Videospiel-Sucht

13. Februar 2018 14:27; Akt: 13.02.2018 14:27 Print

«Ultimatum meiner Frau hat mich wachgerüttelt»

Videospiel-Sucht wurde von der Weltgesundheitsorganisation offiziell als Krankheit anerkannt. Drei Süchtige erzählen.

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Videogames sind ein schöner Zeitvertreib. Allerdings können sie aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation auch krank machen: Sie hat Videospielsucht erstmals als Krankheit anerkannt. (Im Bild: Screenshot von «Diablo III») Videospielsucht wird als ein Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens eingestuft, das über das Internet oder offline auftreten kann. Dabei verliert man die Kontrolle, und das Spielen nimmt eine Priorität ein, die einschränkend auf andere Aspekte des Lebens wirkt. Das Verhaltensmuster ist laut WHO so schwerwiegend, dass es in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt. Als süchtig gilt man als Betroffener, wenn das Spielverhalten und andere Merkmale über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten sichtbar sind. Die erforderliche Dauer kann verkürzt werden, wenn alle diagnostischen Anforderungen erfüllt und die Symptome schwerwiegend sind. Dass zu ausdauerndes Spielen auch körperliche Schäden verursachen kann, musste auch eine junge Chinesin lernen: Nachdem sie ununterbrochen das Smartphone-Spiel «Honour of Kings» gespielt hatte, bemerkte die 21-Jährige, dass sie mit dem rechten Auge nicht mehr sehen konnte. Sie suchte ärztliche Hilfe. Nach Untersuchungen in mehreren Spitälern stand fest: Die Frau hatte eine Netzhaut-Arterien-Verstopfung erlitten. Bei einer solchen gelangt kein Blut mehr in die Netzhaut, was zur Erblindung führt.

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Die Weltgesundheitorganisation WHO nimmt Die Sucht nach Videospielen in den Katalog der psychischen Krankheiten auf. Wer also seine Tage mit Videospielen verbringt und dadurch erheblich beeinträchtigt ist, gilt als psychisch krank.

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IV-Renten bekommen Videospiel-Süchtige deshalb aber nicht. «Die IV-Leistungen sind nicht an Diagnosen gekoppelt, mit anderen Worten: Krankheiten geben nicht automatisch Anspruch auf IV-Leistungen», sagt Corinne Zbären-Lutz, stellvertretende Geschäftsfeldleiterin IV, zu 20 Minuten. Anspruch auf eine IV-Rente habe nur, wer unter einem dauerhaften Erwerbsausfall leide, da die Erwerbsunfähigkeit versichert sei und nicht die Krankheit.

20 Minuten hat mit drei Lesern gesprochen, die Stunden vor dem Bildschirm verbringen und eine Videogame-Sucht entwickelt haben:

F. M. (33), Logistiker:

«Ich habe meine Spielsucht mittlerweile überwunden. Ab meinem 20. Lebensjahr spielte ich viel und gerne das Online-Videogame ‹World of Warcraft›. Hatte ich frei, waren es mehr als acht Stunden täglich. Die Ursache für die Sucht war mein Fluchtverhalten: Immer, wenn etwas in meinem Leben schief lief, flüchtete ich in die Fantasiewelt des Videospiels. Da ich nur online spielte, spürte ich nicht, dass ich meine sozialen Kontakte verlor. Schliesslich diskutiert man ja dort die ganze Zeit mit anderen Spielern.

Als ich dann bei der Arbeit ein Burnout erlitt und den Job verlor, verbrachte ich noch mehr Zeit mit den Videospielen. Wachgerüttelt hat mich das Ultimatum meiner Frau: Sie sagte, entweder höre ich mit dem Gamen auf oder die Beziehung ist vorbei. Also entschied ich mich dazu, eine Therapie zu machen und machte einen kalten Entzug vom Gamen. Mittlerweile spiele ich wieder ab und zu. Fakt ist: Ich game sehr gerne, es ist mein Hobby. Ich bin auch weiter süchtig danach, aber ich lasse mich nicht mehr so gehen. Wenn ich heute abends game, dann kann ich nach zwei Stunden die Konsole ohne Probleme ausschalten.»

P. L. (23), Landschaftsgärtner:
«Ich verbringe zwölf Stunden pro Tag mit meiner Playstation. Da ich temporär auf dem Bau arbeite und den Winter über keine Stelle habe, geht das gut. Ich habe ja nichts anderes zu tun. Wenn ich arbeite, game ich nur etwa vier bis fünf Stunden täglich. Ich spiele zusammen mit einer Gruppe von Freunden, die ich beim Spielen kennen gelernt habe, das Videospiel ‹Battlefield 1›. Wir sind sehr ehrgeizig und spielen eigentlich schon fast professionell.

Ich weiss nicht, ob das Gamen für mich eine Sucht ist. Aber wenn ich mit Freunden unterwegs bin oder etwas anderes unternehme, denke ich ständig ans Gamen. Und wenn ich nach Hause komme, schalte ich zuerst die Konsole ein. Manchmal ignoriere ich sogar, dass seit Stunden mein Magen knurrt und spiele einfach weiter. Aufhören will und kann ich aber nicht: Ich suche mir jetzt einen Job für während des Frühlings und des Sommers, damit ich genug Geld sparen kann, um im nächsten Winter wieder nur zu gamen.»

