«Die Liegenden»

03. Januar 2015 18:47; Akt: 06.01.2015 11:28 Print

«Teenies sind wie Ausserirdische»

von R. Kayser - Der italienische Schriftsteller Michele Serra über handysüchtige Jugendliche und die Hilf- und Ratlosigkeit von Teenie-Eltern.

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Sie chillen auf dem Sofa, hängen am Handy und schotten sich von den Eltern ab: Jugendliche leben laut Michele Serra in einer anderen Welt. (Bild: colourbox.com)

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Michele Serra, in Ihrem Buch wundert sich der Vater über den Alien in seinem Haus – seinen Sohn. Warum beschreiben Sie Teenies als Ausserirdische?
Die Jugendlichen sind in einem Alter, in dem sie tatsächlich Aliens zu sein scheinen. Und zwar nicht nur für die Eltern, die plötzlich ihre eigenen Kinder nicht mehr wiedererkennen, sondern manchmal auch für sich selbst. Die Jugendlichen sind unterwegs auf der Suche nach jemandem, der noch gar nicht existiert: dem Erwachsenen in sich.

Der Vater versucht erfolglos, eine Beziehung zu seinem 18-jährigen Sohn aufzubauen. Warum ist es so schwierig, Teenies zu erziehen?
Wenn ich das wüsste, hätte ich dieses Buch nicht geschrieben. In der Jugend gibt es irgendetwas Mysteriöses, das wir Eltern nicht verstehen. Mein Buch erzählt von der Stille und Verschwiegenheit des Sohnes gegenüber seinem Vater und von dessen Obsession, diese interpretieren zu wollen.

Wie sollten denn die Eltern mit ihren pubertierenden Kindern umgehen?
Ich habe nicht die geringste Ahnung. Der Vater meines Buches ist hilflos und weiss nicht, wie er seinem Sohn begegnen soll. Er ist ein Vater, der auf eine kollegiale und nicht auf eine autoritäre Weise auf seinen Sohn zugeht. Er hat jedoch den Verdacht, dass der Sohn lieber einen autoritären Vater vor sich haben würde – einen mit dem er streiten und Konflikte austragen und letztlich daran wachsen könnte. Doch der Vater ist ein aufrichtiger Vater, er kann nicht vorgeben, jemand zu sein, der er nicht ist.

Der Generationenkonflikt spielt in Ihrem Buch eine wichtige Rolle. Wer ist dafür verantwortlich: Die handysüchtigen Jugendlichen oder die unsicheren Eltern, die ihre Kinder kontrollieren wollen?
Beide. Aber vor allem die Eltern, die vorgeben, kontrollieren zu können, was man gar nicht kontrollieren kann. Wenn ein Kind heranwächst, müssen Eltern sich mit dessen neuer Andersartigkeit abfinden, ohne zu versuchen, sie zu verstehen oder zu kontrollieren. Das wäre nicht nur falsch, sondern vor allem auch aussichtslos.

Der Vater denkt oft an seine eigene Kindheit zurück und sagt, dass der Generationenunterschied damals noch nicht so gross gewesem ist. Ist er dabei nicht einfach nur nostalgisch?
Er erinnert sich, dass seine Kindheit stärker vom Leben der Erwachsenen abgetrennt war. Man blieb länger Kind, mit weniger Rechten, weniger Freiheiten und weniger Geld als die Jungen von heute. Man war weniger «Kollege» der Eltern. Ein beliebter Witz in Italien besagt, dass die Generation der 1950er-Jahre die erste war, die zuerst den Eltern und dann den Kindern gehorchen musste.

Gibt es denn wirklich keinen Weg, die Kluft zwischen Eltern und Teenies zu überwinden?
Diese Kluft ist eine ganz natürliche Krise. Wir Eltern müssen sie akzeptieren und die Illusion aufgeben, dieses Problem verstehen oder lösen zu können. Das Leben löst die Sachen von selbst. Die Kinder werden zu Erwachsenen und oft verbessert sich dann die Beziehung zu ihren Eltern wieder. Manchmal geschieht das aber erst, wenn die Eltern sehr alt sind oder sogar schon tot.

