Gleichstellung

01. Juni 2018 05:41; Akt: 01.06.2018 12:24 Print

«Viele Männer benehmen sich zu Hause wie Paschas»

von Qendresa Llugiqi - Während sich Frauen im Haushalt abrackern, nehmen es Männer gemütlicher. Mit einem Online-Tool können Männer nun messen, wie gross ihr Pascha-Faktor ist.

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Während sich Frauen im Haushalt abrackern, nehmen es Männer gemütlicher. Mit einem neuen Online-Tool können Männer nun messen, wie hoch ihr Pascha-Faktor ist. Das Resultat wird in Form einer Zahl und von zwei Füssen angezeigt. Bei gleichen Anteilen werden jeweils die Zahl 1 und ein gleich grosser Fuss angezeigt. Nicolas Zogg von Männer.ch, der selbst Vater zweier Kinder und getrennt ist, gibt zu: «Ich übernehme alle Tätigkeiten zur Hälfte. Dass die Kinder die halbe Woche bei mir sind, schafft Klarheit. Vorher, im gemeinsamen Haushalt, gab es immer diese Diskussionen, wer jetzt wie viel – oder eben zu wenig – macht. Da hätte mir dieses Tool sicher geholfen.» SP-Nationalrat Beat Jans und seine Frau erledigen Hausarbeiten zu gleichen Teilen (wie auch der Test beweist, siehe nächstes Bild). Dies habe der Vater zweier Töchter im Alter von 10 und 12 Jahren schon immer so gehalten. «Ich arbeite seit jeher Teilzeit. Mir persönlich war es wichtig, für meine Frau und meine Kinder da zu sein», so Jans. «Ausserdem habe ich jeden Mittwoch Papi-Tag, den ich speziell den Kindern widme und an dem ich das Mittag- und das Abendessen vorbereite. Sind die Kinder einmal nicht da, kümmere ich mich intensiver um den Haushalt. Ich putze, räume auf oder gehe einkaufen.» Weil beide Teilzeit arbeiten, brauche es viel Organisation: «Meine Frau und ich sitzen jede Woche zusammen und planen. Alles wird in eine gemeinsame Agenda eingetragen. Trotzdem brauchen wir ab und zu Hilfe von der Oma, um alles stemmen zu können.» Jans erhielt einen MenCare-Fussabdruck von 1. Anders handhabt es SVP-Nationalrat Sebastian Frehner: «Ich arbeite Vollzeit, meine Frau Teilzeit. Durch meine berufliche und politische Tätigkeit bin ich schon sehr ausgelastet, während sie noch Zeit übrig hat, um den Haushalt zu schmeissen.» Dies werde sich aber bald vermutlich ändern: «Unsere Tochter geht bald in den Kindergarten und meine Frau kann mit dem Arbeitspensum hoch.» Ob er dann mehr im Haushalt mache, bleibe offen. Der MenCare-Fussabdruck von Frehner fiel kleiner als der eines Schweizer Durchschnitts-Mannes: «Ich bin kein Pascha», stellt Frehner klar. «Aber auch ich habe nur 24 Stunden, bei einem Vollpensum liegt nicht mehr drin.»

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Frauen waschen und bügeln, Männer hingegen reparieren Dinge: Schweizer Haushalte sind nach wie vor traditionell organisiert, wobei vorwiegend Frauen die Hauptlast in der Haus- und Familienarbeit tragen. Bei acht von zehn Tätigkeiten im Haushalt und in der Kinderbetreuung hat nicht einmal jeder zehnte Mann die Hauptverantwortung. Das zeigt eine neue Studie des Dachverbands der Schweizer Männer- und Väterorganisation (männer.ch).

