Ärzte aus dem Ausland

14. März 2017 10:38; Akt: 14.03.2017 13:24 Print

Ärzteverband warnt vor Sprachgewirr im Spital

von A. Schawalder - Ausländische Ärzte sollen ausreichend gut Deutsch können, fordert der Schweizer Ärzteverband. Ansonsten drohten Todesfälle, so der Patientenschutz.

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Der Schweizer Ärzteverband FMH ist alarmiert: Er befürchtet, dass ausländische Ärzte hier praktizieren dürfen, auch wenn sie unzureichend deutsch sprechen. Der Bundesrat soll noch in diesem Monat entscheiden, ob Ärzte in Zukunft gewisse Minimalsprachkenntnisse erfüllen müssen. In einem Entwurf fehlte nun aber eine Präzisierung dieses Punkts, kritisiert der Verband. «Eine griffige Regelung zur Sicherstellung der Sprachkompetenz ist nicht in Sicht», sagt Christoph Hänggeli, Geschäftsführer des Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung, das dem FMH angehört.

Welche Erfahrungen haben sie mit fremdsprachigen Ärzten gemacht? Erzählen Sie es uns.

Der FMH fordert mindestens Niveau B2 in einer Amtssprache. Das heisst, dass Ärzte sich fliessend in der Sprache unterhalten können und Diskussionen auf ihrem Fachgebiet verstehen. «Diese Forderung liegt immer noch weit unter den Standards, welche andere europäische Länder voraussetzen», sagt Christoph Hänggeli. Deutschland und Österreich beispielsweise führten strenge Sprachtests durch. «In diesen Ländern herrscht Einigkeit darüber, dass Ärzte sich mühelos mit Patienten und Kollegen in einer Landessprache verständigen können müssen, damit Fehldiagnosen und falsche Therapieentscheidungen infolge mangelnden Sprachverständnisses ausgeschlossen sind.»

«Kommunikationsprobleme können zum Tod führen»

Patientenschützerin Margrit Kessler spricht von «unhaltbaren Zuständen». Viele Spitäler erwarteten, dass sich Ärzte die Sprache während der Arbeit aneigneten. Das berge grosse Risiken: «Kommunikationsprobleme können in der Medizin zum Tod führen», sagt Kessler. Sie berichtet von einem Fall, bei dem ein Patient in der Psychiatrie gestorben ist.
Der behandelnde Arzt habe den Patienten nicht verstanden, als dieser über Fieber und Unwohlsein geklagt habe. Kessler: «Das Nichtbeherrschen der Sprache führt zu vielen Problemen. Zum einen fühlen sich Patienten nicht verstanden, zum anderen kommt noch die komplizierte Medizinfachsprache.» Das führe zu Vertrauensproblemen, pflichtet Dorit Djelid vom Spitalverbund bei, der ebenfalls Deutschkenntnisse auf Stufe B2 fordert.

Gute Sprachkenntnisse seien auch für den Austausch unter dem medizinischen Personal wichtig, sagt Nico van der Heiden vom Verband für Ober- und Assistenzärzte. «Bei einer komplexen Operation arbeiten verschiedene Ärzte zusammen. Wenn nun der Arzt, der für die Betäubung zuständig ist, etwas falsch versteht, kann das verheerend sein.» Das zeigt auch ein Fall aus Grossbritannien. Dort hatte 2004 ein deutscher Arzt einem Patienten die zehnfache Dosis eines Schlafmittels verabreicht, worauf dieser starb. Als Grund für den Fehler wurden neben Inkompetenz auch mangelnde Sprachkenntnisse ermittelt. Die Folge: Die Vorschriften beim Einstellen von ausländischen Ärzten wurden verschärft und die Sprachanforderungen wurden erhöht.

«Ärztemangel in der Psychiatrie besonders ausgeprägt»

Der Ärztemangel ist der Grund, warum überhaupt Personen mit schlechten Sprachkenntnissen angestellt werden», sagt Van der Heiden. In der Psychiatrie sei die Problematik besonders ausgeprägt. Sie stünden nicht selten vor der Frage: «Wollen wir einen Psychiater, der kein Deutsch spricht, oder wollen wir gar keinen?» Diese Betriebe hätten teilweise einfach gar keine Bewerbungen von deutsch sprechenden Ärzten. Patientenschützerin Margrit Kessler sagt dazu: «Lieber eine Pflegefachfrau, die mich versteht, als ein Arzt der kein Deutsch spricht. Das ist weniger gefährlich.»

Allerdings werden bereits heute ausländische Ärzte von vielen Spitälern auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft. Im Universitätsspital Basel ist eine «problemlose mündliche und schriftliche Verständigung» auf Deutsch eine Voraussetzung für eine Anstellung. Auch das Kantonsspital St. Gallen und das Unispital Zürich verlangen von ihren Ärzten Deutschkenntnisse, heisst es auf Anfrage.

