Städte-Serie – Teil 5

21. November 2014 13:43; Akt: 21.11.2014 14:02 Print

«Winterthur muss das erst einmal verkraften»

von J. Büchi - Winterthur ächzt unter der Last der Zuwanderung der letzten Jahre. Die Bevölkerung wird voraussichtlich weiterwachsen – proaktiv fördern will die Stadt dies aber nicht.

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«Eigentlich muss Winterthur erst einmal verkraften, wie stark es in den letzten Jahren gewachsen ist», sagt Guido Brunner, Statistiker bei der Winterthurer Stadtentwicklung. In den vergangenen Jahren erfuhr die Stadt ein so starkes Wachstum wie keine andere Grossstadt in der Schweiz – vor allem junge Menschen zogen in Scharen in die Stadt. Plötzlich fehlten die Schulhäuser, um alle Kinder unterzubringen. Eilig mussten neue Verkehrskonzepte geplant werden, damit neue Quartiere erschlossen werden konnten – und die Busse auch im dichten Verkehr fahrplanmässig an ihr Ziel gelangten.

Ein Grund: Wo einst ein verlassenes Industrieareal lag, steht heute ein völlig neues Quartier. Und das ist eine Untertreibung. «Neuhegi – die neue Stadt in Winterthur» heisst das Gebiet auf der Website der Stadt offiziell. Inzwischen ist es ein erklärtes Ziel der Regierung, eine «bipolare» Stadt mit einem zweiten Zentrum zu errichten. Tausend Wohnungen und Hunderte Arbeitsplätze sind bereits entstanden – und es könnten noch viele mehr werden.

Bei 126'000 ist Schluss

Niemand habe in Winterthur die massive Zuwanderung, die nach der Einführung der Personenfreizügigkeit eingesetzt habe, kommen sehen, sagt Brunner. «Wenn die Stadt jetzt noch weiterwächst, dann nicht, weil die Stadt dies proaktiv fördert.» Das Wachstum allerdings aktiv zu dämpfen, sei praktisch unmöglich. Die offizielle Bevölkerungsprognose sieht für die nächsten Jahre eine weitere Bevölkerungszunahme vor. Sind es heute rund 107'000 Einwohner, sollen es 2033 rund 125'000 Menschen sein, fünf Jahre später 126'000.

Danach sei mit dem aktuellen Bau- und Zonenplan Schluss, sagt Brunner. «Das Einzige, was man dann noch machen kann, ist, die Siedlungsflächen weiter auszudehnen. Das wollen wir nicht – und dürfen es aufgrund des revidierten Raumplanungsgesetzes auch nicht.» Winterthur solle im Wesentlichen eine Velo- und Gartenstadt bleiben, sagt Brunner. Auch die Quartiere, die ausserhalb der beiden Stadtzentren liegen, sollen ihr Gesicht behalten.

Superblock und Hochhäuser

Ein bisschen urban mag man es aber dann doch: Auf dem ehemaligen Sulzerareal in der Stadtmitte prägen heute schon Lofts und aufgewertete Industriehallen das Bild. «Superblock» nennt sich ein Neubau, in den im nächsten Frühjahr die gesamte Stadtverwaltung sowie die Versicherung Axa ziehen sollen.

Auch auf dem Areal der ehemaligen Lokomotivfabrik ist ein Hochhaus geplant, ein weiteres ist in Neuhegi angedacht. «Die Hochhäuser sollen, wie etwa der bestehende Rote Turm, einzelne Merkpunkte in der Stadt bleiben.» Denn so eine richtige Grossstadt mit allem Drum und Dran, das soll Winterthur bei allem Wachstum nicht werden. Auch wenn dies per Definition schon lange Tatsache ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PatrickDaniel am 21.11.2014 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    In 20 Jahren 200 Milliarden CHF Kosten!

    Gemäss einer Studie des UVEK müssen die Schweizer Steuerzahler in den nächsten 20 Jahren 200 Milliarden CHF für die notwendige Infrastrukturerstellung für die immense Zuwanderung bezahlen. Also 20 Milliarden CHF pro Jahr! Das ist der Grund, weshalb innert nur 7 Jahren 20 Kantone rote Zahlen schreiben und bald die Steuern und Gebühren erhöhen müssen. Die Zuwanderung wird uns Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Ich will das nicht und stimme darum ECOPOP JA!

