Hanf-Legalisierung

11. Februar 2015 07:44; Akt: 11.02.2015 08:59 Print

«Wollen wir ein bekifftes Volk in der Schweiz?»

von Ph. Flück - 50'000 Kiffer wurden in der Schweiz 2013 gebüsst. 7000 davon waren minderjährig.

Die Abkürzung «STVA» steht in der Infografik für das Strassenverkehrsamt. Die Tagessätze sind abhängig vom Einkommen und Vermögen des Betroffenen. Alle Angaben in Schweizer Franken. (Quelle: BFS und Legalize It)

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Marco will den Samstagabend gemütlich mit seinen Kollegen am See verbringen. Dort dreht er sich eine Tüte und zündet diese genüsslich an. Mit dem Inhalieren entspannt er sich und vergisst den Alltagsstress. Doch schon bald hat das Relaxen ein Ende: Zwei Polizisten erscheinen und büssen Marco und seine Kollegen mit je 100 Franken. Der Joint wird konfisziert.

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Über 50'000 Personen wurden 2013 für das Konsumieren von Cannabis und anderen Handlungen zum Decken des eigenen Bedarfs gebüsst, zeigen Zahlen des Vereins Legalize It. Dabei waren 7000 minderjährig. Zum Vergleich: Für den Konsum von Cannabis wurden laut dem Bundesamt für Statistik 2008 knapp 39'000 Leute bestraft. Im Jahr 2000 waren es ein wenig mehr (42'000), während noch 1990 die Zahl bestrafter Personen deutlich tiefer war (17'000).

Die 2013 am zweitmeisten bestraften Personen wurden wegen Verkaufens und Verschenkens von kleinen Mengen Cannabis gebüsst (9000). Über 2000 Personen wurden von der Polizei beim Kiffen in flagranti erwischt und gebüsst, wie in einer Zusammenstellung von Legalize It zu lesen ist.

«Kiffer sollen für Weed einstehen»

«Dass Erwachsene fürs Kiffen bestraft werden, ist eine Schande», sagt Sven Schendekehl, Vorstandsmitglied des Vereins Legalize It. Jede volljährige Person müsse das Recht zur Selbstbestimmung haben. Es sei einfach eine Sache der Fairness: «Kiffer sollten gleich behandelt werden wie etwa Alkoholtrinker oder Risikosportler.» Cannabis werde von allen geraucht, von Linken und Rechten, von Armen und Reichen. Viele Leute hätten gemerkt, dass THC-haltige Produkte zu konsumieren sehr angenehm sein könne.

Genau diese Leute ruft er nun dazu auf, zu handeln und hinter ihrem Cannabis-Konsum zu stehen, um eine Legalisierung von Cannabis zu erreichen. Schendekehl ärgert sich auch darüber, dass zu viele Mittel von der Polizei in die Verfolgung von Kiffern eingesetzt würden: «Das sind alles Steuergelder, die verschwendet werden!»

«Kiffer sind keine Schwerverbrecher»

Auch der grüne Nationalrat Bastien Girod versteht nicht, warum die Polizei so viel Zeit und Personal einsetzt, um den Kiffern den Spass an ihrem Genussmittel zu nehmen. «Kiffer sind ja keine Schwerverbrecher und gefährden auch niemanden.»

Die Bildung von Cannabis Social Clubs, wie sie in Städten wie Genf oder Bern geprüft wird, sei ein Schritt in die richtige Richtung: «Der Cannabiskonsum wird somit nicht ganz aus der Hand gegeben und man kann Altersgrenzen setzen», sagt Girod. Allerdings hätten Debatten über die Legalisierung von Cannabis momentan einen schweren Stand im Parlament, da sich die Diskussion in letzter Zeit etwas totgelaufen habe. «Ich denke, die Erkenntnisse aus den USA, wo zwei Staaten kürzlich Cannabisprodukte legalisiert haben, werden helfen, die Diskussion voranzutreiben.»

Angst vor bekifftem Volk

Genau solche Zustände, wie sie ihrer Meinung nach in Übersee herrschen, geben der SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler zu denken: «Seit der Konsum legalisiert wurde, registriert man einen starken Anstieg von Kiffern in den betroffenen Staaten.» Nun müsse man sich die Frage stellen, ob man auch in der Schweiz ein bekifftes Volk wolle.

