MGTOW-Männer

30. Dezember 2017 18:18; Akt: 30.12.2017 18:18 Print

«Wenn mich eine will, darf sie gerne was dafür tun»

von D. Krähenbühl - Zahlreiche Männer wollen nichts mehr mit Frauen zu tun haben. Eine Feministin und ein Männerexperte liefern jetzt Erklärungsansätze.

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Männer, die Beziehungen zu Frauen und der Vorstellung einer eigenen Familie abgeschworen haben, gehören der «MGTOW»-Bewegung an. Das Kürzel steht für «Männer, die ihren eigenen Weg gehen» (20 Minuten berichtete). Beinahe tausend Leserkommentare sind zum Thema eingegangen und viele zeigten Verständnis für das Verhalten und die Ansichten der Männer.

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Können Sie die Grundhaltung der MGTOW-Männer verstehen?

Wir haben vier ausgewählte Leserkommentare der Sozialanthropologin und Feministin Lea Kusano sowie dem Pressesprecher des Dachverbands Schweizer Männer- und Vaterorganisationen Nicolas Zogg vorgelegt und sie um ihre Meinung gebeten:

Leser Ali Mente:
«Das Rechtssystem degradiert die Männer nur zum Alimentenzahler. Das Argument der Gerichte: Die Frau muss den bisherigen Lebensstandard weiterführen können. Aber Hallo?! Hat der Mann nicht den gleichen Anspruch? Das Scheidungs- und Sorgerecht fällt hierzulande praktisch immer zugunsten der Frau aus.»

Zogg: «Unsere Erfahrungen in diesem Jahr zeigen, dass sich viele Männer und Frauen in den zuständigen Behörden und Gerichten noch weigern, gleichberechtigte Urteile zu fällen. Im Streitfall greift das alte Rollenbild: Ein Kind gehört zu seiner Mutter. Gleichberechtigung - und das neue Gesetz - geht jedoch anders. Dass diese Erfahrungen, und damit allein gelassen zu werden, extrem frustrierend sind, ist verständlich. Das neue Sorge- und Unterhaltsrecht sollte diese Ungerechtigkeiten beheben. »

Kusano: «Damit eine Frau nicht arbeiten oder nur niederprozentig arbeiten kann, braucht es einen Mann in einer Beziehung, der das während der Beziehung nicht gross hinterfragt. Und umgekehrt ist es genauso. Rollen gilt es vor den Kindern zu klären, mit all den Vor- und Nachteilen. Und es braucht den Mut, dass diese zwischenmenschlichen Vereinbarungen dann auch eingefordert werden, von beiden Seiten.»

Leser Peter & Stefan Müller:
«Wenn Männer behaupten, der Sex sei nicht einvernehmlich gewesen, werden sie ausgelacht. Wenn die Frau das sagt, muss der Mann bezahlen und ins Gefängnis. Die Beweislast, dass es keine Vergewaltigung war, liegt beim Mann. Und dass man auch 2 Jahre nach dem Akt noch Anzeige erstatten darf, gehts noch?! Was ich fordere, ist das Recht, sich zu schützen.»

Zogg: «Das stimmt so nicht, die Beweislast für ein Sexualdelikt liegt in der Regel beim Opfer. Es gibt jedoch Fälle, in denen Existenzen durch blosse Anschuldigungen zerstört werden. Und grundsätzlich ist das Schema, dass der Täter ein Mann ist und das Oper eine Frau, fest in unseren Köpfen verankert. Dies macht es Männern gerade bei Sexualdelikten schwer, sich als Opfer zu outen oder als solche ernst genommen zu werden. Der beste Schutz gegen Anschuldigungen ist, konsequent nur einvernehmliche Handlungen vorzunehmen. Diese müssen auch nicht schriftlich abgesichert werden.»

Kusano: «Dieses Recht besteht, jede Person hat ein Recht auf eine juristische Vertretung. Nur weil ein Problem - sexuelle Nötigung an Männern - nicht ernst genommen wird, bedeutet das nicht, dass man andere gesellschaftliche Errungenschaften wieder rückgängig machen muss. Errungenschaften soll man behalten und jeder und jede soll davon profitieren können. Die obige Argumentationslinie scheint mir recht unerwachsen: ‹Wenn ich nicht darf, dann Du auch nicht›.»

Leser B.R:
«Einer fremden Frau einfach nicht helfen, den Kinderwagen aus dem Zug zu tragen, hat nichts mit MGTOW zu tun, sondern ist schlicht und ergreifend asozial! Vor Jahren stolperte ca. 20 Meter vor mir eine Oma, fiel hin und verletzte sich. Die fast 10 Personen die vor mir gingen, liefen einfach dran vorbei. Ich ging zu ihr und habe die Ambulanz gerufen. MGTOW und der respektvolle Umgang mit Mitmenschen scheinen nicht zusammen zu gehören.»

Zogg: «Was manche ‹MGTOW›-Männer sagen ist, dass sie sich weigern einer Frau zu helfen, aus Angst angeklagt zu werden. Diese Angst und die Reaktion darauf ist lächerlich, darf aber auch nicht allen ‹MGTOW›-Männern pauschal unterstellt werde. Der Gegenkommentar zeigt jedoch einen zunehmenden Mangel an Hilfsbereitschaft und Zivilcourage auf. Und da könnte #MGTOW schon für die Tendenz stehen, keine Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, sondern einfach wegzuschauen und seinen eigenen Weg zu gehen.»

