Abgebrochene Lehre

31. Dezember 2017 21:32; Akt: 31.12.2017 21:32 Print

«Sie haben uns Lehrlinge wie Dreck behandelt»

21 Prozent der Lernenden brechen ihre Lehre ab. Leser erzählen ihre Geschichte und sind überzeugt: Es war die richtige Entscheidung.

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Jeder Fünfte bricht seine Lehre vorzeitig ab. Das zeigen die Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Die Hälfte davon tat dies im ersten Lehrjahr. Laut BFS bedeutet das aber nicht, dass sie eine Lehre als Bildungsweg nicht mehr in Betracht ziehen. Fast 80 Prozent begannen danach eine andere Lehre.

Umfrage
Darf man seine Lehre abbrechen?

In den Berufen Coiffeur und Gastgewerbe gibt es laut einem Bericht des «Tages-Anzeigers» die meisten Lehrabbrüche. Die Abbruch-Quote liege bei über 30 Prozent. Lernende in den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung oder Sozialarbeit brechen ihre Lehre am seltensten ab.

Fünf Leser erzählen, warum sie ihre Lehre abgebrochen haben und ob sie ihre Entscheidung heute bereuen:

Luca K. (20):
«Ich habe meine Lehre zum Multimediaelektroniker abgebrochen, obwohl mir der Beruf sehr gefallen hat. Leider hatte ich aber sehr grosse Mühe mit dem Lehrbetrieb: Es war eine sehr kleine Firma, mit dem Chef, einem Mitarbeiter und mir. Da ich mich mit dem Mitarbeiter nicht gut verstanden habe und der Arbeitsweg auf Dauer zu lang war, habe ich die Lehre im zweiten Jahr geschmissen. Jetzt mache ich das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Automatiker, das ich 2019 abschliessen werde. Ich bereue die Entscheidung nicht.»

Arjeta Aliu (23):
«Ich bereue es gar nicht, dass ich im zweiten Jahr meine Lehre als Coiffeuse abgebrochen habe. In dem Betrieb damals waren wir Lehrlinge nur die ‹Bimbos›, wir mussten immer die Arbeit erledigen, die die anderen nicht machen wollten. Sie haben uns wie Dreck behandelt. Nach der Kündigung habe ich schnell eine neue Stelle in einem anderen Betrieb gefunden. Dort hat es mir richtig gut gefallen. Meine Lehre zur Coiffeuse habe ich mittlerweile erfolgreich abgeschlossen.»

Romina B. (20):
«Mit 16 Jahren habe ich eine Lehre als Detailhandelsfachfrau in einem Spielwarengeschäft begonnen. Als ich von den Mitarbeitenden gemobbt wurde, wollte ich die Lehre abbrechen. Da meine Mutter dagegen war, habe ich schliesslich so viele Dinge falsch gemacht, bis mich der Betrieb rausgeworfen hat. Die psychische Belastung war einfach zu gross. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Und ich würde es wieder tun. Ich will nicht wissen, wie es mir heute gehen würde, wäre ich in diesem Betrieb geblieben. Jetzt bin ich im letzten Lehrjahr zur Kleinkinderzieherin. Und sehr zufrieden damit.»

Daniel L. (18):
«Ich habe zwei Lehren abgebrochen. Zuerst eine als Detailhandelsfachmann: Dort habe ich gemerkt, dass das nicht mein Ding war. Die zweite Lehre zum Schreiner habe ich ebenfalls vorzeitig abgebrochen, weil ich nicht die für den Beruf nötigen Fähigkeiten hatte. Jetzt suche ich eine Lehre als Logistiker, weil mir das Organisieren und Aufräumen gut liegt.»

(sil)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lehrer am 01.01.2018 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Als Oberstufenlehrerin muss ich zusehen, wie sich diese noch viel zu jungen Kinder viel zu früh mit Berufswahl und Lehrstellensuche rumschlagen müssen. Oft bekomme ich auch das Feedback von Lehrmeistern bei der Schnupperlehre Esch jo scho e Guete, aber no viel zjong. Dafür kann aber der Schüler nichts. Unsere Politiker hingegen schon. Lehrabbrüche, weil man dann doch nicht am richtigen Ort gelandet ist, scheint mir eine logische Konsequenz. Früher einschulen bedeutet eben nicht, sich früher Steuerzahler und AHV-Einzahler zu generieren.

