Büsi-Debatte

27. Mai 2016 11:15; Akt: 27.05.2016 11:15 Print

«Wegen der Steuer würden Katzen ausgesetzt»

Wer eine unkastrierte Katze hält, soll dafür zahlen müssen. Doch was bringt das? Naturschützer Johannes Jenny und Manuela Gutermann vom Verein Katzenfreunde nehmen Stellung.

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Herr Jenny, Sie fordern eine Büsi-Steuer von 400 Franken für die Halter unkastrierter Katzen – mit dem Ziel, die anderen Tiere zu schützen. Sind Katzen wirklich so gefährlich?
Jenny:Katzen töten viele Tiere, sie verursachen viel Tierleid. Arten, die ohnehin bedroht sind, können durch den zusätzlichen Druck der Katzen leiden – beispielsweise Zauneidechsen, Feldlerchen und Feldhasen. Die Zauneidechsen-Populationen wurden durch Katzen nachweislich ausgerottet.

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Gutermann: Ich glaube nicht, dass Katzen den Bestand anderer Tiere dermassen gefährden, wie es von den Naturschützern dargestellt wird. Es müssen hier verschiedene Faktoren wie andere natürliche Feinde, Verlust des Lebensraumes oder Umweltveränderungen miteinbezogen werden. Auch der Mensch ist nicht unschuldig, dass viele Tiere gefährdet sind.

Dann spielen die Katzen dabei gar keine grosse Rolle?
Gutermann: Klar gibt es viele Katzen in der Schweiz, schätzungsweise 1,5 Millionen. Doch nicht alle sind freilaufend. Vermutlich die Hälfte sind Wohnungskatzen. Und diese gehen nicht auf die Jagd, sondern bekommen ihr Fressen vorgesetzt. Ebenfalls machen herrenlose, verwilderte Katzen mit einer geschätzten Anzahl von 300'000 Tieren einen nicht vernachlässigbaren Teil der Gesamtzahl aus. Und für diese Tiere fühlt sich niemand verantwortlich.

Jenny: Es geht nicht um das einzelne Büsi. Niemand will jemandem die Freude an der einzelnen Katze vermiesen. Kastrierte Katzen sollen ja auch nicht gross besteuert werden. Es geht auch nicht darum, die Katzen zu verteufeln. Das Problem ist der Mensch – als Landschaftszerstörer und als Katzenhalter. Die bundesrechtlich geschützten Arten leiden unter der schieren Masse der Katzen. Und weil es die nicht kastrierten Katzen sind, die zu dieser Masse beitragen, sollen sie auch mehr bezahlen.

Würde die Katzensteuer anderen Tieren wirklich helfen?
Jenny: Ja, und zwar doppelt: Einerseits wird es Leute geben, die ihre Katze kastrieren, um der hohen Steuer zu entgehen. Andererseits soll das Geld zweckgebunden für die Kastration verwilderter Katzen eingesetzt werden. Längerfristig führen Steuern und Kastration zu einer Reduktion der Katzen, wodurch andere Tierarten nicht mehr so gefährdet wären.

Gutermann: Ich bin für die Kastration, aber nicht dafür, dass für nicht kastrierte Katzen eine Steuer erhoben werden soll. Eine solche würde doch vor allem ältere und wenig Vermögende treffen, die das Büsi besonders nötig haben. Zudem könnte sie dazu führen, dass viele Menschen umdenken und ihre Katze nicht mehr wollen, weil ihnen das Geld für die Steuer fehlt. Weil eine Abgabe in ein Tierheim mit vielen Pflichten und Kosten verbunden ist und vielleicht andere eine nicht kastrierte Katze ebenfalls nicht wollen, bliebe manchen nur noch ein Ausweg: die Katze auszusetzen. Das heisst: Eine Steuer könnte den Bestand der verwilderten Katzen erhöhen.

Gäbe es aus Ihrer Sicht auch weitere Lösungen, um andere Tiere zu schützen und die Katzendichte zu verkleinern?
Gutermann: Um die Katzendichte langfristig zu verringern, bringt wirklich nur eine Kastration etwas. Deshalb unterstützen viele Organisationen in der Schweiz auch die Petition «Kastrationspflicht für Freigängerkatzen».

