Psychiater

20. November 2014 05:55; Akt: 20.11.2014 05:55 Print

«Social Media sind wie Kiffen»

von Nicolas Saameli - Immer mehr Jugendliche müssen psychiatrisch behandelt werden, weil sie mit den sozialen Medien überfordert sind. Eine Gruppe ist dabei besonders anfällig.

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Jugendliche mit ihren Smartphones in Zürich. Immer mehr Junge brauchen psychiatrische Hilfe, um mit ihren Social-Media-Problemen klarzukommen. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Smartphones sind in diesem Jahr endgültig bei der Schweizer Jugend angekommen. Wie die James-Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften belegt, besitzen 97 Prozent der Jugendlichen ein solches Gerät und haben damit Zugang zu mobilem Internet. Welche Probleme solche Geräte für Einzelne verursachen können, ist aber noch weitgehend unerforscht.

Ein Experte für die Folgen der ständigen Vernetzung ist der Zürcher Kinder- und Jugend‎psychiater Dr. Oliver Bilke-Hentsch von der «Modellstation Somosa» in Winterthur. Er ist mit einer immer grösser werdenden Zahl von Jungen konfrontiert, die dem Druck der sozialen Medien nicht mehr standhalten können und aus diesem Grund psychiatrisch betreut werden müssen. «Das Problem heisst Smartphone», sagt er. «Es bringt die Jugendlichen in verschiedene Problemsituationen, mit denen einige nicht umgehen können.»

«Besser als das eigene Selbst»

Einen besonders starken Einfluss habe das mobile Internet über die sozialen Medien auf Jugendliche, die Probleme in ihrem Umfeld haben, sagt Bilke-Hentsch. Er habe zwei Dinge festgestellt, die in Kombination besonders gefährlich seien: «Erstens neigen Jugendliche mit geringem Selbstvertrauen dazu, ihren Online-Status öfters zu ändern – und zweitens werden Personen, die besonders viel posten, häufiger aus den sozialen Netzwerken ausgeschlossen.» Das führe bei Jungen, die ohnehin schon Probleme mit ihrem Umfeld hätten, zu einer gefährlichen Negativspirale.

Verlockend seien die Reaktionen auf Internet-Posts. «Interaktionen wie Facebook-Likes lösen ein extrem kurzfristiges, aber starkes Glücksgefühl aus.» Jugendliche, die ein geringes Selbstwertgefühl haben, würden so dazu verlockt, sich ein Online-Profil zu schaffen, dass «besser» sei als sie selbst.

Schwerwiegend sei auch die Sucht-Problematik. Dabei gebe es eine Gruppe, die besonders auffalle: «14- bis 17-jährige Mädchen hatten schon immer die Telefonitis, aber die Abhängigkeit, die sie gerade mit den Smartphones entwickeln, ist enorm.»

Unklar sei noch, ob es sich beim Kommunikationswahn der Teenagerinnen um eine Phase oder eine längerfristige Sucht handle. «Smartphones, Social Media und die damit verbundenen Probleme sind ganz einfach noch zu neu, um fundierte Aussagen darüber machen zu können.»

Das Smartphone aufteilen

Wer durch die Vernetzung besonders gefährdet sei, könne man nicht genau sagen. Es gebe aber gewisse Personengruppen, die ein erhöhtes Risiko aufweisen würden. «Social Media ist ein bisschen wie Kiffen: 90 Prozent der Jugendlichen können damit umgehen und entwickeln sich normal, 10 Prozent haben Probleme.»

Wer sich selber als gefährdet sehe, habe mehrere Möglichkeiten: «Wer Probleme mit Social Media hat, soll nicht mehr mobil darauf zugreifen. Das Smartphone sollte beispielsweise auf keinen Fall mit ins Bett kommen.» Eine andere Möglichkeit sei die Trennung. «Wer mit seinem Handy überfordert ist, soll dessen Funktionen wieder auf einzelnen Geräten benutzen – ein Mp3-Player für Musik, ein Handy zum Telefonieren und ein Fotoapparat zum Fotografieren.»

Haben Sie ein Problem mit Social Media? Machen Sie hier den Test.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 20-Jähriger am 20.11.2014 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teilweise SCHLIMM!

    Es ist schlimm zuzuschauen, wie viele Leute Handysüchtig sind.. Ich meine es ist ja teilweise normal, dass man sobald einem langweilig ist im Zug, das Handy benutzt.. Mache ich ja auch und lese damit Zeitung oder checke Mails.. Aber, dass Leute ausrasten, weil man kurz sein Handy nimmt oder in Personen laufen, weil sie beim laufen nicht hochschauen geht einfach zu weit! Den Spruch: "Das ist die einzige Privatsphäre, die ich noch habe" >auf das Handy bezogen habe ich von meinem Bruder, aber auch von anderen schon zu oft gehört! Soorry aber das ist ein Sucht-Verhalten oder etwa nicht?

