Jass und Poker

27. Mai 2011 13:04; Akt: 27.05.2011 14:31 Print

100-Franken-Turniere sollen erlaubt sein

von Lukas Mäder - Kleine Pokerturniere sollen auch ausserhalb des Casinos zugelassen werden. Das verlangt der SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Positiv darauf reagierten bisher aber vor allem Suchtfachleute.

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Sollen bis 100 Franken Maximaleinsatz wieder von den Kantonen bewilligt werden: Ein Pokerturnier in Zürich. (Bild: Sascha Crescionini/Buy-In.ch)

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Vor ziemlich genau einem Jahr verbot das Bundesgericht Pokerturniere ausserhalb von Casinos. Seither laufen politische Bestrebungen, dieses Verbot aufzuheben - zumindest für kleinere Turniere. Der jüngste Versuch von SVP-Nationalrat Lukas Reimann will Jass- und Pokerturniere mit einem maximalen Einsatz von 100 Franken der kantonalen Aufsicht unterstellen. Sie wären so auch ausserhalb von Casinos möglich.

Umfrage
Sollen Pokerturniere auch ausserhalb von Casinos erlaubt sein?
29 %
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Insgesamt 1424 Teilnehmer

Seinen Vorschlag hat Reimann vor einigen Tagen in der nationalrätlichen Rechtskommission eingebracht, als diese den Gegenvorschlag zur Volksinitiative «Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls» beriet. Auf Zustimmung stiess er nicht: Die Mehrheit lehnte den Antrag ab. Davon lässt sich Reimann allerdings nicht entmutigen. Sein Vorschlag wird als Minderheitsantrag ins Plenum kommen. «Im Nationalrat rechne ich mir Chancen aus, damit durchzukommen», sagt Reimann. Zumal Vertreter verschiedener Parteien das Anliegen unterstützten. Im Hinblick auf eine spätere Abstimmung im Ständerat sei jedoch die Unterstützung von Verbänden nötig.

«Absturzgefahr in Casinos gross»

Ein möglicher Verbündeter könnte der Fachverband Sucht sein. Dieser äussert sich positiv zu Reimanns Vorschlag. «Pokerturniere zu verbieten und in Casinos abzuschieben ist nicht sinnvoll, weil die Prävention erschwert wird», sagt der Generalsekretär Markus Theunert. Das Pokerspiel habe durchaus Suchtpotential, weshalb es klare Leitplanken brauche. Die Begrenzung des maximalen Einsatzes pro Abend auf 100 Franken macht für Theuner Sinn: «Gerade für Spieler mit problematischem Spielverhalten wird so die Gefahr einer Verschuldung minimiert.» Casinos hingegen böten Risikospielern kein günstiges Umfeld, da eine Unzahl weiterer Spielangebote locke und die Absturzgefahr entsprechend gross sei.

Begrüssungswert findet die Idee auch Jörg Häfeli, Dozent und Präventionsfachmann der Hochschule Luzern: «Der Vorschlag ist auf jeden Fall zu prüfen.» Es bestehe ein grosses Bedürfnis nach solchen Pokerturnieren. Mit dem Verbot ausserhalb von Casinos würden die Pokerspiele in die Illegalität abgedrängt, sagt er. «Das illegale Glücksspiel hat seit letztem Jahr zugenommen.»

Eine Konkurrenz zu den Poker-Angeboten in Casinos sieht Häfeli, der selbst als Suchtexperte für Casinos arbeitet, nicht: «Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Angebote, die unterschiedliche Kundensegemente ansprechen.» Die maximale Teilnahmegebühr von 100 Franken sei vernünftig. «Das zeigt, dass die Initianten nicht Zockertempel aufziehen, sondern ein Bedürfnis befriedigen wollen», sagt Häfeli. Die Kantone seien gefordert, die Turniere nur unter bestimmten Auflagen zuzulassen. «So können sich seriöse Anbieter etablieren, wie dies auch vor dem Verbot der Fall war.»

Frage der Kompetenzen

Noch offen ist die Frage, ob die Kantone diese Aufgabe überhaupt übernehmen wollen. «Die Idee Reimanns ist nicht per se schlecht», sagt Manuel Richard, Stellvertretender Geschäftsführer der Comlot, der interkantonalen Bewilligungsbehörde für Lotterien und Wetten. Ein kantonales Bewilligungsverfahren für kleine Veranstaltungen wäre durchaus möglich. Doch Richard hat auch Einwände. Aus formaler Sicht gehöre eine solche Turnier-Regelung nicht in die Verfassung. Inhaltlich wäre es ungewöhnlich, die Kompetenzverteilung aufgrund der Einsatzhöhe zu definieren.

Bisher ist die Art des Spiels ausschlaggebend. Der Bund ist für Glücksspiele, die Kantone sind für Geschicklichkeitsspiele zuständig. Doch gerade bei Poker ist diese Abgrenzung umstritten. Denn im Unterschied zu vielen Spielern sieht das Bundesgericht Poker als Glücksspiel. Erst mit diesem Urteil verursachte es die laufenden parlamentarischen Aktivitäten.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hagan am 28.05.2011 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Toter Dealer letzter Teil

    Dieser Aufzählung wären noch viele Punkte anzufügen. Ich denke aber, dass nur schon diese Aspekte in einen Denk- und Meinungsbildungsprozess miteinbezogen werden wollten bevor man absolut unqualifizierte Äusserungen von sich gibt. Meine Meinung basiert auf solider Aus-bildung zum THE-Croupier und entsprechender Arbeitstätigkeit bis zum BG-Beschluss. Uns hat man den Beruf und somit die existenzielle Grundlage genommen ein grosses Casino braucht uns nicht und den passionierten Spielern, die Möglichkeit, ihren SPORT auszuführen.