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  • Oma am 21.11.2014 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Voll daneben

    Niemand hat das kommen sehen. Das war ja mal schon mehr als klar. Aber man hat immer mit neuen Steuerzahlern gerechnet und die auch gesucht. Voll danebengegangen, denn mehr Personen gleich mehr Infrastruktur. Die Stadt Winterthur wollte dies ja gar nicht sehen, aber jetzt zu jammern finde ich doch voll daneben .

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  • Michaela am 21.11.2014 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Zeit

    Und was wird Winti in der Zukunft bauen wenn die sich nicht mehr zu helfen wissen wegen den Strömen? Ghettos? Die haben nicht mal jetzt Zeit genug richtig zu agieren und die Probleme in den Griff zu kriegen. Richtig planen, bauen, braucht nämlich Zeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Spari am 22.11.2014 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuwanderung lässt sich nicht mehr bremsen

    Ich wohne seit 10 Jahren in Winterthur Töss und zuvor im Mattenbach. Ich liebe Winti so wie es ist und vor allem Töss ist das lebendigste Viertel überhaupt-wer meint er könne die Zuwanderung verhindern isg ein kindlicher Naivling.

  • Jajaja am 22.11.2014 17:13 Report Diesen Beitrag melden

    Fertig mit Wachstum!

    Deshalb 3x JA am 30. November. Die Wirtschaft ist nicht die einzige Sorge der Schweiz. So langsam haben es die meisten mitbekommen, dass Zuwanderung (PFZ), Steuergeschenke (Pauschalbesteuerung) und Vernichtung von Volksvermögen (früherer Goldverkauf) nur die Reichen noch reicher gemacht und den Mittelstand verluddern lassen hat. Der CH-Unternehmer nimmt lieber jemand aus dem Ausland, als in die Ausbildung des bereits vorhandenen Personals zu investieren. Und ab spätestens 45 Jahren wird man dann altershalber auf's Abstellgleis geschoben.

  • marc am 22.11.2014 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    eben,darum ist winterthur bald insolvent

    brauchts noch mehr beispiele was diese zuwanderungen bewirken? schulen, sporthallen, das ganze versorgungsnetz, öffentlicher verkehr, strassen, verwaltungen müssen vergrössert oder neu gebaut werden. na, wer zahlt das ? darum ECOPOP JAAAAAA..!!

  • Reusser am 22.11.2014 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wohne

    zwar in Bern und kenne Winterthur nicht. Aber auch bei uns wollen sie Schrebergärten mit Wohnraum zupflastern. Sollte mal ne Krise kommen, gibts nicht mal mehr selbst gepflanzte Rüebli. ..und ja, es sind keine Steuerzahler...noch Fragen?

  • Christoph am 22.11.2014 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seid ihr euch bewusst

    Eine der möglichen Konsequenzen aus einer Regulierung der Zuwanderung ist die Reduktion der Wirtschaftskraft der Schweizund wo sparen Unternehmen zuerst? Bei der normalen Belegschaft! Da bekommt das Sprichwort: wer anderen eine Grube gräbt, fällt selber hinein, plötzlich eine existenzielle Bedeutung!

    • Nick am 22.11.2014 20:33 Report Diesen Beitrag melden

      Kurzfristiges Denken

      Das wäre wünschenswert! Es ist fatal, die Lebensqualität an der Wirtschaftskraft und Wachstum auszumachen!

    • holderer am 22.11.2014 23:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Nick

      Heutige Generation sieht/lernt es ja nicht anders.Wirtschaftskraft=Macht.Alles was dabei Negative Folgen /Auswirkungen hat,ignoriert man oder kehrt's unter den Teppich.(Unternehmer sagt)Die nächste Generation soll's ausbaden,die haben in der Zwischenzeit wieder andere oder bessere Möglichkeiten.Hoffentlich erlebt Christoph den ersten richtigen Kolapps.Dann geht es nur noch über Sanktionen/Regulierungen.Nur die haben dann verherendere Folgen als jetzt.TV-gestern;Wirtschaftsmacht"Wir sollten uns bewusst sein,heute machen wir Partys,auf Kosten der nächsten Generation".

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