Georgische Mafiosi

09. Dezember 2012 23:52; Akt: 10.12.2012 08:04 Print

«Wir werden die Schweiz plündern»

von L. Hanselmann - Die georgische Mafia in der Schweiz ist quasi militärisch organisiert, wie die Untersuchungsakten der Bundesanwaltschaft zeigen. Ihre Köpfe sitzen zwar in Haft. Doch sie werden bald ersetzt, glaubt eine Mafia-Expertin.

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«Zwischen den Schweizer Behörden und der georgischen Einbrecherbande ist Krieg ausgebrochen», schreibt «Le Matin Dimanche». In einem abgehörten Telefongespräch machte einer der Mafiosi der Organisation namens Vory v Zakone das Ziel der Mafiosi klar: «Wir werden die Schweiz plündern.»

Die Untersuchungsakten der Bundesanwaltschaft zeigen nun, wie die georgische Mafia organisiert ist: Sie teilte die Schweiz in vier Regionen auf – Ost-, Zentral- und Westschweiz sowie das Tessin. Jede Region hatte einen Chef, der sogenannte Soldaten befehligte, die er oft direkt in der Schweiz rekrutierte.

Geld ging an Chefs in Georgien

Die Mafiosi mussten jeden Monat 15 Prozent ihrer Einnahmen abliefern – den Obschak (siehe Box). Ein grosser Teil des Geldes, das die Bande mit Einbrüchen, Menschenhandel oder Geldwäscherei verdiente, ging an die Köpfe der Organisation im Kaukasus.

Mit dem Rest wurden auch Georgier in Schweizer Gefängnissen unterstützt. So kam 2009 ans Licht, dass georgische Häftlinge in Genf auf ein schwarzes Konto zugreifen konnten, auf dem ständig 20'000 Franken für Drogen, Zigaretten und anderes lagen.

«Abgeschlagene Köpfe wachsen nach»

2009 und 2010 wurden in der Schweiz und Europa Dutzende georgische Mafiosi verhaftet, darunter auch die Schweizer Chefs. Anfang Sommer wurden sie zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die Bande seither führungslos ist, wie sie auf Anfrage sagt.

Laut Stephanie Oesch, Expertin für organisierte Kriminalität, ist das aber eine Illusion: «Schlägt man in kriminellen Organisationen einen Kopf ab, wächst der nächste nach. Es bleibt höchstens kurze Zeit ruhig.» Dafür spricht die Zahl der Einbrüche von Georgiern: Diese sank laut Fedpol direkt nach den Verhaftungen, stieg mittlerweile aber wieder auf das Niveau von vor 2010.

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