Rechtschreibung

21. Januar 2015 23:03; Akt: 22.01.2015 10:03 Print

«Studenten können nicht mehr richtig schreiben»

von Ph. Flück - Maturanden haben zunehmend Mühe mit der Rechtschreibung. Ist die lasche Rechtschreibekontrolle an den Primarschulen daran schuld?

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Christa Dürscheid: «Bei Kindern muss nicht gleich jede Kleinigkeit angestrichen werden.» (Bild: Keystone/Anthony Anex)

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Falsch geschriebene Wörter, abgehackte Sätze, willkürlicher Gebrauch der vier Fälle und rein zufällig gesetzte Kommata: Prüfungsexperten bestätigen der NZZ, dass es Maturanden gibt, die kaum einen einzigen deutschen Satz korrekt schreiben können. Fehler in der Rechtschreibung seien bei fast allen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. So heisse es bei den Schülern etwa «gleich falls« statt «gleichfalls« und «schohn» statt «schon».

Umfrage
Sollen Schüler so schreiben dürfen, wie sie sprechen?
12 %
86 %
2 %
Insgesamt 9182 Teilnehmer

Auch HSG-Professor Rainer J. Schweizer sagt: «Es ist tatsächlich so, dass Studenten zunehmend Mühe mit der Rechtschreibung haben.» Doch was sind die Gründe für die mangelnde Rechtschreibekompetenz der Schüler?

Lasche Rechtschreibekontrolle

Professor Schweizer glaubt, dass die steigende Zahl elektronischer Kommunikationsmittel an der Entwicklung schuld ist: «Auf Facebook oder WhatsApp ist nur eine reduzierte Kommunikation erforderlich, man benutzt oft Abkürzungen wie zum Beispiel ‹LG› statt ‹Liebe Grüsse›.» Diese Kommunikationsweise stelle einen grossen Teil der heutigen Kommunikation dar, deshalb entwickle sich die Sprache vieler Jugendlichen nur in beschränktem Masse. Auch bemerkt Schweizer eine wachsende Lesefaulheit: «Heutige Studenten lesen und schreiben grundsätzlich zu wenig.»

Eine weitere Ursache sieht SVP-Nationalrat und ehemaliger Lehrer Oskar Freysinger in der laschen Kontrolle der Rechtschreibung an Primarschulen. An vielen Schulen dürfen Kinder nämlich so schreiben, wie sie sprechen. So sollen sie Freude am Schreiben entwickeln. Das aber sei fatal, findet Freysinger: «Gerade während der ersten Schuljahre haben Kinder ein unglaublich fotografisches Gedächtnis, deshalb darf man sie nicht an falsche Schreibweisen gewöhnen.» Solche Fehler seien später nur sehr schwer zu beheben. Die Verarmung der Sprache schreite ohnehin schon sehr schnell voran: «Schon bald wird die deutsche Sprache in eine Willkürlichkeit, wie sie noch vor der Barockzeit herrschte, zurückfallen.» Deshalb müsse man in der Schule unbedingt von Anfang an auf die korrekte Orthografie achten.

Mehr Fehler, dafür «inhaltlich stark»

Der Präsident der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, Christian Amsler, bestätigt, dass in den ersten Schuljahren in vielen Schulen mehr auf den Inhalt als auf die Form geschaut werde: «Viele Lehrer in der Schweiz unterrichten nach dem Prinzip des ‹Schreibe, wie du sprichst›, eine Methode, die von Sprachwissenschaftlern und Lehrern entwickelt wurde.» Probleme berge diese Methode keine. Im Gegenteil: Es sei gut, dass man die Texte der Kinder nicht mit dem Rotstift zudecke. Er selbst hält die Methode für sehr effektiv: «Ich habe kürzlich bei einem Schulbesuch die Anwendung dieser Methode beobachtet und war positiv beeindruckt davon.»

Auch der Berner Volksschulamtsvorsteher Erwin Sommer glaubt nicht, dass die lockere Rechtschreibkontrolle zu mehr Rechtschreibfehlern führe: «Ich habe eher festgestellt, dass der Wechsel der neuen Rechtschreibung zu einer Verunsicherung geführt hat.» Es sei wichtig, den Kindern die Freude am Schreiben zu vermitteln. Rot markierte Korrekturen könnten demotivierend wirken.