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  • Ruth Egli am 20.11.2014 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer und überall

    Nicht nur Jugentliche allgemein wird stets aufs Smartphon geguckt jetz und überall, oftmals eine Last. Mann kann kein Gespräch mehr führen ohne das "Ding" ist on und in Reichweite. Eigentlich schade, viel geht verloren vom Zwischenmenschlichen.

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  • Simon am 20.11.2014 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vetrauen?

    Kenne das Ganze sehr gut.. Man hat immer das Gefühl, man müsse online sein, sonst verpasse man etwas. Habe angefangen, mich mehr und mehr vom Handy zu distanzieren. Viele teils sinnlose und zeitaufwändige Apps gelöscht etc.. Meine Grossmutter hat mir etwas sehr eindrückliches erzählt: Mein Grossvater bestieg 1960 den Kilimandscharo und den einzigen Kontakt den er und meine Grossmutter hatten, war ein Brief, den er ihr geschrieben hat. Ich glaube Vetrauen hatte einen deutlich höheren Stellenwert als es heute hat, sofern ich das beurteilen kann... (Bin ja erst 21 ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rolf B. am 20.11.2014 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datenverbindung ausschalten

    Es ist so das die Socials Medias süchtig machen. Für alle die davon wegkommen wollen geb ich hier folgenden Tipp..Schaltet beim Handy die Datenverbindung aus damit noch SMS und Anrufe getätigt werden können. Die Devise ist wer einem erreichen möchte kann anrufen. Sollte man eine Woche durchziehen. Zeitungen in gedruckter Form lesen. Das Handy soll dazu benützt werden jemandem zu kontaktieren und nicht dazu selber die ganze Zeit gestört zu werden! Ach ja der Akku hält plötzlich 2 Tage.

  • Lars am 20.11.2014 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Früher"

    Als ich noch ein Kind war (und das ist erst ein bisschen mehr als 10 Jahre her...) waren alle Kinder aus meinem Dorf zusammen draussen und spielten, egal welches Wetter, egal welche Jahreszeit. Wir gingen bei den anderen ins Haus ohne zu klingeln. Heute sehe ich sehr wenige Kinder draussen. Den Regen finden sie zu nass, Schlamm grusig, Schnee zu kalt, Sonne zu heiss. Ich habe letzens meine kleine Nachbarin gesehen (9) die auf einem iPhone spielte während die Mutter dem jüngsten (4) ein Spiel oder so auf dem iPad erklärte. Ich bin froh durfte ich die smartphonefreie Zeit noch erleben.

  • Io Mio am 20.11.2014 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber Hallo

    Das ganze wieder mit dem Kiffen zu vergleichen ist doch absolut absurd... Ich bin Gelegenheitskiffer, hatte aber nie den Drang mir selber etwas zu besorgen. Entweder gehöre ich zu den 10% die keine Probleme damit bekommen, oder die Doktoren, Psychiater Wissenschaftler oder sonstige 'Spezialisten auf jeglichen Gebieten' haben vergebens viel Geld für ihre Studien ausgegeben. Ich tippe auf zweiteres. Und für solche unnützen Studien (von welchen es jede zweite Woche eine neue gibt) pumpt man den 'Experten' auch noch Geld in den Hintern. Wollte das nur platzieren auch wenn es am Thema vorbeizielt.

    • Der Spender am 21.11.2014 11:38 Report Diesen Beitrag melden

      Dio Mio

      Soso gern nehmen aber nie selber was dazu beisteuern, die hat man gern ;-)

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  • Ea am 20.11.2014 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Social-Medias krankheit

    Bin ihrgendiwe geschockt weil hier gesagt wird, dass social-medias die Jungen zu Psychiatern bringt wie Kiffen. Das Internet macht Krank und nicht high. Ich kiffe aber wegen dem muss ich nicht zu einem Psychiater. Ich selber habe Whatsapp und Facebook gelöscht. Seit dem bin ich noch glücklicher und habe mehr Zeit für mich und weniger Probleme. Bin 18 Jährig und einer von den wenigen der kein Whatsapp mehr hat. Traurig aber wahr

  • ArtPun710 am 20.11.2014 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss ich sollte nicht mehr solches Lesen...

    Ich werde wütend wenn ich jede Woche etwas von einem Psychologen lesen muss der wieder mal "beweist" das die heutige Jugend nicht fähig ist mit solchen Dingen umzugehen... Ich meine wer zur Hölle muss wegen Facebook oder co. in Behandlung!??