Arzt rät nach Todesfall

22. November 2013 09:03; Akt: 22.11.2013 10:31 Print

«Tampons muss man regelmässig wechseln»

Der Tod der Britin Natasha (14) wegen eines Tampons verängstigt auch Frauen in der Schweiz. Zwei Mädchen schildern, wie sie nur knapp überlebten. Ein Arzt gibt aber Entwarnung.

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Die 14-jährige Natasha Scott-Falber benutzte zum ersten Mal einen Tampon - und starb daran. Zuvor hatte sie mit ihrer Mutter noch darüber gesprochen, die sie ermahnte, den Tampon ja nicht zu lange drin zu lassen. Nur wenige Tage nach der ersten Anwendung wird Natascha krank, sie hat hohes Fieber und stirbt. Die Ursache: Toxisches Schocksyndrom (TSS).

Auch Schweizer Mädchen haben das Schocksyndrom am eigenen Leib erfahren. Lena (15) hatte das TSS vor ungefähr einem Jahr: «Ich überlebte in der letzten Stunde, bevor die Organe den Geist aufgegeben hätten.» Als sie am Samstag ihre Tage bekam, benutzte sie gleich einen Tampon. Am Tag darauf hatte sie leichte Kopfschmerzen. Am Montag fühlte sie sich dann so erschöpft, dass sie nicht zur Schule konnte. Sie dachte, es sei nur eine harmlose Erkältung. «Mir ging es aber immer schlechter und schlechter. Meine Gliedmassen schmerzten und ich wollte nur noch liegen.» Das Kopfweh wurde schlimmer und auch die Gliedmassen schmerzten immer mehr. «Meine Körpertemperatur stieg gefährlich hoch an. Ich fing an zu erbrechen - alle 30 Minuten.»

«Tampons sollten verboten werden»

«In der Nacht auf Dienstag lag ich im Delirium mit 40 Grad Fieber und redete nur wirres Zeug», erzählt Lena weiter. Der Hausarzt konnte nicht helfen. Auf dem Weg ins Inselspital Bern konnte sie fast nicht mehr gehen und musste noch immer erbrechen. Im Spital wusste man endlich, was zu tun war. Später teilten ihr die Ärzte mit, dass sie sie gerade noch auffangen konnten. Ihr Blutdruck sei stark gesunken. «Eine Stunde später und meine Organe hätten versagt.» Nach dem Vorfall durfte Lena mindestens ein Jahr lang keine Tampons mehr verwenden, da sie sonst einen Rückfall riskiert hätte.

Auch Melanie hat mit Tampons negative Erfahrungen gemacht: «Mein Frauenarzt riet mir von Tampons ab, ich folgte seinem Rat und bin froh darüber.» Sie hatte während ihrer Menstruation sehr starke Schmerzen, Schweissausbrüche und zitterte am ganzen Körper. Sie musste erbrechen und hatte zugleich Stuhlgang, konnte sich kaum bewegen. Doch niemand fand den Grund dafür. Endlich wusste ein Arzt ihr zu helfen, klärte sie über das Toxische Schocksyndrom auf. Mit einer OP war ihr sogleich geholfen. «Seither geht es mir viel besser, ich bin so glücklich. Vorher war ich sehr eingeschränkt, niemand hat mich ernst genommen. Ich finde, Tampons sollten verboten werden.»

«Blut ist der perfekte Nährboden für Bakterien»

Dr. med. Pierre Villars, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, sieht das anders: Er habe in 25 Jahren Praxis noch keinen Fall von TSS erlebt. «Tampons sind bei richtiger Anwendung überhaupt nicht gefährlich.» Lasse man aber den Tampon zu lange drin, das heisst mehr als 8 Stunden, dann steige das Risiko für TSS. «Blut bietet einen perfekten Nährboden für Bakterien. Wenn ein Tampon bei etwa 37 Grad im Körper über mehrere Stunden verweilt, können sich die Bakterien schneller vermehren und Toxine abgeben», sagt Villars. TSS werde häufig durch Streptokokken-Bakterien verursacht. Das sind Hautkeime. Deshalb sei es wichtig, vor dem Tampon-Wechsel gründlich die Hände zu waschen.

