Einbürgerungs-Studie

29. September 2015 08:27; Akt: 29.09.2015 08:33 Print

«Schweizer zu sein muss eine Ehre bleiben»

von B. Zanni - Eingebürgerte Migranten integrieren sich besser. Muss deshalb die Einbürgerungsfrist gekürzt werden? Darin sind sich linke und bürgerliche Politiker uneins.

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Vor allem Gruppen, die mit den stärksten Vorurteilen zu kämpfen haben, hilft der Schweizer Pass auf die Sprünge. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Der rote Pass hilft Migranten, sich besser in die Gesellschaft einzufügen. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie. Demnach sind eingebürgerte Migranten sozial viel besser integriert als nicht eingebürgerte.

Dominik Hangartner, Politikwissenschaftler an der Universität Zürich und der London School of Economics und Mitautor der Studie, stellt auch fest, dass es in der Schweiz im europäischen Vergleich lange geht, bis sich ein Immigrant einbürgern lassen kann. Er leitet daraus folgende Empfehlung ab: «Die Studie zeigt, dass sich eine gewisse Reduktion positiv auf die Integration und damit für die gesamte Bevölkerung auswirken kann.»

«Wir werden die Studie prüfen»

Linke Politiker fühlen sich in den Resultaten bestätigt. SP-Nationalrätin Barbara Gysi sieht aufgrund der Studie weiteren Handlungsbedarf. «Im Nationalrat werden wir die Studie interessiert prüfen und uns eventuell für eine weitere Reduktion der Frist einsetzen», sagt Gysi. Auch mache sie sich dafür stark, dass die Wohnsitzfristen für die ordentlichen Einbürgerungen in den Kantonen gesenkt wird.

Das Studienresultat freue sie und bestätige, dass es sich lohne, Migranten aktiv einzubinden. «Migranten, die eingebürgert wurden, fühlen sich in der Schweiz willkommener», sagt Gysi. An jeder Standaktion begegne sie zudem einigen, die gern abstimmen würden, aber nicht können.

«Migranten früher waren keine Schmarotzer»

Die bürgerliche Seite betrachtet die Studienresultate kritisch. Diese würden noch lange nicht bedeuten, dass in der Schweiz jetzt möglichst viele Migranten eingebürgert werden müssten, sagt SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. «Die Migranten, die vor 15 Jahren eingebürgert wurden, suchten hier auf ehrliche Weise Arbeit und waren keine Schmarotzer wie die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge.»

Anstatt einer tieferen Hürde für den Erhalt des roten Passes fordert der SVP-Politiker eine Erhöhung: «Will jemand den Schweizer Pass, muss er kämpfen und arbeiten. Schweizer zu sein, muss eine Ehre bleiben.»

Die vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie stammt von Forschern der Universitäten Zürich, Stanford und Mannheim. Die Autoren verglichen Migranten, die die Schweizer Staatsbürgerschaft vor mehr als 15 Jahren in der Urnenabstimmung knapp erhalten hatten, mit solchen, die die Abstimmung damals knapp verloren hatten (siehe Box). Laut einem Studienautor war der Erhalt der Staatsbürgerschaft in manchen Fällen reine Glückssache.

Die Schweiz hat die Frist für Integrationsgesuche in der 2014 verabschiedeten Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes bereits von zwölf auf zehn Jahre gekürzt.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde, dass eine Einbürgerung dann statt finden darf, wenn sich eine Person hier integriert hat und sich hier zu Hause fühlt. Sprich, auch an der Gesellschaft und der Politik dieses Landes teilnehmen will. Eine Einbürgerung soll nicht eine Vereinfachung sein, dass die Personen vereinfacht durch die EU Länder reisen können. Eine Einbürgerung soll ein Privileg sein, für die, die sich vollumfänglich integriert haben. Dass soll nicht heissen, dass sie ihre Herkunft verleugnen oder ablegen müssen, sie sollen und müssen sich aber aber mit ihrer neuen Heimat identifizieren. – Integrierter