Sie haben selbst eine Tochter und drei Söhne. Ist das ein autobiografisches Buch?
Das Buch hat sicherlich einen autobiografischen Kern, als vierfacher Vater habe ich viele eigene Erfahrungen mit einfliessen lassen. Aber meine Geschichte ist voll mit literarischen Erfindungen. Das ist das Schöne an der Literatur: Sie kann schummeln, die Karten neu mischen und erfinden. Zum Glück ist ein Schriftsteller nicht an die Wahrheit gebunden ...

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gulli am 03.01.2015 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soviel dazu..

    Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Sokrates - 469 vChr - 399 vChr

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  • Lars am 03.01.2015 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kollegen sind die Gleichaltrigen

    "Man war weniger «Kollege» der Eltern." - Genau, Kinder wollen keine Kollegen als Eltern und auch keine Kollegen als Lehrperson. Sie wollen eine Respektsperson, ein Vorbild, zu dem sie aufsehen und sich gleichzeitig auch davon abgrenzen können. Das ist heute das Problem!

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  • Er Zieh Ung am 03.01.2015 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    der richtige Weg ist nicht einfach

    Kinder dürfen nie vernachläsigt werden. Wer von der Geburt bis nach der Pupertät. Den richtigen Weg zu finden ist aber sehr schwierg. Er liegt irgendwo zwischen totaler Freiheit des Kindes, Verwöhnung und "totaler Aufsicht". Wer diesen Weg findet in der Erziehnung tut dem Kind einen riesen Gefallen, auch wenn es mit den Entscheidungen nicht immer einverstanden ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 04.01.2015 21:43 Report Diesen Beitrag melden

    Das Buch muss ich mal lesen

    Wenn wir Eltern mal ehrlich sind, so müssen wir feststellen, das auch unsere Eltern über uns in dem Alter sich die Hände über den Kopf schlugen. Das wird wohl daher kommen, das jede Generation sich anders entwickelt, weil auch die Gesellschaft sich entwickelt. Es mag in "gute" oder "böse" Richtung gehen, anpassen muss man sich trotzdem irgendwie. Und, man kommt ja nicht als Eltern auf die Welt, sondern wird es durch einen Prozess, der teils auch überfordert wirken kann u Fehler zuerst bei sich sucht, wo am Ende aber gar keine sind, weil eben jede Generation ihren eigenen Charakter hat.

  • Eine Jugendliche am 04.01.2015 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf damit!

    Das ist schön, dass Sie anscheinend so viel über Jugendliche zu wissen scheinen! Ich bin 15 und ich muss sagen, dass auch ich manchmal schwierig bin, aber ich gebe mir Mühe höflich zu sein und so wie ich handeln auch viele andere Jugendliche! Wir müssen halt ein bischen rebellieren, aber das habt ihr ja auch! Viele von uns wollen gar nich immer am Handy sein, aber es ist einfach so normal heutzutage! Ich habe ein grosses Sozialleben, mache viel mit Freunden, babysitte und engagiere mich in der Jungschar! Es nervt mich, wenn immer alle Jugendliche in eine Schublade gesteckt werden, denn nicht alle sind so, wie Sie es beschreiben! Und über die, die so sind, regen wir uns auch auf. Lasst uns einfach unser Leben leben und mischt euch nicht immer ein! Viele von euch waren auch nicht besser als wir!

    • Mario Cipollina am 04.01.2015 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht übertreiben

      Bitte lies den Kommentar, den ich etwas weiter unten geschrieben habe. Der ist wie für Dich gemacht. Der interviewte Autor steckt nicht alle Jugendlichen in eine Schublade, sondern stellt in seinem Roman EINE schwierige Vater-Sohn-Beziehung dar. Generationenkonflikte hat es schon immer gegeben und das ist normal. Sie manifestieren sich heute einfach ein bisschen anders. Der Autor sagt letztlich genau das, warum also macht ihr einen solchen Sturm im Wasserglas? Und nur nebenbei, Deine Aussagen werden nicht überzeugender, wenn Du nach jedem Satz ein Ausrufezeichen machst. Punkt genügt auch.

