Schweizer IS-Zelle

26. September 2014 10:18; Akt: 26.09.2014 13:53 Print

«Sie verhafteten die Terroristen direkt vor mir»

von A. Hirschberg - Ein Nachbar erzählt, wie die Sondereinheit Sika mitten im Quartier in Beringen SH zuschlug und dabei gleich fünf statt drei IS-Mitglieder verhaftete.

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Toni N.* sitzt mit seiner Frau Gabi auf der Terrasse, zeigt auf einen Parkplatz direkt vor seinem Garten und sagt: «Hier haben sie die Männer verhaftet, alles ging blitzschnell.» Er meint jenen Tag Ende März, als es in der Siedlung «Im Benzen» in Beringen SH plötzlich nur so von Polizisten wimmelte.

Beamte der Sondereinheit Sika, in Vollmontur, nahmen damals fünf Männer fest, die im Verdacht stehen, zu einer IS-Terrorzelle zu gehören. Bisher ging man von nur drei Verhafteten aus. Einer davon ist der invalide Osama M.

Der Iraker, der im Rollstuhl sitzt, ist immer noch Mieter einer Wohnung in der Siedlung. Er stand offenbar im Fokus der Ermittlungen. Gemäss dem Augenzeugen Toni N. wurde seine Wohnung tagelang von der Bundespolizei überwacht. «In dieser Zeit kreiste mehrmals ein Helikopter über der Siedlung», erinnert sich Toni N., ausserdem sei zwei Strassen weiter ein älteres Wohnmobil parkiert gewesen. «Von dort aus überwachten Beamte die Wohnung – sie hatten darin offenbar Kameras installiert.»

Der Jüngste war noch minderjährig

Kapiert hat Toni dies alles erst im Nachhinein. Als er drei dunkle Volvos mit Berner Kennzeichen in hohem Tempo in seine Tiefgarage rasen sah, wurde er zum ersten Mal stutzig. Wenig später seien die vier Männer zusammen mit Osama zu Fuss die Strasse hinabgekommen. Sie hätten mehrere Plastiksäcke auf sich getragen und seien zum Auto gegangen. «Der silberne PT Cruiser mit Aargauer Nummernschild war direkt vor meinem Garten parkiert.»

Plötzlich sei rund ein Dutzend Polizisten aus der Tiefgarage gestürmt. Mit Maschinenpistolen bewaffnet hätten sie den Irakern laut Befehle zugeschrien. «Der jüngste der fünf Männer versuchte noch zu fliehen, doch es ging ruckzuck und alle waren mit Kabelbindern gefesselt.» Vier der Verhafteten seien darauf in die Tiefgarage gebracht, durchsucht und in einen Kastenwagen verfrachtet worden. Den Jüngsten aus dem Quintett habe die Schaffhauser Kantonspolizei in Gewahrsam genommen. «Ich habe gehört, er sei noch minderjährig», sagt Toni N.

Die vier Männer kamen oft zu Besuch

Heute kann Toni N. über den Vorfall lachen. Damals war ihm mulmig zumute: «Niemand hatte uns gewarnt, und alles geschah bloss wenige Meter von uns entfernt.» Ein Beamter der Bundespolizei habe sich später am Abend noch bei ihnen entschuldigt. «Offenbar hatten sie etwas anderes geplant und mussten dann einfach schnell handeln.»

Toni N. hatte schon gehört, dass die Männer Teil eines ganz grossen «Rings» seien. Dass sie einen Anschlag möglicherweise mit Sprengstoff oder Giftgas geplant haben sollen, hat ihn dann aber doch überrascht.

Die vier Männer aus dem Aargau hatte er vor der Verhaftung oft bei Osama M. ein- und ausgehen sehen. Die drei älteren seien zwischen dreissig und vierzig Jahren alt gewesen. Sonst habe der Iraker kaum Besuch erhalten. «Ich habe mich schon gefragt, wieso nie Frauen kamen», so Toni. Osama selbst fand er sympathisch. Er sei morgens immer in seinem Rollstuhl zur Bushaltestelle gerollt und dann abends zurückgekehrt. «Er grüsste immer freundlich.»

Die Bundesanwaltschaft äussert sich nicht zu einer angeblichen Verhaftung in Beringen.

* Name geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hans am 26.09.2014 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eine wirklich schwierige Situation.

    Gewisse Sachen die die BA macht, sollten wirklich länger unter Verschluss bleiben, Sorry, aber jetzt sind diese umso mehr vorgewarnt und aufgescheucht. Die anderen Schläfer sind indirekt gewarnt und verhalten sich dem entsprechend ruhig. So lange der Bürger vertrauen hat in die Organe des Bundes, sollte dies eigentlich keine Probleme bieten, im Gegenteil.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans am 26.09.2014 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eine wirklich schwierige Situation.

    Gewisse Sachen die die BA macht, sollten wirklich länger unter Verschluss bleiben, Sorry, aber jetzt sind diese umso mehr vorgewarnt und aufgescheucht. Die anderen Schläfer sind indirekt gewarnt und verhalten sich dem entsprechend ruhig. So lange der Bürger vertrauen hat in die Organe des Bundes, sollte dies eigentlich keine Probleme bieten, im Gegenteil.

    • Homerino am 26.09.2014 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Die werden jetzt erst richtig nervös und machen Fehler!

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