Initiative gegen Pestizide

17. Mai 2018 05:47; Akt: 17.05.2018 07:17 Print

Macht Pestizid-Verbot das Essen 40 Prozent teurer?

Über 100’000 haben für eine pestizidfreie Schweiz unterschrieben. Während die Befürworter so das Insektensterben stoppen wollen, warnen die Bauern vor höheren Lebensmittelpreisen.

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Die Schweiz soll über ein Verbot von synthetischen Pestiziden abstimmen: Es seien über 100’000 Unterschriften zusammengekommen, teilte das das Initiativkomitee der Gruppe Future 3.0 am Mittwoch mit.

Die Volksinitiative will – anders als die bereits zustande gekommene Trinkwasser-Initiative – synthetische Pflanzenschutzmittel in der Schweiz ganz verbieten. Nicht mehr erlaubt wäre auch die Einfuhr von Lebensmitteln, falls diese synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt wurden. Die Initiative müsste innerhalb von zehn Jahren auf Gesetzesebene umgesetzt werden. In der Schweiz werden heute jährlich rund 2200 Tonnen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe verkauft.

«Nicht alle können sich Bio leisten»

Dem Bauernverband bereitet das Volksbegehren sorgen. «Wir lehnen die Initiative ab», sagt Präsident Markus Ritter. «Sie ist nicht umsetzbar: Sie bringt extreme Einschränkungen und hohe Kosten bei der Lebensmittelproduktion.» Weil auch Importprodukte betroffen seien, sei sie zudem nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO kompatibel.

Müsste die Landwirtschaft auf Pestizide verzichten, würden die Erträge deutlich sinken und «Lebensmittel um 30 bis 40 Prozent teurer», so der CVP-Nationalrat. «Ich produziere auch nach Bio-Standard. Aber nicht alle Konsumenten können oder wollen sich Bio leisten.» Gewisse Kulturen, etwa Raps, der vom Rapspflanzkäfer befallen werde, seien ohne Pestizide nur sehr schwierig anzubauen.

«Man sieht keine Schwalben und keine Lerchen mehr»

Der Biologe Caspar Bijleveld, der sich für die Initiative einsetzt, lässt das nicht gelten: «Viele Bauern sind sich bewusst, dass wir nicht so weitermachen können. Die Biodiversität ist in den letzten Jahren massiv zurückgegangen.» Man sehe keine Schwalben und keine Lerchen mehr, die Biomasse bei den Insekten sei um 75 Prozent zurückgegangen. «Viele Bauern sehen, dass das eine Sackgasse ist. Wir müssen etwas gegen das Insektensterben tun.»

Die Initiative sei eine Chance für die Landwirtschaft: «Sie würde davon profitieren, dass pestizidhaltige Lebensmittel nicht mehr importiert werden dürfen», so der Papiliorama-Direktor.

Unklar sei, welche Folgen die Pestizide für den Menschen haben. Wenn das Gemüse 20 Prozent teurer werde, sei es das allemal wert, zumal die Ausgaben für Lebensmittel am Haushaltsbudget stetig gesunken seien. Und: «Tiefere Ernten wären eine Realität. Mit weniger Food Waste liesse sich das aber ausgleichen: «20 bis 30 Prozent der Lebensmittel landen im Abfall, bevor sie in den Laden kommen.»

Ritter betont, dass die Bauern keine Giftmischer seien: «Wir setzen so wenig Pestizide wie möglich und so viele wie nötig ein.» Das spare Geld und sei im Interesse der Natur. Und mit dem Aktionsplan Pflanzenschutz des Bundes wolle man die Risiken deutlich verringern.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Irre mit dem Smartphone am 17.05.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Niemand der etwas älter ist, kann die Tatsache abstreiten, daß immer weniger Insekten zu sehen sind. Jeder der etwas weiterdenken kann, erkennt das dringender Handlungsbedarf besteht. Ob die Konsequenzen, die wir heute zu tragen hätten, schlimmer sind, als die wenn wir erst handeln, wenn es bereits zu spät ist, sollte aus der Geschichte bekannt sein.

    einklappen einklappen
  • Escobar am 17.05.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Für uns

    Bin dafür!

  • powerplay am 17.05.2018 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe Leukämie

    Kein Wunder bei all den Umweltgiften in Nahrung, Trinkwasser und selbst der Luft. Wollen wir uns wirklich weiterhin auf Kosten einiger Grosskonzerne und unbelehrbaren Landwirten selbst vergiften?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat Bachmann am 17.05.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was soll das, ohne pestizide teurer!?!? grrr

    wenn die grosskonzerne auf ihre rabiaten gewinnmarchen verzichten, werden nahrungsmittel ohne pestizide ganz sicher nicht teurer!!!

  • Natur Pur am 17.05.2018 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ihr habt es in der Hand

    Geschätzte Leser Ihr habt es in der Hand. Von kontventionell über IP-Suisse bis Bio un Bio veganer Anbau ist alles erhältlich auf dem Markt. Sie können auch bei Bionär eie eigene Parzelle kaufen oder sich in der Solidarischen Landwirtschaft engaieren. Mit euren Einkauf steuert ihr den Markt wen ihr keine konventionellen Produkte kauft werden sie früher oder später auch nicht mehr produziert. Der Verzicht von Pestiziden sollte vom Markt her gewünscht werden und auch dementsprechend bezahlt. Danke für eure Mithilfe

  • gloria derungs am 17.05.2018 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer schützt uns vor.. der gift-industrie?

    ja bitte, es ist wie immer: macht den leuten angst und schon stimmen sie das gegenteil. i h sag euch: es wird nicht 40% teurer. pestizide müssen verboten werden. es gibt anderes. diese leute, die euch langsam vergiften, wollen nur ihre margen, löhne und boni sichern.

  • Sonderegger am 17.05.2018 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber mehr bezahlen

    Als Gift zu essen und was schlimmer ist zuzusehen wie die Umwelt verreckt

  • Xundi am 17.05.2018 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte handeln und zwar sofort!

    Wir können jetzt mehr für gesundes Gemüse und pestizidfreie Früchte bezahlen oder in Zukunft von Hand unsere Pflanzen bestäuben (wie das in China schon gemacht wird) und dann noch viel viel mehr bezahlen für eine noch geringe Auswahl von Früchten und Gemüse. Denn ohne Insekten gibts auch keine Befruchtung der Pflanzen.