Welsche zu Bremser-Kritik

13. Januar 2018 09:26; Akt: 13.01.2018 09:26 Print

«Die Romandie soll die Unabhängigkeit erklären»

Romands seien «Bremser», wurde in einer Zürcher Hotelfachschule gelehrt. Viele Leser stimmen dem zu – sogar solche aus der Romandie. Doch es gibt auch Widerspuch.

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Das Arbeiten hätten les Welsch nicht erfunden, besagt das Klischee. Diese Grafik aus einem Manual der Zürcher Hotelfachschule Belvoirpark sorgte für Diskussionsstoff: Westschweizer werden darin als «Bremser» bezeichnet. Im März 2012 sorgte dieses Cover der «Weltwoche» für Aufregung: Das Wochenblatt des heutigen SVP-Nationalrats Roger Köppel bezeichnete die Romands als «die Griechen der Schweiz». Der damalige Genfer Nationalrat Antonio Hodgers reagierte auf die Provokation der «Weltwoche», indem er dieses Bild in seinem Facebook-Profil veröffentlichte. Seinem Beispiel folgten gleich mehrere Personen, die ebenfalls das Titelblatt der «Weltwoche» imitierten und auf Facebook eine Gruppe gründeten. Dann wurden die Bilder aber von Unbekannten gemeldet – als Verstoss gegen das Urheberrecht. Nach und nach verschwanden die Bilder von der Facebook-Seite, wie der Gründer am 8. März 2012 beklagte. Noch einige Tage zuvor fanden sich zahlreiche «Welschwoching»-Bilder, wie unsere nachfolgende Auswahlt zeigt. Die Gruppenmitglieder nahmen die im Artikel genannten Klischees auf und zeigten sich mit Alkohol in der Hand, in einer entspannten Pose, ... ... wie auch dieses Beispiel zeigt. Dieser Romand lebt seit dreissig Jahren in Zürich. Während sich einige offen präsentieren, ... ... sind andere weniger mutig. Gemäss den Deutschschweizer Vorurteilen gehörte ein Glas Wein natürlich jeweils mit aufs Bild. Oder jedenfalls etwas Alkoholisches. Hier ein Foto aus der französischsprachigen Schwester-Redaktion von 20 Minuten. Santé! Arbeiten auf Welsch, ein weiterer Schnappschuss. Und noch einer ... ... und noch einer. Und das ist jetzt der letzte.

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Ein Diagramm, das der Direktor der Zürcher Hotelfachschule Belvoirpark im Unterricht zeigte, sollte aufzeigen, welche Personengruppen in Unternehmen als «Bremser» wirken. Explizit aufgeführt waren Westschweizer.

Die Aussage, Romands seien Bremser, stösst auf breite Zustimmung: Bei einer Online-Umfrage von 20 Minuten, an der über 1800 Leser teilnahmen, gaben 54 Prozent an, sie würden dies auch so erleben. 21 Prozent hingegen sind der Meinung, das stimme überhaupt nicht. Die restlichen 25 Prozent der Umfrageteilnehmer finden, sie seien nicht in der Lage, dies zu beurteilen.

«Romands nehmen es oft zu locker»

In den Kommentaren der 20-Minuten-Leser heisst es unter anderem, die Romands würden es «einfach oft zu locker» nehmen. Viele Kommentatoren ziehen ihre Erfahrungen aus dem Militärdienst heran. Leser Arnold stellt fest: «Wer einmal im Militär war mit Romands, der weiss, dass das stimmt.»

Auch Frank N. Stein hat entsprechende Erfahrungen aus dem Militärdienst, äussert aber Verständnis: «Hat wahrscheinlich mit der eher französisch angehauchten Mentalität zu tun, dort tickt einfach alles etwas anders. Die Romand-Züge im Militär hatten immer so eine ‹Chumi hüt nöd, chumi morn›-Einstellung.»

«Hatte in der RS mit Welschen eine tolle Zeit»

Leser Robert Leuenberger hingegen denkt gern an seinen Dienst mit den Romands zurück, er habe viel Spass gemacht: «Ich hatte mit den Welschen in der RS eine tolle Zeit.» Was andere kritisieren, hat ihm gefallen: «Sie sind einfach in vielen Dingen lockerer.»

Was aber sagen die Romands selber? Sehen Sie sich auch als Bremser? Der Bericht, der auf 20minutes.ch in einer französischen Übersetzung publiziert worden ist, löst teilweise heftigen Widerspruch aus. «Was in der Schweiz wirklich die Wirkung einer Bremse hat, ist, dass Schweizerdeutsch gesprochen wird», ärgert sich etwa CatWoman.

