Chemsex-Partys

10. November 2015 08:40; Akt: 10.11.2015 11:52 Print

«Viagra liegt zur freien Verfügung herum»

Der Chemsex-Trend bereitet Medizinern Sorgen. Die Hemmungslosigkeit fördere das Risiko von Geschlechtskrankheiten. Jetzt erzählt ein Szenekenner, der selbst daran teilnimmt.

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Cannabis und Haschisch gehören laut dem Szenekenner zu den Basisdrogen. Auch vom Viagra-Vorrat könne sich jeder bedienen. (Bild: Keystone/Jerzy Dabrowski)

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Sexpartys, an denen sich die Teilnehmer Drogen einwerfen und dann mit verschiedenen Partnern Geschlechtsverkehr haben, werden in Grossbritannien immer beliebter. Mediziner warnen deshalb jetzt vor den Folgen. Weil viele auf Kondome verzichten, drohen Ansteckungen mit dem HIV-Virus und anderen Krankheiten.

In der Schweiz werden ebenfalls solche Partys gefeiert. Laut Lars Stark, ärztlicher Leiter bei den Zentren für Suchtmedizin Arud in Zürich, geht es unter anderem darum, mit möglichst vielen Partnern Sex zu haben. Das stimme nicht bei allen, erklärt ein Kenner der Szene, der anonym bleiben will. «Klar, es gibt sicher solche. Das ist mir persönlich dann schon zu stressig. Ich picke meistens ein paar Leute heraus, die mich persönlich auch anmachen, und mit denen habe ich dann Spass», sagt er zu 20 Minuten. Dem Basler geht es in erster Linie darum, seine Leidenschaft für eine Weile zu befriedigen. «Ich habe keine Lust, am nächsten Tag wieder an Sex zu denken.»

Harte Drogen müssen selbst organisiert werden

In der Regel laufe die Organisation von solchen Partys über das «Buschtelefon». Plane er sie selbst, würden es nie über 20 Teilnehmer. Man treffe sich meistens in einer privaten Wohnung mit Spielzimmern, sagt der 31-Jährige. Die Teilnehmer seien durchmischt. «Da waren Männer mit dabei, die zu Hause einen Partner hatten, oder sie kamen gleich zu zweit. Oder Singles, die einfach wieder mal eine Gruppe erleben möchten. Aber auch Heteros mit Frau und Kindern zu Hause.» Das Alter der Teilnehmer reiche von 25 bis 60 Jahren. Die Gesellschaftsschicht sei zweitrangig. «Aber vom Handwerker über den normalen Angestellten bis zum Versicherungsmann, CEO oder Politiker ist eigentlich alles vertreten.»

Geht die Party einmal los, kommen die «Basisdrogen» ins Spiel. «Hasch oder Cannabis werden an jeder Party konsumiert. Auch von den Leuten, die noch wenig damit in Kontakt gekommen sind.» Er selbst achte jedoch darauf, dass Unerfahrene nicht zu viel konsumieren würden. «Nicht, dass dann einer kollabiert oder den halben Abend halbtot in der Ecke liegt und sich ausnüchtert.» Auch Alkohol sei reichlich vorhanden. «Viagra, Kamagra und anderes liegt meistens herum zur freien Verfügung der Teilnehmer.» Härtere Drogen müssten grundsätzlich selbst organisiert werden. Doch: «Nicht jeder, der teilnimmt, konsumiert harte Drogen.»

«Die Angst vor Aids hat sich ziemlich gelegt»

Schliesslich gehe es zur Sache. Allerdings scheint der Schutz vor Geschlechtskrankheiten tatsächlich nicht alle zu interessieren. «Es gibt Freunde von mir, die machen es aus Prinzip nur ohne, andere machen es nur mit. Kondome habe ich immer ausgelegt, aber die werden kaum angerührt», sagt der 31-Jährige. «Und so nebenbei: Vermehrt wird bei den Schwulen auf das Kondom verzichtet.»

Der Basler hat den Eindruck, dass sich die Angst vor dem HI-Virus merklich gelegt hat. Rund die Hälfte der Teilnehmer verzichte auf das Kondom. Genau davor warnen die Mediziner. Durch die Hemmungslosigkeit und den regen Partnerwechsel könne die Zahl der Infizierten zunehmen. Und nicht nur das: «Die Drogen wirken toxisch und belasten den Herzkreislauf», sagt Stark. Lasse die Wirkung der Drogen nach, würden viele zudem depressiv.

Das bestätigt der Szenekenner: «Man fühlt sich ein bisschen schlaff, müde, leicht depressiv, das kann ich so unterschreiben. Ist eigentlich genau so wie mit dem normalen Drogenkonsum.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 10.11.2015 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Trend

    "Trends" zeichnen sich dadurch aus, dass grössere Teile einer Gesellschaft mitmachen. Wenn eine Hand voll Leute Sex und Drogen mögen, dann ist das kein Trend.

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  • Antoinette72 am 10.11.2015 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich  

    Ich dachte, als ich 20 war, ich sei die hemmungsloseste Frau auf der ganzen Welt, weil ich in den Flitterwochen jeden Tag, manchmal auch , uii entschuldigt, 2 x pro Tag mit meinem Mann... hatte! Unterdessen, mit 72, bin ich zufrieden mit 1 x monatlich, je nach Rückenschmerzen ab und zu mal öfters. So geht die Zeit um, meinem Guschti wäre es auch egal, einmal jährlich, aber er ist auch 11 Jahre älter... leider...

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  • Thomas zh am 10.11.2015 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Chemsex-Partys machen spass!

    Ich war mit 19 das erste mal ein einer solchen Party. Da waren wir 11 Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren. Hatte ein Kumpel von mir organisiert. Waren 6 Männer und 5 Frauen. Etwa die hälfte kannte sich bereits. Es war wirklich ein mega tolles und lockeres erlebniss. Zuerst haben wir etwas geredet und uns etwas kennengelernt. Und die grenzen jedes Teilnehmers wurden besprochen. Dann haben wir alle etwas konsumiert und dann mit einem Strip Poker angefangen. Als die Wirkung dann einsetzte sind alle Hemmungen recht schnell verflogen und wir hatten eine supertolle Nacht. Verhütet haben wir alle!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ständerat am 10.11.2015 15:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Latte machiato

    Viagra? Ich, 43, wache JEDE Nacht auf ...dann könnte ich mit meinem besten Freund wohl einen gefrorenen Acker durchpflügen. Frauen fanden/finden das super Aber ich sehne mich nach der "ruhigeren" Zeit.

  • Züsti am 10.11.2015 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eklig

    Bin ich die einzige hier die so was anwidert? Ich meine Sex ist ja schön und gut, aber gleich im Rudel und mit Drogen intus... nein danke!

  • Tia am 10.11.2015 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Solange sie dann nicht jammern und Kosten verursachen, wenn sie was "aufgelesen" haben, ists jedem selbst überlassen. Ohne Kondom hingegen ist und bleibt verantwortungslos!

  • res am 10.11.2015 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles freiwillig

    mein gott! orgien gabs schon im alten rom! soll doch jeder machen wozu er lust hat! sind alle freiwillig dort und niemand wird zu irgendwas gezwungen!

  • joschy am 10.11.2015 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handwerker?

    Aber vom Handwerker über den normalen Angestellten bis zum Versicherungsmann, CEO oder Politiker ist eigentlich alles vertreten.» Ist ein Handwerker kein 'normaler Angestellter'?