E-Shishas für Junge

13. Dezember 2013 08:47; Akt: 13.12.2013 11:29 Print

«So werden Fünftklässler ans Rauchen gewöhnt»

von Hannes von Wyl - An einer Zürcher Schule wurden kürzlich zwei Primarschüler mit E-Shishas erwischt. Die günstigen Dampfgeräte verleiteten Kinder zum Rauchen, befürchtet die Suchtprävention.

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«Wir haben letzte Woche beobachtet, dass mehrere Primarschüler auf dem Schulareal dampfen», sagt Daniel Amrein, Schulleiter der Primarschule Auhof im Schulkreis Schwamendingen. Die Schule habe bei einem Fünft- und einem Sechstklässer sogenannte E-Shishas konfisziert. Diese hätten sie an einem Kiosk gekauft.

Laut der Suchtprävention der Stadt Zürich sind die Dampfgeräte bereits an zwei weiteren Schulen aufgetaucht: «Wir hatten in der letzten Zeit vermehrt Anfragen von Schulen und besorgten Eltern wegen Mittelstufe-Schülern, die E-Shishas rauchen», sagt Urs Rohr, Bereichsleiter Familie und Freizeit.

Besorgte Eltern

Auch in anderen Kantonen melden sich Schulen und besorgte Eltern bei Präventionsstellen oder Schulleitungen. In Luzern fragte etwa der Elternrat beim kantonalen Schulleiterverband nach, ob die Schulen offizielle Richtlinien haben, was den Umgang mit elektronischen Zigaretten betreffe. Die Aargauer Suchtprävention und die Lungenliga Aarau haben ebenfalls Anfragen erhalten. Auch in Basel-Stadt kennt man das Problem.

«Unter den Schülern spricht sich herum, wo sie E-Shishas kaufen können», sagt Amrein. Die günstigen Einweggeräte mit Fruchtaromen sind an verschiedenen Verkaufsstellen ohne Altersbeschränkung erhältlich. Das bereite ihm Kopfzerbrechen. «Mir macht Sorgen, dass die Kinder etwas konsumieren, das sie nicht kennen.» Die Kinder fühlten sich durch das Dampfen älter und präsentierten sich im Kollegenkreis als besonders «cool».

E-Zigaretten als Einstiegsdroge

Die Suchtprävention der Stadt Zürich warnt denn auch vor den E-Shishas. Die Geräte seien leicht verfügbar und sprächen mit fruchtigen Aromen gezielt Kinder und Jugendliche an. «So können sich bereits Fünftklässler an eine Rauchhandlung gewöhnen, was letztlich zu einem Einstieg in die Nikotinabhängigkeit führen kann», sagt Rohr. Er fordere daher die Einführung einer Altersbeschränkung für den Verkauf von elektronischen Zigaretten.

Auch Händler verurteilen den Verkauf der Dampfgeräte an Junge. «Das ganze Produkt wird in ein schlechtes Licht gerückt, weil es einzelne Händler gibt, die aus Profitgier E-Zigaretten an Minderjährige verkaufen», sagt Stefan Meile, Geschäftsführer der InSmoke AG. Die meisten Verkäufer hätten eine freiwillige Alterslimite von 18 Jahren eingeführt, denn: «E-Zigaretten sind nur für erwachsene Raucher, die ihren Zigaretten-Konsum reduzieren wollen.»
Auch Kioskbetreiberin Valora, die E-Shishas in ihrem Sortiment führt, kennt eine – freiwillige – Altersbeschränkung. «Wir verkaufen die E-Zigarette unter Einhaltung der kantonalen Tabakgesetzverordnung, das heisst je nach Kanton ab 16 oder 18 Jahren», schreibt eine Sprecherin auf Anfrage.

Gesetzliche Regelung in Arbeit

Für Rohr ist das wenig glaubhaft. «Die freiwillige Selbstbeschränkung mancher Händler ist eine reine Schutzbehauptung. Natürlich wollen die Leute, die Geld in das E-Zigaretten-Business investiert haben, ein möglichst positives Image aufbauen.» Daher brauche es eine klare gesetzliche Regelung.

