe, müsste man den Auslandschweizern ihr Wahlrecht entziehen, wenn sie lange oder nie in der Schweiz gewesen seien.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mane am 15.07.2017 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nicht!

    Nein Herr Wermuth, nein!

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  • Eidgenosse am 15.07.2017 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was noch alles?

    "Das Bürgerrecht ist der Anfang der Integration, und nicht das Ende." Gehts noch?? Ich bekomme ja meinen Doktortitel auch nicht gleich zu Beginn des Studium und muss mich dann erst beweisen. Genauso wenig würde ich ihn dann behalten dürfen, falls es dann doch nicht klappt. Sollte der gute Herr als ewiger Student eigentlich wissen.

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  • Alesse am 15.07.2017 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht!

    Liebe Schweizer tut das das nicht! Keiner wird es euch danken! Keiner wird sich deshalb besser integrieren! Warum sich anstrengen, wenn man es umsonst bekommt! Keiner wird euch etwas zurückgeben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rudolf Salzgeber am 15.07.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Fass ist voll!

    Nur schon der Gedanke sollte zu Denken geben. Die linken Politiker machen unsere Kultur kaputt. Eine schande es gibt kein Land, das so Respektlos mit der eigenen Kultur umgeht. Hoffentlich werde ich im nächsten Leben in Canada geboren, denn was ich hier erlebe löscht mir ab. Ein leben lang gearbeitet, Steuern bezahlt, respektvoll mit Mensch und Natur umgegangen und nun stelle ich fest es geht nur um Macht und Geld in diesem Land. Das hat nichts mit Menschlichkeit zu tun sondern ist Verrat an der Schweizer Kultur..

  • Martino61 am 15.07.2017 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsbürgerschaft abgeben

    Will jemand den roten Pass, so soll er diesen beantragen und ist ihm der Preis zu teuer, dann soll er es lassen! Mein Bruder lebt seit vielen Jahren in Österreich und man hat ihm schon einige Male die österreichische Staatsbürgerschaft angeboten. Er nimmt sie aber nicht an, weil er immer noch im herzen ein "Eidgenosse" ist und er müsste sein wunderbareren Schweizerpass abgeben. Würde man dass in der Schweiz ebenfalls einführen: Schweizpass ja, aber alter Pass/Staatsbürgerschaft ablegen, dann würden viele auf den roten Pass verzichten...

  • Paul am 15.07.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    zum ersten, zum zweiten, zum....

    Inzwischen wird es langweilig: Jedes Vierteljahr lässt Wermuth irgendeine beliebige Aussage über Einbürgerung der Presse zukommen. Das Volk springt empört auf meldet sich mit Leserbriefen. Wermuth hat daran eine solch diebische Freude, dass er bereits die nächste Gaudi plant: Möglichst praxisfern, mindestens so spektakulär, dass die Presse darüber berichtet.

  • Tkna am 15.07.2017 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    Was ist mit den Menschen,die schon lange hier wohnen, arbeiten und Steuern zahlen,bekommen die auch gratis den Schweizerpass?

  • G. Kohler am 15.07.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine Nationalität

    Nur wenn man in einem Land geboren wird, sollte dass noch lange keinen Grund zum Erlangen dieser Nationalität sein. Richtig wäre es meines Erachtens auch, wenn jede/r nur eine Nationalität haben kann.