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  • Realist am 04.01.2015 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realist

    Vorallem wieso wenn ich fragen darf sollten die kinder schuld sein nicht die kinder sind schuld daran das wir so weit entwickelt sind wie wirs jetz sind also kann man nicht immer allen anderen die schuld geben aber selbst hat man ja nichts falsch gemacht die handys computers tv usw sind ha von alleine erfunden worden

    • Konrad Duden am 04.01.2015 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      Kommas

      Kommas sind für alle da. Vielleicht würde man dann auch verstehen, was Du uns für Weisheiten verkünden willst. Und nein, Handy, Computer und TV sind definitiv nicht von alleine erfunden worden.

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  • 15j am 04.01.2015 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufstehen

    mal ne frage. wieso müssen wir aufstehen, wenn jemand ins zimmer kommt? gibt es dafür eine erklärung? diese sache verstehe ich nicht ganz. auch nicht, weil wir im 21jh. sind und ich das noch nie gesehen habe ;-)

    • Johnny Castaway am 04.01.2015 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Kleines Missverständnis

      Wer fordert hier und heute, dass man aufstehen soll, wenn jemand ins Zimmer kommt? Ich glaube, Du unterliegst hier einem kleineren Missverständnis.

    • andu am 04.01.2015 11:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alles lesen!

      Siehst Du, genau da ist dein Problem, lies den Text bis ganz an den Schluss und dann merkst Du (vielleicht) dass das von Sokrates stammt und schon damals dieselben Probleme existierten

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  • junge erwachsene am 04.01.2015 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ??

    ich weiss ja nicht wo ihr alle herkommt und ob es wirklich so ist oder ob sie masslos übertreiben, aber wo ich herkomme, sind nicht alle teens so. ps: wir leben nicht in einer diktatur und erklären sie mir bitte mal warum wir aufstehen7 sollen wenn eine alte person den raum betritt?! stehen doch sie auf wenn jugendliche den raum betreten. ps. wir sind im 20 jahrhunder angekommen, akzeptieren sie es

    • Johnny Castaway am 04.01.2015 10:18 Report Diesen Beitrag melden

      Irrtum

      Soviel ich weiss, befinden wir uns mittlerweile im 21. Jahrhundert, nicht im 20. Und wenn Du schon keine Achtung vor älteren Menschen zeigen willst, warum benutzt Du dann die Höflichkeitsform? Du widersprichst Dir also selbst.

    • nicht Sokrates am 04.01.2015 10:28 Report Diesen Beitrag melden

      Bildung hilft

      Ich erhebe mich angesichts so viel geistiger Brillanz. Akzeptieren Sie es auch: Wir sind im 21. Jh. angekommen und Sokrates ist und war kein Forenkommentarschreiber.

    • Bat H. am 04.01.2015 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Booaaah.......!

      Unglaublich, hammermässig & geistreich Dein Kommentar, dem gibts absolut nichts beizufügen, denn da kannst Du beim besten Willen nichts dafür. Da sollte man mal mit Deinen Erzeuger mal ein paar Worte reden. Aber eins möchte ich doch gerne noch loswerden. Falls Du es, vor lauter abschätzigkeit den "Alten" gegenüber, noch nicht bemerkt hast, wir sind unterdessen im 21. Jahrhundert. Akzeptiere es einfach, und gut ist.

    • Min Jung am 05.01.2015 00:20 Report Diesen Beitrag melden

      Anstand ja, aber

      Ich finde, er hat recht. Warum müssen wir vor älteren Menschen in die Knie gehen? Ich respektiere andere Menschen, ob alt oder jung, aber dasselbe erwarte ich auch vom Gegenüber. Ich bin anständig und höflich, aber ich finde nicht, dass ich mich wie ein Hofnarr, vor dem König verneigen muss. Apropos. Übrigens sind alte Menschen auch nicht immer angenehme Zeitgenossen. Wurde schon zweimal ziemlich unfreundlich behandelt, obwohl ich nichts gemacht habe. Von dem her, finde ich, kann nicht immer nur die Jugend der Sündenbock sein.

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