Jenny: Die Kastrationspflicht ohne Mittel zur Finanzierung ist eine Illusion. Das habe ich mit der Verwaltung geklärt. Es muss viel getan werden. Die Katzensteuer ist nur ein Teil der Lösung. Wichtig ist die zweckgebundene Verwendung für die Betreuung und Kastration herrenloser Katzen. Mehr und bessere Lebensräume für die gefährdeten Arten ist schliesslich ebenfalls unabdingbar. Wissen, Einsicht, Vernunft und Rücksicht auf allen Seiten würden viel helfen, können aber nicht verordnet werden. Um Vögel vor den Katzen zu schützen, helfen auch Halskrausen für Katzen oder Glocken.

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manu T. am 27.05.2016 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wir??

    was unternehmen wir gegen den Menschen? Der Mensch tötet am allermeisten und pfuscht in die Natur..das grösste Übel aller Zeiten..

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  • Stimmbürger am 27.05.2016 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmbürger

    Ich verlange eine Zeitverschwendungssteuer für alle, die die Politik, die Medien und mich als Stimmbürger mit Stumpfsinn um meine persönliche, wertvolle Zeit bringen. Ich spende viel für alle möglichen Projekte, freiwillig - aber die Organisationen dieser Initiaten werde ich meiden. Wenn so Spenden verschwendet werden, dann gute Nacht.

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  • Manuel F. am 27.05.2016 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vertuscht die Wahrheit doch nicht immer

    Ach, jetzt sind auf einmal die Tiere schuld, dass andere Lebewesen gefährdet werden. Einfach nur lächerlich. Nehmt dich einfach mal die Realität war. Das einzige, Tiere gefährdende Tier ist der Mensch. Obwohl der eher ein Untier als ein Tier ist. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass wir bald einmal aussterben und die Tiere endlich wieder glücklich sein können

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E.S. am 28.05.2016 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos

    Täglich frage ich mich für was ich eigentlich Hundesteuern bezahle ? Tia, solange die zahlreichen Hundehalter glauben, dass diese Steuern anfallen damit der Kot von jemand zusammengelesen wird der für dies bezahlt wird, müssen wir weiterhin mit verunreinigten Wiesen usw rechnen ! Darum wären Katzensteuern auch so eine sinnlose Alibilösung damit jemand Geld eintreiben kann ( darf ).

  • Ungläubiger am 28.05.2016 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Tiere, keine Kinder

    Auch das kriegen von Kindern sollte demnach besteuert werde. Ein einziges Kind schaded der Umwelt weit mehr als 100 Katzen (Umweltverschmutzung, Resourcenerschwendung, ....). Also bitte auch Steuer für Kinder statt denen das Geld noch nachzuwerfen.

    • Büsinami am 28.05.2016 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ungläubiger

      Geschockt bin ich über diesen Kommentar. Sie sorgen sich wohl sichtlich wenig um Ihre AHV! Jedes Kind hat bereits finanzielle Konsequenzen für dessen Eltern, von Ihrem " Nachgeworfenen Geld" habe ich noch nichts gesehen. Zudem; wie sehr ich meine Katze auch liebe, vergöttere und herze, sie ist und bleibt "nur" ein Tier und ist mit einem Kind keinesfalls gleichzusetzem!

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  • Dario Feller am 28.05.2016 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die haben Geldsorgen darum das ganze

    ProNatura braucht Geld darum dieser Vorstoss. Man darf diese übertriebene Hetze nicht ernst nehmen.

  • Edi am 28.05.2016 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pferde

    Und die Pferdehalter sollten auch in Pflicht genommen werden den Kot aufzunehmen. Isr sehr angenehm auf Trottoir und Wanderwegen wenn man so grosse Haufen vor sich hat.

  • Emil Bumann am 27.05.2016 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velosteuer

    Besser wäre eine Velosteuer mit obigat. Haftpflicht.