Auf Anfrage erklärten die Sprecher des Kantonsspitals St. Gallen und des Unispitals Zürich, dass sie von ihren Ärzten Deutschkenntnisse verlangten. Auch Martin Jordan vom Universitätsspital Basel sagte in der Vergangenheit, dass man die Sprachkenntnisse ausländischer Bewerber überprüfe. Eine «problemlose mündlich und schriftliche Verständigung» auf Deutsch sei eine Voraussetzung für eine Anstellung.

In der Schweiz hat fast jeder dritte Arzt ein ausländisches Diplom. Die meisten kommen aus Deutschland, wobei diese wegen der verbesserten Arbeitsbedingungen zunehmend im Heimatland bleiben. Dafür kommen zunehmend Ärzte aus anderen EU-Staaten sowie Drittstaaten in die Schweiz. Bei der Anerkennung von Diplomen folgen die Rumänen hinter den Nachbarländern Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich auf Platz 5. So wurden laut dem Bundesamt für Gesundheit 2015 102 rumänische Ärzte anerkannt. In den letzten zehn Jahren liessen 498 Griechen, 459 Rumänen, 345 Belgier, 287 Ungarn, 286 Polen und 259 Spanier ihr Diplom in der Schweiz anerkennen.

Das Bundesamt für Gesundheit kann zur Kritik der Sprachregelung «zum jetzigen Zeitpunkt» noch nicht Stellung nehmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Smarties Smiley am 14.03.2017 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird ja immer kurioser

    Also das finde ich, ist absolut!! die erste Anforderung die erfüllt sein sollte!!

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  • B. M. am 14.03.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No go

    Ich verlange sofort einen deutschsprachigen Arzt, wenn ich merke, der behandelnde Arzt versteht mich nicht.

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  • Martin am 14.03.2017 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Über fremde Ärzte jammern...

    Aber gleichzeitig die Studienplätze für Ärzte in der CH begrenzen. Bravo, das nenn ich mal durchdacht. Versteht mich richtig, ich hätte auch gerne Schweizer Personal in den Spitälern, aber dazu müsste a) das Lohnniveau so sein dass man davon als Schweizer in der Schweiz gut leben kann (Pflegeberufe) und andererseits sollten so viele Studienplätze vonhanden sein wie Ärzte gebraucht werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • NikiTiki64 am 14.03.2017 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Numerus clausus

    Das kommt davon.... statt selber Ärzte auszubilden "Billigärzte" ohne Numerus clausus.

  • SB am 14.03.2017 20:30 Report Diesen Beitrag melden

    Sprache UND Fachkompetenz sind das Thema

    selbst im medizinischen Bereich tätig erleb ich das schon tagtäglich. Mich erschrecken nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch die fachkichen Kenntnisse! Frau Kessler hat schon recht mit der deutsch-sprechenden Pflegenden, doch möcht ich hier noch ergänzen dass es diese es ist die das nötige Fachwissen mitbringt!!

  • Tom J. am 14.03.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Ärzte sind nicht zwingend besser

    Habe in einem Spital im Kt. ZH nur Schweizer Ärztinnen und Ärzte erlebt. Aber auch dort hat eine, unter Zeugen meine einfache Frage, ob ich die Wunde beim Hausarzt zeigen muss, nicht verstanden. Sie hat dann einfach mit Nein geantwortet. Später redete sich heraus und sagte was im Op Bericht stehe. Aber dort stand auch nichts.

  • Assistenzarzt am 14.03.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber fremdsprachig als gar keiner

    Die Schweizer Politik muss halt einfach aufpassen. Nachdem sie in der Vergangenheit schon mehrfach ein sehr unglückliches Händchen bei Regulationen bewiesen hat, wird diese Massnahme den Ärztemangel sicher deutlich verschärfen. Ich habe mit vielen Griechen, Rumänen, Bulgaren, Polen etc. zusammengearbeitet, und es funktionierte auch irgendwie. Ich würde es schlauer finden, man würde das geltende Gesetz bezüglich Arbeitsbedingungen konsequenter anwenden, in meinem privaten Umfeld sind etwa 40-50% der Ärzte nicht klinisch tätig, weil sie sonst kein Privatleben haben könnten.

  • dachs. am 14.03.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut

    Ich finde das herrlich. Jahrelang gegen deutsche Ärzte wettern, hetzen, sie fertigmachen. Und kaum kommen weniger von ihnen, ist es auch nicht recht - oder man merkt, dass sie vielleicht gar nicht so schlimm sind. Hochmut kommt vor dem Fall.

    • Axel am 14.03.2017 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Ihr habts so gewollt

      Eben, genau das dachte ich auch- dann viel Spaß mit den Polen, Rumänen und Spaniern - der Vorteil an diesen Landsleuten ist, dass diese die Schweizer Gehässigkeiten nicht so schnell verstehen.

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