der Titel ist doch sehr irritierend. Geht es in erster Linie darum Mensch zu sein oder um eine Identität. Menschen die fliehen suchen den Frieden. Kommen her um ein würdiges Leben führen zu können. Die Schweiz ist für die meisten genau dies. Darum wächst bei vielen genau daraus Dankbarkeit an diesem Platz leben zu können. Hierfür braucht es keine Vorschriften die den Menschen ein Brauchtum aufzwingen. Wieso entstand einst dieser Völkerbund?!! Erwartungen erschaffen weitere Unfreiheiten. Es "muss" eine Ehre sein? Ja! Wir Schweizer haben das Privileg oder die Ehre genau dies anderen Freiheitsliebenden zu gewähren. Denn eine Identifikation mit Etwas (ein Land, Glaube, way of life etc.) ist lediglich ein Bildnis das sich jeder einzelne erschafft (malt, bastelt). Wie heisst es in den meisten Religionen? Du sollst Dir kein Bild machen. Doch der Mensch von Heute rennt fast nur noch in Bildern herum, darum sieht Selbiger den Anderen auch nur noch durch diesen Filter! Wenn wir es schaffen diese Bilder abzulegen könneb wir dem wirklichen Menschen begegnen. In Freiheit und Würde. So wie einst die Väter dieses Landes es für sich aufgebaut haben und jede Generation trägt ihres dazu bei dass es so bleiben kann. Natürlich nur wenn sie es auch möchten. Wir hier dürfen dankbar sein für das was da ist und haben die Möglichkeit Andere daran teilhaben zu lassen. Wenn es denn wirklich um das Mensch sein geht. – Barbara V.

Stimmt, der Pass ist nur ein Pass. Wir sind alles Bürger dieser Welt und wenn ein rotes Büchlein hilft, dass wir alle friendlicher zusammenleben können, dann finde ich das eine gute Idee. Egal ob Schweizer oder nicht, niemand ist illegal auf der Welt. – Jan

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dein Onkel am 29.09.2015 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    umgekehrte Reihenfolge

    Pass bekommen und sich dann integrieren?? Sollte es nicht eher umgekehrt sein. Erst die Integration und dann der Pass? Gibt mir irgendwie zu denken. Soll jetzt jeder den roten Pass erhalten und nach 15 Jahren schauen wir, ob er sich integriert hat und wenn nicht, versucht ihn dann mal wieder weg zu nehmen. Wird wohl kaum gelingen.

  • Olemania am 29.09.2015 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch mit Sosse

    Kommt meiner Meinung immer noch auf die Nationalität drauf an.. Oststaaten müssen sich schneller einbürgern da diese eher abgeschoben werden können wie sonstige EU Staaten.. Ich bin Spanier und keiner kommt drauf das ich den C-Ausweis habe.. Alles eine Sache des Willens und Interesse.

    einklappen einklappen
  • Urim Kosova am 29.09.2015 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voller Freude

    Es ist für mich schon eine Ehre mich in diesem schönen Land integrieren zu können. :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steinwerfer am 29.09.2015 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Eine "Ehre"...

    Nun je nach Semantik kann man das natürlich "Ehre" nennen und Integration ist nun leider auch ein dehnbarer Begriff. Die Loyalität und vollendete 'Integration' zu seinem Wohnland wird denn auch nicht zwingend durch die betreffende Staatsbürgerschaft belegt. Es gibt einige ziemlich lachhaft Regelungen bei dem Einbürgerungs-prozess (EP) und mir sowie meiner Frau hat es schlicht den "Nuggi" rausgehauen, als wir nach 8 Jahren Ehe noch mit dem Vorwurf der Scheinehe (ich CH, sie PL) im EP konfrontiert wurden. Sie hat sich damit abgefunden hier "nicht willkommen" zu sein und die 'Ehre' sein lassen...

  • Simply_Pero am 29.09.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind

    alle auf der gleichen Welt geboren. Je nachdem wo, hatte man mehr oder weniger Glück. Bloss weil die Welt in Länder aufgeteilt worden ist, hat doch der eine nicht mehr Recht auf den Aufenthalt in einem Land als andere.

  • Ein Schweizer am 29.09.2015 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz?

    Als ob die Zugehörigkeit zu einer Nationalität irgendetwas mit Ehre zu tun hat. Soll ich Stolz sein, dass ich rein zufällig in eine Schweizer Familie hineingeboren wurde? Denke nicht.

  • Martina25 am 29.09.2015 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    mehr ein Privileg

    Als Ehre würde ich es nicht bezeichnen...es ist eine Nationalität wie jede andere...nur leben wir leider in einer Welt voller Voruteile, wo dieses rote Büchlein ein Symbol für gute Integration zu sein scheint. Es gibt Leute in der Schweiz, die sehr gut integriert sind und eine Landessprache perfekt sprechen ohne den CH-Pass zu besitzen und umgekehrt gibt es Leute mit CH-Pass, welche sich überhaupt nicht integriert haben. Ausserdem ist das Einbürgerungsverfahren in gewissen Kantonen reine Administration, weiderum gibt es Kantone, wo die Gemeinde darüber abstimmt, ob jemand eingebürgert wird.

  • Dölf am 29.09.2015 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Schweizer zu sein muss eine Ehre sein"

    Hamm, ... aber anderen Menschen Arroganz vorwerfen. Irgendwie passt das nicht zusammen.