Streit um Auftritt in Zürich

04. März 2017 15:19; Akt: 04.03.2017 15:19 Print

«Wir reden hier von der AfD, nicht von Mördern»

von J. Büchi - Soll der AfD-Chefideologe in einem Zürcher Theater seine Positionen darlegen dürfen? Ja, findet Politologe Michael Hermann.

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Michael Hermann, in linken Kreisen tobt ein Streit darüber, ob es richtig ist, den Chefideologen der rechtspopulistischen AfD an eine Podiumsdiskussion im Zürcher Theater Gessnerallee einzuladen. Finden Sie die Kritik berechtigt oder geht hier gerade die Schweizer Gesprächskultur flöten?
Gerade im Theater gehört es dazu, dass man provoziert. Wer etwa «Tötet Köppel»-Aktionen gutheisst, sollte auch den Mumm haben, sich den Positionen radikal Andersdenkender zu stellen. Zumal wir hier nicht von Mördern oder Verbrechern reden: Die AfD ist keine verbotene Partei.

Umfrage
Sollten alle politischen Meinungen an ein Podiumsgespräch zugelassen werden?
82 %
9 %
8 %
1 %
Insgesamt 5643 Teilnehmer

Ähnliche Diskussionen flammen ja auch regelmässig auf, wenn die Gästeliste der «Arena» publik wird. Gibt es Positionen, die aus Ihrer Sicht zu extrem sind, um Platz in der Talk-Sendung des Schweizer Fernsehens zu haben?
Holocaust-Lügner haben in einer solchen Sendung sicher nichts zu suchen. Solange Positionen vertreten werden, die nicht strafbar sind, sehe ich grundsätzlich kein ethisches Problem. Als Moderator würde ich mir jedoch die Frage stellen, ob eine Runde Sinn ergibt: Wenn jemand nur radikale Positionen runterbetet, kann kein konstruktives Gespräch entstehen, der Zuschauer langweilt sich und kann seinen politischen Horizont nicht erweitern.

Kommen Populisten in Talks nicht per se besser weg als Politiker, die differenziert argumentieren?
Ja, wenn die «Arena» eine Art verbaler Boxmatch ist, dann landen jene, die stark vereinfachen und Schläge in Richtung Bauchgefühl platzieren, oft am meisten Treffer. Es ist kein Geheimnis, dass die Sendung massgeblich zum Aufstieg der SVP in den 90er-Jahren beitrug. Das funktioniert aber nur bei Gefässen mit kurzem, heftigem Schlagabtausch. Wären dieselben Themen in einer Sendung wie dem «Club» behandelt worden, hätte die SVP kaum auf diese Weise reüssieren können.

Dann haben Linke, die den Rechten das Gespräch verweigern, einfach eine Art Abwehrreflex entwickelt?
Linke haben sicher eher die Tendenz, sich vor der anderen Seite zu schützen als umgekehrt. Rechte gehen solche Konfrontationen oft entspannter an, weil sie wissen, dass sie in der direkten Konfrontation punkten können, wenn sie nur richtig poltern.

Hält die Linke die Rechte auch als gefährlicher als umgekehrt?
Heute ist die Rechte wesentlich revolutionärer und umstürzlerischer als die Linke. Sie stellt bestehende Institutionen infrage. Deshalb: Ja, die Rechte ist aus Sicht der Linken wohl gefährlicher als umgekehrt. Früher war das anders: Kommunisten galten als Landesverräter, viele Bürger erachteten sie als existenzbedrohend für die Schweiz. Doch dann hat der Kommunismus seinen Schrecken verloren, auch die Linke selber wurde harmloser.

Redet man in der Schweizer Politik heute weniger über die Parteigrenzen miteinander als früher?
Ganz generell würde ich sagen: Ja. Lange war es in der Schweizer Politik üblich, dass man sich vor der Kamera die Köpfe einschlug und anschliessend gemeinsam ein Bier trinken ging. Heute bleiben die politischen Gegner eher im eigenen Club, auch die Gesellschaft ist stärker nach Milieus sortiert. Im internationalen Vergleich geht es im Bundeshaus aber immer noch sehr familiär zu und her.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • L0st am 04.03.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zensur in der Schweiz?

    Der AFD verbieten da aufzutreten währe Zensur. Ausserdem sind die linken meiner Meinung nach Schlimmer als die Rechten.

  • Divico am 04.03.2017 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die AfD will für Deutschland..

    ..direktdemokratische Verhältnisse und mehr Bürgerrechte nach dem Modell der Schweiz und sind EU- und Eurokritisch wie die Schweiz auch. Also...was bitte soll daran falsch sein?

  • Jimmy Neutral am 04.03.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja warum denn nicht?

    In der Reitschule werden ebenfalls linke Meinungen vertreten, und das ist auch ein öffentlicher Ort.

Die neusten Leser-Kommentare

  • wjp1 am 05.03.2017 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahlpropaganda

    Ich finde die AFD gehört nach Deutschland , Erdogan in die Türkei , und die SVP in die Schweiz ! Keine öffentliche Wahlpropaganda in fremden Ländern !

  • ein schelm am 05.03.2017 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    lasst ihn doch zu. solange er sinnvoll mitdiskutiert und nicht einfach die seine phantastischen parolen von sich gibt könnte das sogar spannend werden. ist er nicht konstruktiv oder schmeisst nur mit parolen um sich dann werft ihn raus.

  • Zwiebelbrot am 05.03.2017 02:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Probleme

    Die Probleme der Linken mit den populistischen Rechten sind nicht unbedingt die Meinungsunterschiede, mit denen kommt jeder (nicht Extreme) klar. Das Problem besteht viel eher darin, dass heutzutage vorallem die (populistische) Rechte es extrem gut versteht, Themen in eine richtung zu lenken, in der Sie punkten können. Die AfD ist das beste Beispiel dafür. Die AfD punktet bei 90% ihrer Wähler mit ihrer Flüchtlingspolitik. Über alle anderen politischen Themen weiss eigentlich keiner wirklich bescheid und den meisten Wählern ist dass auch egal. Die SVP bläst ins selbe Horn, das sieht man regelmässig wenn es um Wirtschaftsthemen geht, da ist die Elite meist meilenweit von der Wählerbasis entfernt (USR3).

  • L0st am 04.03.2017 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zensur in der Schweiz?

    Der AFD verbieten da aufzutreten währe Zensur. Ausserdem sind die linken meiner Meinung nach Schlimmer als die Rechten.

  • Jimmy Neutral am 04.03.2017 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja warum denn nicht?

    In der Reitschule werden ebenfalls linke Meinungen vertreten, und das ist auch ein öffentlicher Ort.