Toll, ein anderer machts

19. März 2014 11:38; Akt: 19.03.2014 11:43 Print

«Teamarbeit macht faul und unglücklich»

von Claudia Peters - Im Team werden deutlich geringere Leistungen als bei Einzelarbeit erzielt, zeigen Experimente. Trotzdem ist Teamarbeit die Königsdisziplin der Soft-Skills. Zu Recht?

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Experimente haben gezeigt, dass die Leistung von Probanden nachlässt, sobald man sich in Gesellschaft eines Teams glaubt. (Bild: Alix Minde)

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Jeder kennt die Situation: Man sitzt im Restaurant, möchte gerne bestellen und wird einfach nicht bedient – obwohl diverse Servicekräfte offenbar unbeschäftigt hinter dem Tresen stehen. In diesem Team fühlt sich offensichtlich niemand für den neuen Gast zuständig.

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«Teamarbeit macht faul und unglücklich», sagt Volker Kitz, freier Buchautor, gegenüber Spiegel online. Experimente hätten gezeigt, dass die Leistung von Probanden nachlasse, sobald man sich in Gesellschaft eines Teams glaube. Die Probanden mussten mit verbundenen Augen Seil ziehen. Einmal, so wurde ihnen gesagt, allein und ein zweites Mal in einer Gruppe. Das Ergebnis war markant: Glaubten die Probanden, im Team zu ziehen, war ihre Leistung viel schwächer. Damit wurde auch die frühere These ausgehebelt, dass schwächere Leistungen bei Teamarbeit vor allem ein Koordinations- und nicht ein Motivationsproblem seien.

Im Team muss man sich weniger anstrengen, könnte man daraus folgern. Glücklich macht dieses als «soziales Faulenzen» bekannte Phänomen aber laut Kitz ebenfalls nicht. In der Teamarbeit fehle die Wertschätzung der individuellen Arbeit. Und Lorbeeren für gute Leistung verteilten sich möglicherweise ungerecht auf alle Teammitglieder. Das zerstöre die Motivation und führe dazu, dass Teammitglieder sich schlechter auf eine Teamarbeit vorbereiten als auf eine individuelle Aufgabe.

Team = Toll, ein anderer machts

Deshalb rät Kitz: Wer sich als Arbeitnehmer selber vor der «sozialen Faulheit» schützen möchte, soll sich eigene Aufgaben innerhalb der Teamarbeit suchen – und darauf bestehen, dass diese auch separat bewertet werden.

Wenn in einem Team alle das Gleiche machen, leidet die Einzelleistung. Diese Einschätzung teilt auch Bruno Staffelbach, Professor für Human Resource Management an der Universität Zürich. Teamarbeit funktioniere dann nach dem Motto «Team: Toll, ein anderer machts!» Das trifft fürs Seilziehen ebenso zu wie zum Beispiel fürs Rudern im Achterboot oder für eine Putz-Brigade im Hausdienst.

Nische für Trittbrettfahrer

Trotz dieser ernüchternden Erkenntnis müsse man die Teamarbeit aber nicht gleich verteufeln. Sie könne durchaus gewinnbringend sein. Wichtig sei, dass sich die Aufgaben und Qualifikationen der Teammitglieder unterscheiden. Staffelbach erklärt: «Vergleichen Sie es mit der Boxenmannschaft bei der Formel 1.» Wenn in einem Team jeder Spezialist und für einen Teilbereich alleine verantwortlich sei, könne die soziale Kontrolle durch das Team sogar leistungsfördernd wirken.

Auch Theo Wehner, Professor für Arbeitspsychologie an der ETH Zürich, möchte die Teamarbeit nicht als leistungshemmend abtun: «Natürlich bietet die Teamarbeit Nischen für Trittbrettfahrer. Es ist aber ein Mythos, dass sich diese Leute in Einzelarbeit markant mehr anstrengen würden.» Er räumt aber ein: «Die Teamarbeit bewegt sich in einem Spannungsfeld von einer völlig individualisierten Gesellschaft und einer Arbeitwelt, die vorwiegend auf Kooperation setzt. Hier müssen Arbeitsgeber bei Teamaufträgen die Balance finden.»