Dass die Polizei zu viele Mittel einsetze, um Kiffer zu bestrafen, stimme nicht: «Die meisten werden angehalten, weil sie sich besonders auffällig benehmen oder ein anderes Delikt verübt haben.» Wenn sich dann bei der Kontrolle herausstelle, dass der Betroffene high sei, geschehe dies meist erst in einem zweiten Moment. Wer ruhig bei sich zuhause ab und zu einen durchziehe, werde von der Polizei nicht behelligt, da sie nichts davon wisse. Solche Kiffer seien auch nicht besonders problematisch: «Schlimm wird es aber, wenn jemand dauerbekifft ist, sein Leben nicht mehr im Griff hat und deshalb zum Sozialfall wird. Oder Jugendliche, welche die Schule abbrechen und keine Lehre absolvieren.» Daher sei ein Verbot sehr wichtig und signalisiere: «Hände weg von Drogen!»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Boca am 11.02.2015 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viel leid wegen alkohol

    alkohol legal,kiffen verboten.wo liegt da die logik?

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  • Schweizer am 11.02.2015 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlichkeit

    Jetzt haben wir kein Bekifftes, dafür ein besoffenes Volk. Wo ist der Unterschied? Wer kiffen will macht es auch ilegal

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  • mätti am 11.02.2015 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    immernoch LEGALIZE IT

    jeder sollte selbst entscheiden, was er zu sich nimmt. wenn die arbeit und die familie NICHT darunter leidet, sehe ich überhaupt kein problem cannabis zu legalisieren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Liberaler Rechtsstaatsbürger am 12.02.2015 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Verbot hat keine Rechtfertigung!

    Ich habe im Talkback einige Male nach einer hieb- und stichfest sowie nachprüf- und nachvollziehbaren Rechtfertigung für die Cannabis-Prohibition gefragt. Ich habe diese Rechtfertigung nie erhalten. Ergo: Die Cannabis-Prohibition hat in einem liberalen Rechtsstaat nichts zu suchen und gehört abgeschafft. Ist die Schweizer Gesellschaft im Jahr 2015 genügend reif für die Realität und ist die Schweiz ein liberaler Rechtsstaat? Wer diese Fragen mit JA beantworten kann, soll jetzt konstruktiv an der Ausarbeitung der nötigen Gesetze und Regeln mitarbeiten. Die anderen sollen schweigen. Danke.

  • Bill am 12.02.2015 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    "Aber der Alkohol... !"

    Jetz hört doch bitte endlich einmal mit den unsinnigen Alkoholvergleichen auf. Jeder weiss, dass Alkohol schädlicher ist als Cannabis, und dass sich Alkohol als Volksdroge #1 halt nun mal nicht verbieten lässt (Kiffen natürlich genausowenig). Die Frage ist jetzt, ob man noch ein weiteres potentiell schädliches Genussmittel legalisieren soll. Ich persönlich denke Ja, da für mich Freiheit einer der wichtigsten Grundsätze ist und ich deutlich mehr Vor- als Nachteile sehe. Aber diese Vor- und Nachteile sind komplett unabhängig davon ob Alkohol legal ist oder nicht.

  • Eremit am 12.02.2015 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kiffer, steht jetzt für eure Rechte ein!

    Ich verstehe, dass man den Drogentourismus verhindern will, aber in dem Fall sollten wir - jedenfalls so lange die umliegenden Länder Hanf noch nicht legal machen - zumindest Cannabis Social Clubs legalisieren, wo nur Mitglieder Zugang zu legalem Hanf haben. Wir sind an einem Punkt angelangt wo die Beweislage in jeder Hinsicht für den Hanf spricht, und trotzdem nehmen immer noch unschuldige Leute Schaden, welche eigentlich nur diesem relativ harmlosen Zeitvertreib frönen wollen! Kiffer, organisiert Demonstrationen, schreibt Briefe an die Parlamentarier, steht endlich ein für was richtig ist!

  • Rita Huber am 12.02.2015 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen "es stört niemanden"!