  • Rönz am 28.05.2011 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    100'000

    Ich finde das Limit zu tief. Ich rechnete mit einem Limit von 100'000 Franken.

  • Bidu am 27.05.2011 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist los mit dem Bundesgericht?

    Ich hatte erst das Verbot erfahren, ging ich ins Casino Kursaal in Bern. Dort befindet sich kein Pokertisch. Ich bezahlte Fr. 10.-- für Eintritt, aber umsonst. Der Richter vom Bundesgericht hat keine Ahnung. Deshalb wäre ich froh, dass die Pokerturniere wieder erlaubt sollen sein. Es braucht keine Bewilligung. Die Organisatoren verdienen gering. Das Geld für Pokerspieler ist gut geteilt. Keine Suchtsgefahr. Viele Spieler mögen Poker. Warum! Der Poker ist kein Glückfall, sondern das Bauchgefühl. Ich glaube die Casino-Kommissionen sind sehr eifersüchtig und beklagen sich bei Bundesgericht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • FCWIL1900 am 08.09.2011 01:00 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Lukas

    Einmal mehr danke Lukas für deinen tollen Einsatz! Das Hauptproblem besteht nach wie vor darin, dass die Öffentlichkeit nicht akzeptiert, dass Poker kein Glückspiel ist. Natürlich ist im einzelnen Spiel der Faktor Glück oder oftmals eher Pech nicht ausschliessbar. Aber bei einer mittelfristigen Betrachungsweise kristalliert sich heraus, ob man mit seiner Strategie profitabel ist. Anders ist nicht zu erklären, dass in allen Turnierserien weltweit immer wieder die gleichen gute Resultate erreichen. Ich persönlich werde niemals ein Schweizer Casino betreten. Was da angeboten wird ist Glücksspiel

  • Mike Maro am 01.06.2011 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    free Poker!

    Eines ist kla, Pokerspiele in Casinos erhöht den Suchtfaktor um ein vielfaches. Die Versuchung an Geldspielautomaten, Roulett oder Black-Jack Tischen weiter zu spielen ist enorm gross. Das wissen die Casinos ganz genau. Das Verbot welches von den Casinos iniziiert wurde hatte nur einen Hintergrund - möglichst viele Leute ins Casino zu bringen und abhängig machen. Abgesehen davon hat das Verbot nur eines gebracht - es wird viel mehr Cash-Game gespielt und das in sehr vielen illegalen Clubs.

    • Mike Hanke am 07.09.2011 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      lmfao

      genau das ist es, was die irgendwie nicht zu kapieren scheinen...

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  • marc albrecht am 30.05.2011 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    richtig so

    Nur schon die vielen Arbeitsstellen, die wieder Frei werden und die unterdrückung der monopolistischen Casinos währe ein Grund dafür, dass das legale Pokerspielen wieder eingeführt wird!

  • Land Ammann am 29.05.2011 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Prostitution ab 16 Jahren erlaubt....

    In einem Land, in welchem sich ein 16-jähriger Junge völlig legal prostituieren kann (auch gleichgeschlechtlich), aber es ihm nicht gestattet ist, vor seinem 18. Geburtstag einen Pornofilm zu schauen gehört es sich doch auch, dass Erwachsene Personen im Sinne des Spielerschutzes in die Casinos gedrängt werden. Manchmal habe ich das Gefühl, die Politiker müssten vor sich selber geschützt werden. Schönen Sonntag.

  • Bob Bob am 29.05.2011 08:34 Report Diesen Beitrag melden

    Untauglicher theoretischer Vorschlag...

    wie will man kontrollieren, ob der maximale Einsatz von 100 eingehalten wird. Praktisch nicht machbar. Entweder sind private Glücksspiele erlaubt oder nicht.

    • Bow Ling am 29.05.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      Kontrolle durch Transparenz

      Wenn bewilligte Turniere öffenlich ausgeschrieben werden, dann wird es eben genau kontrollierbar, weil immer alles transparent kommuniziert wird. Jeder Teilnehmer/Zuschauer kann sich dann davon überzeugen, was im Untergrund nicht möglich ist.

    • Bow Ling am 29.05.2011 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Kontrollen sind möglich

      Wenn es eine Bewilligungspflicht gibt, nur dann sind Kontrollen überhaupt möglich. Kontrolliert wird das ganze durch die Spieler und Zuschauer, welche sich mit Sicherheit melden würden, wenn andere Einsätze gespielt werden, als kommuniziert werden. Zudem können die Behörden unangemeldet Kontrollen von bewilligten Turnieren durchführen, da sie wissen, wann und wo solche Turniere durchgeführt werden. Kontrollen macht bereits heute, der Lebensmittelinspektor, die Feuerpolizei, die Gewerbepolizei... Aber nur in öffentlich zugänglichen Lokalen, nicht bei illegalen Cash Game Klubs.

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