Schweizer Nacktkünstler

16. September 2014 20:13; Akt: 16.09.2014 20:13 Print

«Wir waren überall Thema Nummer eins»

von R. Neumann - Drei Schweizer Nacktkünstler wurden in Kroatien von der Polizei mitgenommen. Nun spricht der Initiant der Performance.

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Elias Kirsche (unten), Glynis Ackermann (2. v. u.) und Thomas Zollinger (nackt, stehend) wurden von zwei Polizisten während ihrer Performance angehalten.

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Thomas Zollinger (62) ist einer der drei Nacktkünstler, die vor wenigen Tagen in Zagreb für Aufsehen sorgten. Ihre Performance rief gar die Polizei auf den Plan: Elias Kirsche, Student am Literaturinstitut in Biel, legte sich splitternackt bäuchlings auf den Boden, während sich Glynis Ackermann, Künstlerin aus Baden, ebenfalls nackt auf ihn legte.

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Zollinger selbst spazierte nackt neben seinen Kollegen. Der Auftritt des Trios gehörte zu ihrer Performance «Naked Slow Walk». Nur wenig später standen zwei Polizisten eher hilflos neben den Künstlern. «Sie haben herumtelefoniert und wussten nicht recht, was sie mit uns tun sollen», sagt Thomas Zollinger zu 20 Minuten. «Während fünf Minuten haben wir noch mit den Beamten geredet, ohne dass sich etwas an der Situation verändert hätte.»


Schliesslich baten die Polizisten die drei Schweizer, sich anzuziehen und mit auf die Wache zu kommen. «Von Festnahme keine Spur, wie verschiedentlich berichtet wurde», sagt Zollinger. Sie hätten der Aufforderung Folge geleistet und seien mitgegangen. «Dort haben wir zwei Stunden gewartet, bis entschieden wurde, was passiert.» Sie hätten eine Busse von rund 300 Euro aufgebrummt bekommen. «Die Organisatoren des Festivals, die uns eingeladen hatten, bezahlten diese für uns – wie zuvor abgemacht.»

«Bilder verbreiteten sich in ganz Europa»

Die Kunstaktion selbst sei eine Hommage an den kroatischen Konzeptkünstler Tomislav Gotovac gewesen, der selbst 1982 nackt durch die Stadt spaziert war. Das Festival «Ich liebe Zagreb» befasst sich mit dem Thema der Verknüpfungen zwischen Körper und öffentlichem Raum. «Wir wollten damit aufzeigen, wie der nackte Körper im öffentlichen Raum wahrgenommen wird», sagt Zollinger.

Erstaunlich sei, dass trotz einer übersexualisierten Gesellschaft, die mit Nacktheit in den Medien dauernd konfrontiert werde, drei nackte Körper – ohne erotischen Kontext – solches Aufsehen erregen könnten. «Wir waren in Kroatien Gesprächsthema Nummer eins», sagt Zollinger erstaunt. «Die Bilder haben sich in ganz Europa verbreitet.»

Bereits in Biel nackt unterwegs

Sein Ziel sei, dass der nackte Körper im öffentlichen Raum ebenso wenig Aufsehen errege wie zum Beispiel spezielle Kleidung. «Die Reaktion der Leute in Zagreb war spannend: Die meisten zückten ihr Handy und knipsten drauflos.» Und doch gebe es immer einige wenige, die die Polizei riefen. «Und die Behörden beugen sich dem Diktat dieser 5 bis 15 Prozent, das ist traurig.» Man verteile Bussen, weil es eine Minderheit störe. Zollinger: «Ich hoffe, dass sich dies irgendwann mal ändert.»

Der Künstler hatte bereits im Mai für Aufsehen in der Schweiz gesorgt. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter und Künstlern spazierte er am «Naked Slow Walk» durch Biel. Dieses Mal war das aber vorher mit den Behörden abgesprochen – die Polizei tauchte damals nicht auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus D. am 16.09.2014 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kunst???

    Was heute nicht alles als Kunst gilt?!? Somit ist auch jeder FKK'ler Künstler? Ich habe mal Abends neben das Velo in den Wald gepinkelt. Bin ich nun auch Künstler und erhalte dafür Geld? Wo kann ich mich fürs Geldverteilen anstellen?

  • Arbeiter am 16.09.2014 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnütze Kunst

    Geht arbeiten und unterstützt den Staat nicht umgekehrt.

  • R.M. am 16.09.2014 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst und was noch?

    Bitte erzählen Sie aber niemandem, dass Sie Künstler aus der Schweiz sind. Sonst müssten wir ja uns noch fremdschämen. Sorry, wenn das Kunst sein soll, dann ist ja jeder Exhibitionist der grössere Künstler. Der macht ja mehr Kunst, der verkleidet sich ja noch oder versteh ich da was falsch?

Die neusten Leser-Kommentare

  • G.Seiffert am 17.09.2014 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Sexualisierte Gesellschaft

    Als Kunst bezeichnen kann ich es nicht, aber ebensowenig stört es mich. Wenn ihr euch an übermässiger Nacktheit stört, verklagt diese Leute und hört auf MTV/RTL und co. zu schauen. Ich würde wetten, jeder zweite der hier polemisiert will einfach nur seinen Frust darüber auslassen, wie unbedeutend klein er im System ist und wie er täglich ausgebeutet und schikaniert wird. Traurig! Jetzt schnell noch zum nächsten Kiosk das neue (nackte) Blick-Girl anschauen und dafür 2 Franken zahlen, den Tag vergessen

  • Schweizmann am 17.09.2014 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    unterm Eiffelturm gefurzt

    Müsste nach deren Logik eigentlich auch als Kunst gelten. Nichts leisten aber besonders sein wollen, leider ein Fakt unserer Zeit.

  • Berner Bär am 17.09.2014 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Gesang unter der Dusche

    Dann bin ich auch "Nacktkünstler", wenn ich unter der Dusche stehe oder mich in der Badewanne aale! Das nächste Mal werde ich noch laut singen. Wer sich dann ab dem Gesang stört, ist also Kulturbanause! Solche "Künstler" am Besten totschweigen, damit sie keine Plattform für ihr Getue erhalten. Im Prinzip ist bereits diese Meldung zu viel! Dazu kommt, dass diese "Künstler" noch dem Ansehen der Schweiz geschadet haben.

  • Zyniker am 17.09.2014 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Also...

    Da regt sich doch tatsächlich ein Künstler, damit meist links gerichtet, auf, dass man auf Minderheiten Rücksicht nimmt? (Woher er die Gewissheit nimmt, dass die eine Minderheit sind lassen wir mal einfach mal so stehen) Also ich bin total für den Schutz von Minderheiten, sind wir es doch schon bald selbst im eigenen Land :-p Macht da mal eine Performance dazu.

  • Frohlocke am 17.09.2014 08:52 Report Diesen Beitrag melden

    Seltsam

    Hier wird immer von "Künstlern" geredet. Es sind doch nichts weiter als Nudisten mit exhibitionistischer Ader! Mit "Kunst" hat das nun wirklich nichts zu tun. Hoffentlich kassieren diese Damen und Herren nicht auch noch irgendwelche Fördergelder vom Steuerzahler für ihr Nichts-können. Erbärmlich. Einfach nur absurd und verblödet.