SP-Bildungspolitiker Matthias Aebischer ist von der «Schreibe, wie du sprichst»-Methode überzeugt: «Wenn man Kinder ständig korrigiert, nimmt man ihnen die Freude am Schreiben.» Er merke es bei seiner kleinen Tochter auch: «Wenn ich mir manchmal das Korrigieren nicht verkneifen kann, sehe ich sofort, dass es sie stört.» Natürlich müsse man einmal aufhören, jeden Rechtschreibefehler durchzulassen, doch dies müsse nicht gerade in der ersten oder zweiten Klasse geschehen.

Wenn er als Uni-Lehrbeauftragter mit Studenten zu tun habe, merke er manchmal auch, dass diese tendenziell mehr Fehler machen würden als früher. «Dafür sind sie inhaltlich klar stärker geworden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Petra am 21.01.2015 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Also ich finde in den ganzen Online Medien deutlich mehr Rechtschreibfehler als in meinen Texten.

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  • Gregor am 21.01.2015 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Vrechheit!

    Und sowas nennt sich Professohr.

  • profdringdipl am 21.01.2015 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    total daneben

    "Dafür sind sie inhaltlich klar stärker geworden."... diese Aussage ist unglaublich...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland L am 23.01.2015 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nichts Neues

    Es gibt genug ewige Studenden so lange wenn man Unterstützung bekommt wie so ein Leben lang studieren es ist besser als mal endlich etwas Arbeiten und dazu hat man Zeit zum Rechtsschreiben.

  • Willem am 23.01.2015 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdige Auswüchse der Kuschelpädagogik

    Gibt es wirklich keine andere Kriterien um in einer Gesellschaft aufzuwachsen als die Lust der Einzelnen?

    • Leser am 23.01.2015 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      In einer Kultur vor dm Absturz?

      Nein! Das muss so sein!

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  • otto bamert am 23.01.2015 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Geschwafel

    Wer ernst genommen werden will, muss sich auch sprachlich überzeugend präsentieren, und das geht nun einmal nicht ohne Orthografie und Grammatik. Auch inhaltlich Gewichtiges kann man sonst gleich wegstecken, weil's eben zum Geschwafel verkommt.

  • ClaudeAndre am 23.01.2015 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Rechtschreibung App

    Vor zwei Jahren haben wir eine App auf den Markt gebracht, mit der die wichtigsten 9 Rechtschreibregeln in 11 Minuten vermittelt werden. Damit kann man im Prinzip 65% der Rechtschreibfehler vermeiden. Sie spart dutzende von Nachhilfestunden. Leider informiert man an Schulen nicht darüber, weil es "problematisch ist, ein kommerzielles Produkt zu bewerben." (Die Kosten belaufen sich auf CHF 3.50 beim Download. Das ist wirklich viel im Vergleich zu den Nachhilfestunden).

    • Heiner am 23.01.2015 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine Illusionen

      Lieber ClaudeAndre, gewiss ist Ihre App eine gute Sache. Davon profitiert aber nur, wer daran interessiert ist, seine Rechtschreibung wirklich zu verbessern. Und ich kann Ihnen mit Gewissheit sagen, dass Ihre App auch nur bei beflissenen Schülerinnen und Schülern eine Wirkung hätte, und gerade diese bräuchten sie am wenigsten. Trotzdem wäre es sinnvoll, die Schulen darauf aufmerksam zu machen. Wenn dem einen oder andern damit geholfen werden könnte, wäre das ja super.

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  • Thomas am 23.01.2015 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Schule auch bald freiwillig?

    Heute können sie so schreiben WIE sie wollen, morgen schreiben sie nur noch WENN sie wollen und übermorgen wird Schule wohl ganz freiwillig werden. Darf man den heutigen Kids gar nichts mehr zumuten? Wie sollen die später alleine zurechtkommen wenn alles nur noch freiwillig ist und jeder machen kann wie es ihm gerade passt? Ich versteh das nicht.