Twerking

13. März 2018 09:17; Akt: 13.03.2018 11:42 Print

«Manche denken, es gehe nur ums Füdli»

Yanil Altagracia hat bei der diesjährigen Twerk-Championship in Madrid gewonnen. Für sie steht fest: Beim Twerking geht es nicht nur um den Po.

Die Bernerin Yanil Altagracia (29) ist die diesjährige Twerk-Europameisterin. (Video: S. Brazerol)
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Die Bernerin Yanil Altagracia (29) hat es geschafft: Mitte Februar konnte sie sich gegen andere Teilnehmerinnen aus Europa an der Twerk-Championship behaupten. Das Finale fand in Madrid statt. Sie nahm als Einzige für die Schweiz teil. In einem ersten Schritt habe sie sich eine eigene Choreografie überlegen müssen. «Ich bin im Kuh-Print auf die Bühne gestiegen. Hinten drauf stand Swissmilk», sagt die Schweiz-Dominikanerin lachend. «Zudem stopfte ich einen Milchshaker in mein Hösli.» Darin habe sich Mehl befunden, welches sie am Ende ihrer Showeinlage auf dem Boden verstreute, bevor sie einen Spagat hinlegte. In der zweiten Runde habe sie nur Basics zeigen müssen. «Daraufhin folgte ein One-to-One-Battle», erinnert sich Altagracia. «Im Finale stand ich dann mit der Vertreterin von Finnland. Auch sie habe ich weggetwerkt.»

Das sieht ein Hintern, wenn man twerkt.

Die Schweiz-Dominikanerin sei erst sehr spät zum Tanz gekommen. «Ich habe mich schon immer fürs Tanzen interessiert», erklärt Altagracia. «Weil es uns aber finanziell nicht gut ging und meine Mutter kein Auto hatte, um mich vom Dorf aus in Kurse zu fahren, konnte ich es vorher nie machen.» In ihrer Kindheit und Jugend habe sie vor allem im Ausgang, zu Hause oder auf Festen getanzt. «Dann gab es immer extra eine Show für mich, wo ich zeigte, was ich kann», erinnert sich Altagracia lachend.

«Sie denken, es geht nur ums Füdli beim Twerken»

«Füdli, Füdli und Wiggle-Zeugs»

Vor drei Jahren habe sie dann den Weg zum Twerken gefunden. «Weil niemand Kurse in der Schweiz anbietet, musste ich mir alles selbst beibringen», sagt Altagracia. Dafür habe sie einige Videos geschaut und hart trainiert. Nach rund einem halben Jahr habe sie dann begonnen, Kurse anzubieten. «Frauen der jüngeren Generationen haben wahre Freude daran. Ältere Frauen schauen mich manchmal etwas komisch an. Aber das ist mir egal.» Viele würden den sportlichen Aspekt nicht sehen. «Sie denken, es gehe nur um Füdli, Füdli und Wiggle-Zeugs.» Auch würden einige denken, es sei gefährlich oder es sehe brutal aus. «Meine Mutter zieht mich oft damit auf, wenn ich beispielsweise einen Spagat mache», sagt Altagracia. «Sie sagt dann immer: ‹Wenn du so weitermachst, landest du noch im Rollstuhl›.»

Laut Altagracia kann jeder twerken. «Mein Freund sagt, es braucht einen grösseren Hintern», sagt die aktuelle Twerk-Europameisterin lachend. «Meiner Meinung nach braucht es das aber nicht.» Hingegen brauche es Kraft, Beweglichkeit, Körperbeherrschung und Rhythmusgefühl. «Sonst kann man beispielsweise mit dem Popo keine Akzente setzen.»

Noch gebe es keine Twerk-Weltmeisterschaft. Altagracia: «Diese wird in den nächsten Monaten aber organisiert, hiess es. Vielleicht findet schon nächstes Jahr eine Twerk-WM statt.»

So vertrat Yanil Altagracia die Schweiz in Madrid.

(qll)