Kusano: «Man kann sich natürlich auf den Punkt stellen, dass man grundsätzlich niemandem helfen will. Das ist eine freie Entscheidung und diese ist legitim, auch wenn ich sie persönlich für komplett asozial halte. Wenn man aber nur Frauen nicht hilft, ist es schlichtweg sexistisch. Es ist dasselbe, wie wenn man einfach sagen würde, ich helfe jüdischen Menschen oder farbigen Menschen nicht.»

Leser Anatoll S.:
«Als Mann wird so viel von mir erwartet... Geld nach Hause bringen, Macho sein, gefühlvoll sein, Gedanken lesen können... geht’s noch? Wenn mich eine haben will, darf sie gerne was dafür tun!»

Zogg: «Beim ersten Teil bin ich voll bei ihm: ein Mann von heute muss viele neue Fähigkeiten haben - aber immer noch Holzfäller sein. Es findet also nicht wirklich eine notwendige Öffnung der Rollenbilder statt. Sondern die fürsorglichen und gefühlvollen Eigenschaften – und als Randbemerkung: diese sind nicht weiblich, sondern menschlich! – werden einfach auf die alten, als männlich geltenden Eigenschaft draufgepackt. Dass dies nicht geht und überfordert, ist klar.»

Kusano: «Berechtigte Aussage, die auf Frauen aber auch zutrifft. Zwischen Kinder, Haushalt, Beruf und der Rolle als Freundin und Liebhaberin haben viele Frauen ein Burn-Out. Es braucht hier neue Visionen, wie die Arbeitsteilung geregelt werden soll. Vielleicht ein Grundeinkommen?»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 30.12.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch einfach

    Es gibt solche und solche. Manche Frauen müssen sich schlinken bis man nichts mehr von ihrem Gesicht sieht und manchen Männer finden das toll. Andere Frauen gehen lieber Radfahren oder bergsteigen und manche Männer finden das toll. Manche Frauen wollen Karriere machen und manche Männer lieber Haushalt. Ein ideales Paar. Und manche Frauen wollen lieber Hausfrau und Mutter sein und auch dazu gibt es passende Männer. Es müssen sich nur die richtigen finden. Wenn ein Mann an die Falsche gerät liegt es halt auch ein bischen daran das er nicht richtig geschaut hat.

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  • max62 am 30.12.2017 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiteres Zeichen.

    Für die Verblödung der Menscheit.

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  • Marco am 30.12.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Liebe Gender, Ich liebe alle normalen Frauen. Und Ihr könnt euch ins Niemandsland verziehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon am 30.12.2017 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaftliches Ungleichgewicht - 1

    Frauen waren in der schweizer Gesellschaft benachteiligt und haben sich zu ihrem absoluten Recht mit Erfolg dagegen gewehrt. In der heutigen Zeit sind Männer benachteiligt, insbesondere, wenn eine verheiratete Frau beschliesst, den Ehepartner durch einen anderen Mann zu ersetzten und nicht öffentlich dazu zu stehen.

  • Sämi am 30.12.2017 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Schliesse mich den Vorrednern gerne an!

    Je mehr Männer meinen, sie müssen Frauen bestrafen, in dem sie sich vom Heiratsmarkt zurückziehen - um so besser für uns, die übrig bleiben. Steigert Euch weiter in Eure Opferrolle und bleibt abends allein zu Haus. Die Normalos haben dann irgendwann mal die freie Auswahl. Verheiratete Männer leben übrigens länger.

  • Token am 30.12.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feministin

    Interessant, wie die Feministin NIE auf das Anliegen der Kommentare eingeht, sondern jedesmal jammert, wie schwer es Frauen haben. Das ist völlig daneben.

  • Don Juan am 30.12.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das Zepter in der Hand behalten

    Entäuschungen kommen von übersteigerten Erwartungen! Als Mann sollte man sich klar sein was in einer Beziehung passieren und wie teuer einen Mann das zu stehen kommen kann. Entsprechend sollte Mann das Umfeld organisieren. Ich bin 25 J mit meinem Schatz zusammen, unsere Kinder sind seit kurzem erwachsen. Geheiratet habe ich nicht und das Haus und auch das Zweitauto laufen auf mich. Sie verdient ihr eigenes Geld, die Lebenshaltungskosten trage ich. Es hat einige Male gekracht, aber die Hürden sind so höher und wir haben uns stets wieder zusammengerauft. Behaltet das Zepter in der Hand!

    • Georg H. am 30.12.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Don Juan

      Wir sind etwa gleich lang zusammen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man alles gemeinsam hat und sich vorbehaltlos füreinander entschieden hat. Wir haben auch erwachsene Kinder. Meine Frau ist schwer krank, weshalb ich eine andere Stelle in der Nähe angenommen habe. Ich liebe sie sehr und wenn wir nicht verheiratet wären, so hätte ich fast jeden Tag das Bedürfnis, ihr zu versprechen, ihr immer treu zu bleiben. Ich kann Ihre Haltung, die von Misstrauen geprägt zu sein scheint, nicht nachfühlen.

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  • Gugussi am 30.12.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten!!

    Hört der schwachsinn eigentlich nie auf jeder soll leben wie er will und es für sich behalten!!