Würde man den Tampon regelmässig, im besten Fall alle vier Stunden, wechseln und vorher die Hände waschen, dann seien Tampons vollkommen ungefährlich. «Natürlich muss man sich der Risiken bewusst sein. Aber zu einem Toxischen Schocksyndrom kommt es nur in den seltensten Fällen.» Der Tampon-Hersteller Tampax informiert auf seiner Webseite über die Risiken des Schocksyndroms. TSS könne jederzeit während oder kurz nach der Periode auftreten. Zudem könne es sehr schnell voranschreiten - von grippeähnlichen Symptomen bis hin zu einer ernsten Krankheit, die tödlich sein kann. Gegenüber 20 Minuten konnte Tampax heute keine Stellung nehmen.

Obwohl Lena wegen TSS nur knapp dem Tod entkam, ist sie von Tampons nicht abgeschreckt: «Ich benutze seit diesem September wieder Tampons und hatte keinen Rückfall bis jetzt. Wenn ich einen gehabt hätte, hätte ich einfach sofort ins Spital gehen müssen.» Das sei aber kein Grund, keine Tampons mehr zu verwenden.

(blu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tt am 22.11.2013 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwissend

    Scheinbar Wissen junge Mädchen besser wie man ein ePhon benutz als ein Tampon

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  • Pat am 22.11.2013 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beipackzettel

    Beipackzettel lesen, dort steht es drin. vorher informieren

    einklappen einklappen
  • Elife am 22.11.2013 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Tampons oft wechseln

    Dies sollte aus hygienischen Gründen eigentlich schon klar sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie am 23.11.2013 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wir haben Ende 2013

    Vor 40 Jahren kamen die Tampons so richtig auf. Meine Schwester durfte sie nicht benutzen, weil schon damals einige Mädchen daran gestorben waren. Ich war damals noch nicht alt genug. Vor 40 Jahren! Ist man heute denn noch immer nicht über Hygiene aufgeklärt?

  • Rainer am 23.11.2013 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Mooncup und man hat das Problem erledigt

    Es gibt auch Alternativen zum Tampon. Diese nennen sich Menstruationsbecher. Es gibt verschiedene Produkte davon. Z.B. Mooncup. Diesen führt man direkt in die Scheide ein und er schliesst sich um den Muttermund und nimmt das Blut auf. Leeren und einsetzen ist einfach. Alles ist sauber. Kein Abfall. Wenig Kosten. Man spürt ihn nicht beim Tragen. Eine geniale Sache. Leider wenig bekannt. Man kann halt kaum Geld damit verdienen.

  • Xoff Pardey am 22.11.2013 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verfallsdatum und Beipackzettel

    Würden die Beipackzettel genaue so gut gelesen wie das Verfallsdatum auf Esswaren, würde wahrscheinlich keine Frau an TSS sterben. Jugendliche haben heute oft ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrem Körper und speziell zu ihren Geschlechtsorganen. Wahrscheinlich ekeln sich einige junge Frauen vor den Folgen der Menstruation und wechseln deshalb die Tampons zu selten. Ich finde es falsch, Tampons zu verteufeln, nur weil einige wenige sie nicht richtig anwenden können.

  • Alexandra am 22.11.2013 14:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hygiene und Blutstau...

    Ein bisschen ärgert mich die Diskussion schon. FRAUEN gebt eurem Körper die Aufmerksamkeit und Zeit, die ihr während der Periode braucht! Ihr blutet / Wir bluten nicht grundlos. Warum muss an Hygieneartikeln gespart werden? Warum muss Sport gemacht werden? Warum gönnt sich Frau nicht die Ruhe, die ihr Körper braucht? Ich "alte Kuh" lebe zufrieden und gesund nach einer einfachen Regel: täglich waschen, alle zwei Stunden(mind.) Hygieneartikel whrd. der Periode wechseln und das alltägl. Tempo reduzieren. Wer Schmerzen hat braucht Ruhe!

    • Peter Müller am 23.11.2013 11:15 Report Diesen Beitrag melden

      Alle 2 Stunden?

      Wirklich alle 2 Stunden wechseln? Mindestens? Waqnn schläft frau dann?

    einklappen einklappen
  • Lisa am 22.11.2013 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Panik mache

    Das ist wiedermal Panik macherei... Genau wie mit der Pille. Es sind und bleiben Einzelfälle. Ich benutze seit 10 Jahren OB seit 8 Jahren nimm ich die Pille Yasmin. Schauther ich lebe noch... :) Die Warscheinlichkeit das ich an einem Autounfall sterbe ist wohl eher grösser nicht???