C. B. (26), Kunststofftechnologe:
«Als ich in der Oberstufe war, bestimmten die Videospiele meinen Tag. Nach der Schule ging ich jeweils möglichst rasch nach Hause und spielte ‹World of Warcraft›, bis ich vor dem Computer eingeschlafen bin. Nach zwei bis drei Stunden Schlaf fing dann der Tag wieder von Neuem an. Meine Videospiel-Sucht war schuld, dass ich kaum soziale Kontakte hatte. Schule und Lehre habe ich trotzdem bestanden. Mittlerweile spiele ich immer noch Videospiele, aber in einem anderen Rahmen. Da ich jetzt eine Vollzeitstelle habe, kann ich nur an einigen Abenden noch meinem Hobby nachgehen. Und dann jeweils nur für ein paar Stunden.»

(sil)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vir2ell am 13.02.2018 14:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ehhm...

    "Ich weiss nicht, ob das Gamen für mich eine Sucht ist" , P. I. 23 Landschaftsgärtner, spart Geld um wieder einen Winter durchzugamen.

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  • Andreas am 13.02.2018 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    Heftige Sucht teilweise

    Ich hatte das Problem mit WoW auch, damals habe ich das als völlig normal empfunden, das ganze Denken dreht sich nur noch um dieses Spiel. Nach 5 Jahren Pause bin ich kürzlich wieder auf den alten Server und mit den gleichen Leuten ins TS. Naja was soll ich sagen, ich war schockiert als ich realisiert habe wie tief diese Leute da drin stecken, die Leidenschaft mit welcher sie dir stundenlang aus dem Spiel erzählen als ob es um das Erstgeborene gehen würde. Wie wichtig denen diese dämlichen Items sind und wer welchen Ausrüstungslevel hat. Ich musste nach 2 Stunden abbrechen.

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  • Cursedsmokey am 13.02.2018 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute alte Zeit

    Ich war einmal spielsüchtig. World of Warcraft war mein Spiel. Als ich die Lehre begonnen habe, hatte ich weniger Zeit was mir gut tat. Ich spiele jetzt so 2 Stunden pro Woche. Da die Menschen mich aber immer öfters nerven, könnte ich mir vorstellen wieder öfters einen gemütlichen Abend mit meiner Xbox zu verbringen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Genre Kenner am 14.02.2018 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    ich habe gemerkt

    dass z.B. bei Strategie Games oder Online Rollenspielen die Zeit total vergessen geht und man trotzdem das Gefühl hat wenig gespielt zu haben. Bei anderen Games (Kampfspiele, rasante Shooter...) ist man oft überrascht, dass ein Kampf keine 3 Minuten gedauert hat.

  • Il Calmo am 14.02.2018 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spielsüchtiger

    Ich war lange Spielsüchtig. Ich bin am morgen um 5.00 Uhr aufgestanden um noch 2 Stunden zu spielen. Am Mittag habe ich eine Stunde gespielt anstatt zu essen. Nach dem Feierabend habe ich schnell etwas gegessen um dann zu spielen. Dann habe ich von 19.00 Uhr bis 1.00 Uhr gespielt. Am Wochenende nur noch gezockt. Und das ich nicht einschlafe, habe ich Unmengen von Redbull getrunken. Habe dann total den Bezug zur Realität verloren und mich total abgeschotet. Dank meiner Schwester, die mich zu einer Therapie gebracht hat, habe ich die Sucht bezwungen. Das war eine schlimme Zeit

  • Joel W. am 14.02.2018 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie Abschotten beim Gamen

    Ich spiele jeden Tag etwa vier Stunden. Aber ich habe noch Kontakt zur Aussenwelt. Nan soll nie abschotten um zu spielen.

  • Teostra am 14.02.2018 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Monster Hunter World

    Was ist der Unterschied zwischen PC und einer Konsole? Hmm... etwa 8 Monate. ;-)

  • Anna am 14.02.2018 13:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht...

    Ihr sucht und sucht und sucht und werdet nicht fündig... Jesus ist der einzige, der euch die Freiheit und den Frieden schenken kann. Ihr seid in den Fängen der eigenen Zwänge und Abhängigkeiten, die ihr aus eigener Kraft nicht los werdet. Ruft Jesus und lasst euch helfen.

    • Lukas am 14.02.2018 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      Kruzifix noch einmal

      Klar , es musste ja ein Seelenfänger von der Missionierungsbrigade hier auftauchen. Wie Fischer die Ihre Angel immer , wie passend , genau dort platzieren , wo es Ihrer Meinung nach die meisten Fische gibt. Bezeichnend dass Ihr diesen Fisch auch überall als Symbol habt, nicht wahr ?! Lasst diesen Zimmermannssohn doch einfach in Ruhe..der hat keine Ahnung was Ihr aus Ihm gemacht habt.

    • Atheist am 14.02.2018 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anna

      Jeder Süchtige hat seinen Spiritus gefunden, so wie offensichtlich auch du den Spiritus gefunden hast. Jeder, der sich selbst nicht vertraut sucht den Halt in etwas anderem, dass ihn berauscht, und den Schmerz der Überforderung der eigenen ungelösten Aufgaben nimmt. Gerade die Religiösen sollten nicht versuchen über die Sucht anderer zu urteilen oder Ratschläge zu erteilen, denn dies ist Heuchelei! Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders. Und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? (Matthaeus 7:3). Noch fragen?

    • kurt k. am 14.02.2018 15:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Anna

      naja, freiheit und frieden zu schaffen würde ich nicht unbedingt zu den stärken der religionen zählen. zwänge und abhängigkeiten lassen sich ebenfalls en masse darin finden. rufe nach gott, jesus etc. werden niemandem helfen eine sucht los zu werden, überlegen und sein eigenes hirn benutzen aber schon. vergiss den hokuspokus und gib dich der realität hin!

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