Neue Entwicklung

12. November 2014 22:19; Akt: 13.11.2014 12:13 Print

«Sie wollten Geri Müller politisch abschiessen»

Aufgrund der neuen Entwicklung um die Nacktselfie-Affäre Geri Müllers beantragt sein Anwalt eine Strafuntersuchung gegen zwei politische Gegner des Politikers. Das berichtet die «Rundschau».

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Der Badener Stadtammann Geri Müller. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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W.*, die Chatpartnerin von Grünen-Nationalrat Geri Müller, hatte regen SMS-Verkehr mit dessen politischen Gegenspielern, dem PR-Berater Sacha Wigdorovits und Josef Bollag, dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Baden. Das zeigen die polizeilichen Auswertungen ihrer Handydaten, die der «Rundschau» vorliegen.

«Aus Berichten der Kantonspolizei geht relativ klar hervor, dass die Herren Wigdorovits und Bollag Geri Müller politisch schaden und ihn abschiessen wollten», sagt Andreas Meili in der Sendung vom 12. November. Laut dem Anwalt des Badener Stadtammanns ist die Israel-kritische Haltung Müllers Hintergrund dafür.

In den nächsten Tagen reiche er den Antrag ein, dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen auf Bollag und Wigdorovits ausdehne. Grund seien gewichtige Indizien, «dass nicht öffentliche Gespräche zwischen zwei beteiligten Personen an Journalisten weitergegeben wurden».

SMS-Protokoll der politischen Gegner

Laut dem Bericht der Kantonspolizei Bern stellte Sacha Wigdorovits am 28. April den Kontakt zu «Blick»-Chefredaktor René Lüchinger her und sicherte W. Anonymität zu. «Der Blick würde die Informationen über Sie und von Ihnen NIE irgend jemandem geben, auch keinem anderen Medium. Und selbst beim Blick wüssten höchstens zwei Leute oder nur der Chefredaktor, wer Sie sind.»

Durch Wigdorovits tritt die Chatpartnerin dann mit Bollag in Verbindung.

Bollag rät Chatpartnerin, über Müller auszupacken

Während der Frühlingssession trifft Geri Müller seine Ex-Chatpartnerin im Bundeshaus und verlangt, dass sie den belastenden Chat löscht. Das berichtet die junge Frau Bollag. Der rät ihr, das Handy in einen Tresor zu legen oder dem «Blick»-Chef zu geben.

Ausserdem warnt Josef Bollag W. davor, Müller nochmals zu treffen «da Gewalt nicht auszuschliessen ist». Wie die «Rundschau» berichtet, drängt er W. dazu, bei den Strafverfolgungsbehörden in Biel vorstellig zu werden. «Sie müssen keine Strafanzeige machen, sondern nur zu Ihrer Absicherung den Sachverhalt schildern und dann entscheidet die Beamtin, ob es ein Offizialdelikt ist oder ein Antragsdelikt. Capische???», schreibt Bollag in einem SMS.

Wigdorovits fordert um 4.20 Uhr Chat-Protokolle

Vier Tage bevor die Nacktselfie-Affäre publik wird, reist W. abends nach Baden. Polizeibeamte bringen sie von der Haustüre von Müllers Ex-Frau weg. Um 23 Uhr bittet sie ihre Vertrauten Wigdorovits und Bollag um Hilfe. Wigodrovits will ihr Geld für ein Hotel zukommen lassen. Um 2 Uhr bricht die Frau nach eigenen Angaben zusammen und kommt ins Spital.

Um 4.20 Uhr verlangt Wigdorovits von ihr einen detaillierten Rapport des Polizeieinsatzes. Um 5.36 Uhr fordert er ihren Anruf. Schliesslich teilt er ihr um 8.02 Uhr mit: «Sitze jetzt mit Patrik Müller zusammen». Drei Tage später publiziert der Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» den Artikel «Nackt-Selfies aus dem Stadthaus».

«Komplott ist Unsinn»

Den Vorwürfen, Sacha Wigdorovits habe Bilder weitergegeben, widerspricht sein Anwalt: «Es ist blanker Unsinn, dass es da ein Komplott gegeben haben soll. Das scheint ein relativ hilfloser Rundumschlag Geri Müllers zu sein», sagt Valentin Landmann. Einer Klage von Müller sehe er deshalb mit «bester Ruhe» entgegen.

W. sagt, von Josef Bollags Vorgehen habe sie sich unter Druck gesetzt und teilweise auch belästigt gefühlt. Bollag selbst verweist auf eine frühere Stellungnahme – er habe die Frau zu keiner Zeit bedrängt, sondern ihr nur helfen wollen.

*Name der Redaktion bekannt

(kko)