Dazu arbeite das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gegenwärtig Vorschläge aus, berichtet der «Beobachter». Denkbar wäre etwa ein separates Tabakproduktegesetz, unter das auch E-Zigaretten fallen könnten. «Das würde nicht bedeuten, dass E-Zigaretten den normalen Zigaretten in jeder Hinsicht gleichgestellt werden. Es wäre möglich, den Zugang zu solchen Produkten, die dafür erlaubte Werbung und Warnungen spezifisch zu regeln», sagt Michael Anderegg, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BAG.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R. Schneider am 13.12.2013 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wie war's bei uns?

    Ist sicher nicht das Ziel der E-Zigaretten, aber als Alternative gibt es ja immer noch die Nielen, wie wir sie als Kinder in dem Alter geraucht haben. Wenn Kinder das Rauchen ausprobieren wollen, dann finden sie auch einen Weg. Haben wir auch schon.

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  • Anja ... am 13.12.2013 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    meine erste zigi hatte ich mit

    10 Jahren... die dunkelziffer ist da bestimmt sehr hoch, vor allem wenn die eltern selbst rauchen, sonst kommt man in dem alter ja eh nicht auf die idee sich eine anzuzünden. Aber wenn man mama und papa immer sieht, dann will man das halt auch mal ausprobieren. Das mit der E-Zigi ist aber eher eine Hetze, der Bund und die Tabakkonzerne haben wohl Angst, dass Ihnen zuviel GEld durch die lappen geht. Wenn die Dampfzigi verboten wird, dann müsste man die Tabakzigis auch gleich verbieten, sonst wäre das wohl das lächerlichste verbot aller Zeiten!

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  • Nichtraucher am 13.12.2013 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lasst es gut sein 

    na dann waren wohl die Nielen meine Einstiegsdroge...ups ich rauche ja nicht mal;-) lasst es mal endlich gut sein mit dieser Antiraucher Hetze...Prävention gut und Recht...aber Kinder machen halt Saich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 15.12.2013 23:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt doch auf dem Teppich !

    Heute wird ja schon aus jedem Hafenkäse eine Katastrophe heraufbeschworen....bleibt auf dem Teppich. Übrigens : die E-Sisha enthält kein Nikotin !

  • Swissvapors am 15.12.2013 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige Argumentation

    Das Argument, dass Dampfen in die Nikotin-Abhängikeit führen soll ist genau so fundiert, wie dass Schokolade essen in die Bulimie führt. Zudem wäre es mir lieber, wenn meine Kinder dampfen, anstatt Zigaretten rauchen. Weiter scheinen die Medien von der Tabak Lobby bezahlt zu werden, denn es scheint den Berichterstattern lieber zu sein, wenn Jugendliche rauchen, anstatt zu dampfen. Die Medien und Politiker sollten sich mal gründlich informieren, und die diversen, veröffentlichten Studien lesen, welche klar belegen, dass das Dampfen weitgehend ungefährlich ist.

  • Genervt am 15.12.2013 00:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Überspringen wir doch bitte einfach diesen Trend! Ich kenne viele in meinem Alter (14 J.) die sowas nötig haben. Wenn sie Zigaretten rauchen, müssen sie anfangs husten, ihnen wird schlecht und sie mögen den Geschmack nicht. Nun wollen sie aber trotzdem cool sein und sehen wie Rauch aus ihren Mündern und Nasenlöchern kommt. Dazu schmeckts auch noch gut. Lasst es doch bitte einfach! Unnötig verschwendetes Taschengeld!

  • Geniesser am 14.12.2013 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Grundrecht auf Genuss

    Irgendwie bezweifel ich, dass das Dampfen von aromatisierten Liquids überhaupt zu irgendeiner Sucht führen kann. Das dürfte ähnlich sein wie bei Schoggi und allen Genussmitteln generell. Vielleicht wäre es einfach befriedigender für unseren Bundesrat alles zu verbieten, da man in Bern offensichtlich Elterngefühle hat und den Menschen in diesem Land, ob Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen jeden Genuss am Leben nehmen möchte oder vorschreiben will was das genau zu sein hat.

  • Pizzajola am 14.12.2013 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    E-Zigi statt Pyro

    E-Zigis gehören auf keinen Fall in die Hände unter 18-Jähriger. Allerdings befürchte ich nicht, dass die E-Zigarette Junge zum Rauchen verführt. Sies schon rein vom Aroma her. Einze Zigarette ist herb, macht am Anfang schwindlig. Eine E-Zigarette nicht, besonders dann nicht, wenn man Fruchtliquid's verwendet. Allerdings eignet sich eine E-Zigarette ausgezeichnet, von der Pyro-Zigarette los zu kommen.