Unternehmen setzen auf Teamarbeit

Bei den meisten Unternehmen ist man vom Nutzen der Teamarbeit nach wie vor überzeugt. Bei der Post hiess es auf Anfrage: «Wir setzen auf Teamarbeit. Zum Beispiel beim Wissenstransfer zwischen Mitarbeitern ist gute Teamarbeit unabdingbar.» Und auch die Migros kann die Kritik an der Teamarbeit nicht aus eigener Erfahrung bestätigen und ergänzt: «Natürlich muss ein Team gut geführt werden und jeder Mitarbeiter bekommt eigene Aufgaben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave A. am 19.03.2014 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Komplexität und Flexibilität

    Ich bin überzeugt, dass in meinem Job die Teamarbeit von existentieller Bedeutung ist. Wir beschäftigen uns mit hochkomplexen Systemen und Kreisläufen, in welchem ein Symtpom viele unterschiedliche Ursachen haben kann. Dadurch, dass wir ein bunt durchmischter Haufen im Team sind, kommen so jeweils die verschiedensten Lösungsansätze. Hingegen glaube ich sofort, dass sich bei weniger komplexen und besonders bei repetiven Arbeiten Teamwork kontraproduktiv auswirken kann.

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  • Hans Durchblick am 19.03.2014 16:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh Gott...

    ... ich hasse Teamarbeit!!!

  • John007 am 19.03.2014 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Teamarbeit funktioniert nicht

    Volker Kitz hat recht. Ich bin davon überzeugt, dass Teamarbeit die Produktivität massiv einschränkt, weil sich die Teammitglieder gegenseitig behindern. Ich habe in unzählige Firmen Einblick erhalten, und habe nicht ein Beispiel gesehen wo Teamarbeit funktioniert. Das heisst jedoch nicht, dass man nicht miteinander reden soll. Diejenigen die Teamarbeit propagieren wollen nur die Verantwortung auf andere abschieben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Meier am 20.03.2014 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    TEAM = Toll Ein Anderer Machts!

    Schwache (Faule) werden mit TEAM Arbeit belohnt, auf Kosten derer die Ihre Arbeit mittun und so den "Erfolg" des TEAM's ermöglichen. Klar ein TEAM wäre eigentlich so stark wie das schwächste Mitglied! Ist es aber die Aufgabe des stärksten Mitgliedes, sich neben der Mehrarbeit (damit was brauchbares rauskommt) auch noch um das Antreiben der anderen zu kümmern? Der Lohn der dabei rauskommt, ist derer, dass man dann als Streber, Sheriff, Polizist, Pünktlischisser, etc, bezeichnet wird und anschliessend verleumdet, schlechtgemacht und schlussendlich gemieden wird!

  • Surferin am 20.03.2014 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich wundere mich gerade ...

    ... warum so viele hier über Teamarbeit schimpfen? Sie hat doch auch Vorteile. So sind z. B. Stellvertretungen (besonders bei ungeplanten Abwesenheiten) einfacher abzudedecken. Und man kann eine schlaue Arbeitseinteilung machen, wenn z. B. das eine Teammitglied konzentriert an einem Projekt arbeitet, kann sein Team ihm solange den Rücken freihalten. Und bei zu fällenden Enscheidungen offeriert das eine Teammitglied vielleicht aus seinem anderen Blickwinkel heraus wichtige Argumente, das sonst vergessen worden wäre. Ich sehe wirklich nicht, was daran schlecht sein soll.

  • Teamarbeiter am 20.03.2014 06:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Team

    Es kommt immer darauf an wie und was man im Team arbeitet. So wie ich das sehe wird hier vor allem eine Projektarbeit Thematisiert. Ich arbeite in einer Papierfabrik. Pro Schicht sind da 15 Leute die alle im Team arbeiten. Anders gehts gar nicht. Wir können da keine Einzelkämpfer gebrauchen. Wir MÜSSEN im Team arbeiten um vorwärts zu kommen.

  • Free am 20.03.2014 04:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erfahrung...

    Wenn schon Team, dann bitte in kleinsten Gruppen, jemand der dementsprechend Konsequenzen ziehen und Verantwortung übernehmen DARF. Empathie ist gut, wenn man aber auf jeden absolut Rücksicht nehmen muss bremst dies den Prozess ungemein zuviel Wohlfühlmentalität, die Macher sind dann meist die Bösen.

  • Martin am 20.03.2014 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt drauf an

    In einem Team kann jeder eine Teilaufgabe übernehmen, welche zusammengefügt mit den anderen, ein gutes Resultat abliefert. Leider meinen aber viele, Teamarbeit besteht aus Ich=Team, der Rest=Arbeit. Wenn viele gute Leute in einem Team arbeiten, kann auch was gutes dabei heraus kommen, ansonsten gilt: Ein kranker Apfel macht 100 gesunde krank.