«Beispielsweise sind weniger als vier Prozent der Väter für die Wäsche hauptverantwortlich, bei den Reparaturen sind es hingegen 75 Prozent, erklärt Nicolas Zogg, Sprecher bei männer.ch. Je frauentypischer eine Tätigkeit wahrgenommen werde, desto weniger Männer würden die Hauptverantwortung übernehmen: «Viele Männer benehmen sich zu Hause wie Paschas. Solche Tätigkeiten gelten als unmännlich – und die wenigsten haben einen Vater im Alltag erlebt, der ganz selbstverständlich auch diese Tätigkeiten gemacht hat.»

Wie sind die Lasten bei Ihnen verteilt?

Es gebe aber auch Tätigkeiten, bei denen die Verantwortung grösstenteils gemeinsam wahrgenommen werde: «Beispielsweise beim Spielen mit den Kindern», sagt Zogg. Bei der Betreuung des Kindes im Krankheitsfall liege die Hauptverantwortung jedoch wieder bei der Mutter (71 Prozent).

Mit einem neuen Online-Tool können Männer nun messen, wie hoch ihr Pascha-Faktor ist: «Der MenCare-Fussabdruck zeigt, wie viel Verantwortung ein Vater zu Hause übernimmt», sagt Zogg. Mittels zehn Fragen zu den Bereichen Hausarbeit und Kinderbetreuung könne eine wissenschaftlich abgestützte Aussage gemacht werden, wie fair die Aufgaben verteilt seien. «Mit diesem Tool wollen wir Väter und Männer zum Nachdenken, zu Gesprächen und zur Veränderung anregen.» Das Resultat wird in Form einer Zahl und von zwei Füssen angezeigt. Bei gleichen Anteilen wird jeweils die Zahl 1 und ein gleich grosser Fuss angezeigt.

Mehr Hausmänner dank Frauenquote?

SP-Nationalrat Beat Jans und seine Frau erledigen Hausarbeiten zu gleichen Teilen. Weil beide Teilzeit arbeiten, brauche es viel Organisation: «Meine Frau und ich sitzen jede Woche zusammen und planen. Alles wird in eine gemeinsame Agenda eingetragen. Trotzdem brauchen wir ab und zu Hilfe von der Oma, um alles stemmen zu können.»

Jans findet ein Macho-Verhalten im Haushalt daneben: «Man kann ja alle Aufgaben teilen, auch die unliebsamen. So ein System hilft der Beziehung zur Partnerin, lässt ihr Raum, sich zu entfalten, und es ist eine Bereicherung für Männer.» Dafür müssten die Wirtschaft und die Politik aber Hand in Hand auf verschiedenen Ebenen tätig werden: «Es braucht eine Frauenquote bei Geschäftsleitungen. Dadurch könnten Betriebe familienfreundlicher werden. Auch braucht es mehr Teilzeitmöglichkeiten für Männer und Frauen – auch in Chefetagen. Auch unterstützende Angebote wie Krippen oder Ferienprogramm öffnen den Weg für eine Gleichstellung.»

«Ich bin kein Pascha»

Anders handhabt es der SVP-Nationalrat Sebastian Frehner: «Ich arbeite Vollzeit, meine Frau Teilzeit. Durch meine berufliche und politische Tätigkeit bin ich schon sehr ausgelastet, während sie noch Zeit übrig hat, um den Haushalt zu schmeissen.» Dies werde sich aber bald vermutlich ändern: «Unsere Tochter geht bald in den Kindergarten und meine Frau kann mit dem Arbeitspensum hoch.» Ob er dann mehr im Haushalt mache, bleibe offen.