  • TommyM am 01.01.2018 01:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwöhnt...

    Ich habe bei uns lange die Lernenden betreut. Sie sassen bei uns im Betrieb im goldenen Nest mit eigener Lehrlingsabteilung und Lehrmeister. Dürfen sehr viel für die Schule im Betrieb erledigen und eine Top Ausbildung. Jammnern ständig über ihre "Ämtli" und heulen fast wenn sie einmal zwei Tage in der Produktion aushelfen müssen. Mann muss sie behandeln wie rohe Eier und ständig antreiben und motivieren. Viele der Jungen Leute sind sehr verwöhnt und suchen ständig den Weg des geringsten Wiederstandes. Kämpfen ist nicht ihr Ding. Ich bin froh, konnte ich die Lernenden abgebrn.

  • Jon Bon am 01.01.2018 05:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ob da immer die Betriebe Schuld sind?

    Ich würde sagen die lernenden haben sich zuwenig währen der Schulzeit damit beschäftigt was sie wirklich lernen möchten. Und haben dan mal schnell noch genommen was sie noch bekommen haben. Lehr Jahre sind keine Meisterjahr. Die heutige Jugend ist verweichlicht treten Probleme auf wirft man den Bettel hin das ist am einfachsten. Leider können die Jugendlichen meist nicht viel dafür die alten haben sie ja so erzogen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • W.K. am 01.01.2018 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bestraft, dass man Lehre im falscher Berufsmaturit

    Ich habe meine Lehre mit Berufsmaturitätszeugnis durchgezogen, obwohl es nicht mein gewünschter Fachbereich. Aber statt man es positiv ansah, dass ich mich dazu durchgebissen habe, wurde das zum Hemmschuh, beim Fachbereichwechsel, weil ich immer wieder hören musste, Sie haben ja einen beruflichen Abschluss, damit können wir Sie nicht unterstützen für ein Fachfremdes FH-Studium. Ich würde heute die Lehre abbrechen und eine Lehre machen, wo ich gleich die Lehre und Berufmaturität i. Richtigen Fach machen kann also ein Beruf mit integrierter sozialer Berufsmaturität.

  • SwissTrucker92 am 01.01.2018 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mobbing

    Ich hatte die 4-jährige Ausbildung zum Lkw-Mechaniker begonnen. Durch Mobbing in der Berufsschule und am Arbeitsplatz brach ich die Ausbildung nach 2,5 Jahren ab. Da ich eh LKW fahren wollte, suchte ich ausschliesslich nach einer Lehrstelle als Lastwagenchauffeur. Da ich bereits 2,5 Jahre stiftete, durfte ich ins 2. Lehrjahr einsteigen. Wofür andere 3 Jahre Zeit hatten (Kurse etc.),hatte ich nur 1,5 Jahre Zeit. Die Berufslehre schloss ich mit 4,9 ab. Ich bin sehr stolz auf meinen Beruf und bereue den Abbruch absolut nicht! Lkw-Chauffeur ist nicht ein Beruf...Es ist mehr eine Berufung ;-)

  • Ig am 01.01.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Was soll genau der Sinn dieses Artikels sein??

  • Lehrer am 01.01.2018 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik

    Als Oberstufenlehrerin muss ich zusehen, wie sich diese noch viel zu jungen Kinder viel zu früh mit Berufswahl und Lehrstellensuche rumschlagen müssen. Oft bekomme ich auch das Feedback von Lehrmeistern bei der Schnupperlehre Esch jo scho e Guete, aber no viel zjong. Dafür kann aber der Schüler nichts. Unsere Politiker hingegen schon. Lehrabbrüche, weil man dann doch nicht am richtigen Ort gelandet ist, scheint mir eine logische Konsequenz. Früher einschulen bedeutet eben nicht, sich früher Steuerzahler und AHV-Einzahler zu generieren.

  • unbekannt am 01.01.2018 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung

    Warum wird bei den Leuten mit Migrationshintergrund, der Vor und Nachname erwähnt aber bei den Schweizern nicht??? sollte es nicht bei allen gleich sein???