«Fühlte mich in der Deutschschweiz wie ein Immigrant»

Und ein Romand, der angibt, seit drei Jahren in der Deutschschweiz zu leben, sagt, die Bremser-Aussage zeige etwas, worunter er persönlich leide: «Ich war schockiert über die Kommentare, die ich mir über Romands anhören musste. Gerade wenn es darum geht, Stellen zu besetzen, werden Westschweizer diskriminiert. Ich fühlte mich anfänglich wie ein Immigrant.» Dem widerspricht Leser Guillaume: «Ich arbeite in der Deutschschweiz. Die Mehrheit der Deutschschweizer schätzt die Romands.»

Leser Alpinecharro sagt zum Vorwurf, Westschweizer seien Bremser: «Die Wahrheit tut weh.» Er habe vier Jahre in Zürich gearbeitet und träume heute davon, dorthin zurückzukehren: «Dort ist die wahre Schweiz, in der Romandie herrscht Dekadenz.»

«In der Deutschschweiz wird man besser bedient»

Auch Leser Markito übt welsche Selbstkritik: «Ich bin einverstanden mit dem, was an dieser Hotelfachschule gesagt wurde. Die Romands glauben, sie seien die Könige der Hotellerie, nur weil sie in Genf Emire beherbergen.» Dabei werde man in der Deutschschweiz als Gast viel besser empfangen und bedient.

Auf der Facebook-Seite von 20 minutes nimmt ein Leser den Artikel zum Anlass, die Unabhängigkeit der Romandie von der Deutschschweiz zu fordern, und erhält für die Idee, einen eigenen Staat zu gründen, Beifall von einem anderen User: «Damit bin ich absolut einverstanden. Aber die Kantone Freiburg und Wallis müssen vorher ihre deutschsprachigen Gebiete abtrennen.»

«Die Griechen der Schweiz»

Dass Kritik aus der Deutschschweiz in der Romandie für Empörung sorgt, kommt immer wieder vor. Hohe Wellen schlug 2012 eine «Weltwoche»-Titelseite, die die Romands als «die Griechen der Schweiz» bezeichnete. Manche Westschweizer reagierten darauf mit viel Humor, indem sie eigene «Welschwoche»-Cover entwarfen (siehe Bildstrecke).

(lüs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S. M am 13.01.2018 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt überhaupt nicht

    Was für ein Schwachsinn!!!! Ich habe viele Kollegen aus der Romandie. Jeden würde ich sofort bei mir anstellen, Top Leute! Vom Militärdienst auf die Arbeitsmoral zu schliessen ist schlicht an den Haaren herbeigezogen! Wieder mal hetzt man die Deutschschweitzer gegen Romands aus. Wir sollten besser zusammenarbeiten als uns zu bekämpfen

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  • Freigeist am 13.01.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig, entspannt, herzlich und...

    unkompliziert mit einem Hang zu stilvollem laisser faire...so empfinde und liebe ich die Welschen. Sie sind eben all das, was ein Deutschschweizer nicht kennt und genau das macht sie für mich umso sympathischer.

  • Hänsel am 13.01.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Der Romand arbeitet zum leben und der Deutschschweizer lebt für die Arbeit, darum bin ich n die Romandie umgezogen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kitekat am 13.01.2018 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Bild

    Ich als Deutschschweizerin , 39 Jahre in der Romandie und mit einem Romand verheiratet, bin immer überrascht wie viele Deutschschweizer die Romand als super "lässiges" Volk bezeichnen ohne diese überhaupt zu kennen. Die Romand schimpfen über die Deutschschweizer weil die über die Gesetz bestimmen aber engagieren sich nicht ,etwas daran zu ändern, eben faul und bequem

  • Sellt am 13.01.2018 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    All das hier ist basieren auf einem Report der, und jetzt kommts, sagte das 14% der Romandie Bremser sind. 14%! Das ist nichts... das ist vermutlich sogar unter dem nationalen Durchschnitt. Hört auf aus ner Fliege einen Elefanten zu machen!

  • Toni am 13.01.2018 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    Go West

    Als Berner habe ich schon ein bisschen Romandie im Blut, Berndüütsch mit vielen Französischen Wörter und viel Relaxter als die Zürcher.

  • tom am 13.01.2018 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja asap

    ja bitte werdet unabhängig, das spart uns enorm geld, und unsere kinder werden nicht mehr genötigt franz zu lernen! bitte bitte.

  • natürli am 13.01.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So und so

    ha ha also als Deutschschweizer muss man sich in der Romandie auch einiged anhören! das ist für beide Seiten gleich.. ich lache darüber und nehme auch gerne mal meine Romands-Kollegen hoch, so haben wir alle ein super Verhältnis zueinander mit viel Humor und gegenseitigem Respekt.