Nebenjob obligatorisch

09. September 2014 05:56; Akt: 09.09.2014 05:56 Print

«Studis sollen arbeiten, nicht in der Badi liegen»

von J. Büchi - Eine 50-Prozent-Stelle für jeden Studenten: Mitte-Politiker würden ein duales Uni-System begrüssen. Viele Absolventen seien heute zu praxisfremd.

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«Heute gibt es zu viele Studenten, die lieber in der Badi liegen, anstatt Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zu sammeln», sagt FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann. (Bild: Keystone/Peter Schneider)

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Martina Müller (27) hat gerade ihren Master in Wirtschaftswissenschaften gemacht. Sie freut sich auf ihren ersten Job. Als sie die Stelle bei einer Bank antritt, landet sie jedoch hart auf dem Boden der Realität: Die langen Arbeitstage, das hohe Tempo und die Kritik ihres Chefs überfordern sie. Ihr Ferienjob an einer Bar – ihre einzige Arbeitserfahrung bislang – hatte sie nicht darauf vorbereitet.

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Geht es nach dem ehemaligen Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor (CVP), soll es solche Fälle künftig nicht mehr geben. In der Zeitschrift «Schweizer Monat» sprach er sich für ein duales Bildungsmodell an Universitäten aus: Die Hälfte des Studiums soll aus Vorlesungen bestehen, die andere Hälfte aus Arbeit in einem Unternehmen.

«Realistischere Vorstellungen vom Arbeitsmarkt»

CVP-Nationalrätin und Universitätsrätin Kathy Riklin unterstützt den Vorschlag ihres Parteikollegen. Für sie hätte ein duales Uni-System nur Vorteile: «Die Studenten merken früh, wofür sie sich wirklich interessieren – und die Arbeitgeber sind froh, wenn die Studienabgänger nicht völlig praxisfremd sind, wenn sie sich bei ihnen bewerben.» Dass Letzteres ein Problem sein könne, zeige nur schon die Tatsache, dass Fachhochschul-Absolventen für Firmen zunehmend attraktiver seien als Uni-Abgänger.

Auch FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann findet die Idee «innovativ und prüfenswert». Erst im Juni forderte er in einem Postulat eine stärkere Verzahnung von Praxis und Forschung in den Bankenwissenschaften – unter dem Dach eines internationalen Hochschulzentrums. «Ein engerer Praxisbezug wäre auch in anderen Studienrichtungen wünschenswert», so Portmann.

Die Studenten bekämen so nicht nur eine realistische Vorstellung von ihrem späteren Beruf, sondern wären durch den Zusatzverdienst auch weniger von Eltern oder Stipendien abhängig. «Heute gibt es zu viele Studenten, die lieber in der Badi liegen, anstatt Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt zu sammeln.» Laut Portmann müsste allerdings gewährleistet sein, dass die Uniabschlüsse international vergleichbar bleiben – dies sei eine Herausforderung.

«Unis konzentrieren sich auf Forschung»

SP-Nationalrat Matthias Aebischer, Präsident der nationalrätlichen Bildungskommission, nimmt die ganze Diskussion hingegen mit Verwunderung zur Kenntnis. «Wir haben ein hervorragendes Fachhochschulsystem: Wer Praxis und Lehre verbinden will, ist damit bestens bedient.» Wer in der höheren Berufsbildung sogar noch mehr auf Praxis setzen wolle, könne einen Meisterkurs oder eine höhere Fachschule besuchen. «Die Universitäten heben sich genau dadurch vom restlichen Angebot ab, dass sie sich eben primär auf Wissenschaft und Forschung konzentrieren.»

Fakt ist: In der Schweiz entscheiden sich immer mehr junge Leute für ein Studium. 2013 absolvierte fast jeder Siebte einen universitären Hochschulabschluss – sehr viele von ihnen landen in der Privatwirtschaft und schlagen keine Forschungskarriere ein. Für Aebischer kein Argument: «Dann muss man die angehenden Studenten eben besser aufklären, was sie an der Universität erwartet.»

Das sieht auch SVP-Nationalrätin Verena Herzog so. Sie plädiert dafür, dass die Schüler früher und breiter über ihre beruflichen Möglichkeiten – gerade auch im naturwissenschaftlichen und handwerklichen Bereich – informiert werden. Dann würden mehr Leute eine Ausbildung ausserhalb der Universität wählen. «Ein Praxisbezug an Unis wäre zwar wünschenswert, ist aber wohl nicht bei jeder Fachrichtung möglich.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 45+ Ausgesteuert am 09.09.2014 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeit?

    Ich befürworte das. Jedoch hat es NICHT genug Teilzeitjobs! Vor allem 45+ Ausgesteuerte finden keine Arbeitsstelle mehr, da sie zu alt sind. Die Jungen sollten im Arbeitsmarkt bereits Erfahrungen haben, jedoch gibt ihnen niemand die Möglichkeit dazu! Theorie und Praxis stimmen hier nicht überein!

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  • urs h. am 09.09.2014 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wann

    Falls das umgesetzt wird, vergeht doch wieder eine halbe Ewigkeit.

  • Stu Dent am 09.09.2014 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht hilfreiche Planung

    Ich arbeite 30% und studiere Vollzeit. Nächste Woche beginnt das neue Jahr und ich weiss noch nicht einmal, ob alle Vorlesungen so stattfinden wie angegeben. Nicht gerade leicht für meinen Chef und die Arbeitsplanung!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabrina Ziegler am 09.09.2014 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Es ist jedem selber überlassen, wie er seine Ausbildung gestaltet. Grundsätzlich geht das einem selber oder höchstens der Familie etwas an.

  • Hil Billi am 09.09.2014 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    la.lalala...

    Ich bin Faul, also werde ich Student.

  • Michael Klein am 09.09.2014 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Geringe Kentniss

    Ich glaube Herr Portmann verkraftet es nicht, das er nicht studiert hat - sonst wüsste er, das das Studentenleben durchaus hart ist. Und das Studienzeiten auch mal Lücken aufweisen, wo man durchaus im Badi sein kann. Auch wenn andere zu der Zeit arbeiten müssen.

  • sophia am 09.09.2014 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das geht doch nicht

    studieren bedeutet 100% leistung. am wochenende ein paar stunden arbeiten ist kein problem aber einen 50% job nebst dem studium? wie stellt ihr euch das vor?

  • What A Summer am 09.09.2014 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Badi?!

    Ach was diese Politiker sich wieder alles ausdenken. Dieses Jahr legte sich kaum einer in eine Badi.

    • krass am 09.09.2014 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      studenten-faulheit

      ja, aber nur wegen schlechtem wetter, sonst würden sie in der badi liegen

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