Der MenCare-Fussabdruck von Frehner fiel kleiner aus als der eines Schweizer Durchschnittsmannes: «Ich bin kein Pascha», stellt Frehner klar. «Aber auch ich habe nur 24 Stunden, bei einem Vollpensum liegt nicht mehr drin. Ausserdem ist mir egal, was die Gesellschaft will. Es muss für jede Familie stimmen. Es gibt Frauen, die wollen nicht arbeiten gehen, sondern sich um Haus und Kind kümmern.» Laut Frehner braucht es keine weiteren politischen oder wirtschaftlichen Massnahmen, um die Gleichstellung zu regulieren. Einige Massnahmen könnten für die Wirtschaft sogar negative Folgen haben: «Eine Frauenquote kann dazu führen, dass die Qualität schlechter wird. Als Chef muss ich dann eine Frau nehmen, obwohl ein Mann geeigneter wäre.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Titus am 01.06.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Ich arbeite 100%, meine frau ist zu hause und macht den haushalt und schaut dem kind.. da sind die aufgaben wohl klar verteilt oder erwartet ihr dass ich den ganzen haushalt am abend noch mache und nebenbei das kind ins bett bringe?

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  • GDD am 01.06.2018 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen auch

    Es stimmt teilweise. Ich stelle fest, dass Frauen auch, wie Männer, zuhause teilweise in die klassische Rollenverteilung fallen. Wir sollten, egal welches Geschlecht, die Aufgaben nach Fähigkeiten aufteilen und uns alle etwas mehr Mühe füreinander geben.

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  • Marc Steiner am 01.06.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann

    Als Alleinerziehender Vater - das gibts eben auch - mit 100% Job höre ich teilweise schon, dass Mann sich oft bedienen lässt, wenn Kids da sind, auch wenn Frau 40% arbeitet. Muss schon schmunzeln... man(n) kann mehr leisten als man(n) denkt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank N. Stein am 01.06.2018 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seltsame Fragen

    ich meine diverse sachen sind doch logisch...wer 100% Prozent arbeitet KANN die mehrheit gar nicht erreichen. Und ich muss ehrlich sein, wennnich den Tag durch arbeite mache ich nicht abends den Haushalt das die Frau zeit zum Pläuschlen hat, dienhabe ich ja auch nicht, aaaaber, würde meine Frau soviel verdienen wie ich könnten wir auch tauschen...hätte ich kein Problem, da würde ich dann auch nicht motzen wenn sie abends die Füsse hochlegt!

  • jasmin am 01.06.2018 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klar geregelt

    mein mann bringt das geld nach hause und ich setze es überlegt ein. sein job ist es, geld zu beschaffen und mein job ist das familienmanagement, da gehört der haushalt dazu. das haben wir im gegenseitigen einverständnis so geregelt. jeder job hat seine vor- und nachteile, hauptsache es ist allen wohl dabei.

  • mami2 am 01.06.2018 13:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pascha???

    pascha??ein mann der 100% arbeitet und zuhause sich ausruht... nein,das ist für mich kein pascha,wenn die frau zu hause ist. würden beide arbeiten wäre das etwas anders. ich arbeite nur Samstags 9-15uhr und alle anderen tage bin ich zuhause wieso soll mein Mann der ca.10-11h am tag arbeitet noch zuhause helfen. diese zeit wo er noch hat bis die kids einschlafen unternehmen sie zusammen etwas, das ist mir viel lieber. das leben ist immer ein miteinander,er arbeitet auswärts ich zuhause also ist das gerecht aufgeteilt, also bei uns zumindest. geniesst das leben, auch wenn mal etwas nicht geputzt ist oder mal ein Teller nicht gewaschen ist, ist die zeit zu schade um für das zu streiten.

  • Remo am 01.06.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem

    Habe mir heute frei genommen. Meine Liebste ist zur Arbeit also habe ich 2 Maschinen Wäsche gewaschen und aufgehängt, die anfallende gebügelt und anschließend werde ich noch dem Staubsauger die Wohnung zeigen... Weiss nicht was daran so schwierig sein soll. Hier wird geholfen, schließlich liebe ich diese Frau.

  • Neumann am 01.06.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Messy

    Also ich benehme mich zuhause auch wie ein Pascha und tue nichts! Warum meint ihr denn sieht es hier so messy aus? Wohn schliesslich allein in der Hütte am Waldrand...