    Also, man kann nicht sagen "die stören niemanden"! Schon das Geruch von Zigaretten ekelt mich, das Rauch von Cannabis ist noch schlimmer! Wenn alle kiffen werden, wie es geraucht wird, werde ich das nicht mehr ertragen! Und man kann auch nicht die Person darauf aufmerksam machen , dass sie stinkt, denn dann bin ich noch die "Böse", die "Spielverderberin". Ich hätte nichts dagegen, wenn man in bestimmte Ecken/Kabinen rauchen würde, wo das Gestank bleiben soll.

    • Phil am 12.02.2015 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Legalisieren.....

      Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen. (Mises)

    • Tolerantes Lächeln am 12.02.2015 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Rita

      Es gibt einige Dinge, die mich persönlich manchmal stören. Z.B. Menschen, denen Hygiene nicht wichtig ist, laute Telefonate in den ÖV, lautes Rumgeschrei Alkoholisierter etc. Ich bin sicher, dass der eine oder andere Zeitgenosse auch etwas an mir auszusetzen hat - und sei es nur, dass ich oft lächle. In einer Gemeinschaft muss man gewisse Kompromisse eingehen und manchmal Dinge akzeptieren. Nur weil sich einige am übermässigen Kosmetikagebrauch anderer stören, muss man das ja auch nicht verbieten. Leben und leben lassen sowie Toleranz sind wichtig. Beides scheinen mir in der CH Fremdwörter.

    • Mar. Arn. am 12.02.2015 14:40 Report Diesen Beitrag melden

      @ Rita

      nicht jeder möchte sich der spiesigen Gesellschaft so beugen und einer Norm entsprechen. Es gibt Menschen, die individuell sind. Genau diese machen das Leben bunt. Alles was normal ist lehne ih grundsätzlich ab. Ich liebe das Leben in einer nicht Normgerechten Art. Und zum Thema Nichtraucherschutz wurde mehr als genug getan.

    • Peter Ehrensberger am 12.02.2015 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      @ Rita

      Ich verstehe es, dass der Geruch vom Cannabisrauch als störend empfunden werden kann und bin auch der Meinung, dass man dem nicht ausgesetzt werden muss wenn man nicht will. Wobei ich finde, dass man tolerant sein soll beim Vorbeigehen an jemandem der kifft und dem Geruch nur eine Sekunde bzw. einem Bruchteil einer Sekunde ausgesetzt ist. Und abgesehen von den eigenen Wohnungen oder dringenden unverzichtbaren Einsätzen kann man doch wahrscheinlich dem Cannabisrauch immer aus dem Weg gehen.

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  • Elio am 12.02.2015 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol ist eine harte Droge

    oh ja,und man sollte Alkohol verbieten weil ein paar damit nicht umgehen können. Alkohol ist eine harte Droge und jedes Coop bietet Alkohol in Mengen an, die die Gesundheit vieler Menschen gefährden.

    • Beobachter am 12.02.2015 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Elio

      Alkohol ist keine Droge, sondern wie Heroin ein sehr gefährliches Rauschgift. Hunderttausende Süchtige, zehntausende Spitalbehandlungen wegen Überdosen, tausende Tote und x Milliarden Franken ungedeckte Kosten jedes Jahr belegen das hieb und stichfest. Das hindert 'Die Alkoholpartei' (Schweizerische Volumenprozente) aber nicht daran, weiterhin zu behaupten, das sei ein harmloses Genussmittel und müsse möglichst liberal verkauft werden dürfen. Zufälligerweise sind das die gleichen, die die Cannabis-Prohibition mit allen Mitteln verteidigen (siehe Geissbühler). Wer merkt, was geht? Wer nicht?

    • Elio am 12.02.2015 19:06 Report Diesen Beitrag melden

      Opium-Morphium-Heroin

      @Beoachter: Heroin ist als Schmerzmittel 6x stärker als Morphium, aus dem es hergestellt wird. . Opiate haben auch heute noch eine hohe Bedeutung in der Medizin - sie sind das perfekte Schmerzmittel für den Menschen und auch z. Bsp. Opiumtropfen werden heute in der Schweiz verschrieben. Alkohol ist nicht so wichtig in der Medizin, ausser als Trägersubstanz in der Pharmakologie, aber nicht als Narkosemittel.

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