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Schwarzenbach-Initiative
07. Juni 2010 17:48; Akt: 07.06.2010 17:49 Print
Die Schweiz im Banne der «Überfremdung»
von Lukas Mäder - Zu viele Ausländer lebten in der Schweiz. Dieser Meinung war James Schwarzenbach, der mit seiner Initiative vor 40 Jahren die Schweiz bewegte.
Die Schweizer Bevölkerung war mobilisiert angesichts der Frage: Sollten hierzulande maximal
Die Überfremdungsinitiative kam in einer Zeit zur Abstimmung, in der die Arbeitsmigration in die Schweiz nach ununterbrochener Zunahme seit dem Zweiten Weltkrieg riesige Ausmasse angenommen hatte. Als Folge der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte — bis Mitte der 1960er-Jahre noch überwiegend aus Italien — begann in der Schweiz eine heftige Diskussion um eine sogenannte «Überfremdung». Zu Protesten führte der Abschluss des sogenannten Italiener-Abkommens 1964. Die italienischen Saisonniers erhielten damit nach fünf Jahren Arbeit in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung, und die Frist für den Familiennachzug wurde auf anderthalb Jahre halbiert.
Wirtschaft von Ausländern abhängig
Das Abkommen, das dem Bundesrat den Vorwuf einbrachte, Marionetten Italiens zu sein, steht für eine Wende in der schweizerischen Ausländerpolitik. Einerseits war die Schweizer Wirtschaft so stark von ausländischen Arbeitskräften abhängig, dass die Politik Konzessionen eingehen musste. Andererseits kam das Rotationsprinzip, bei dem Ausländer nur saisonweise in der Schweiz arbeiteten und dadurch nicht dauerhaft einwanderten, zu einem Ende. Die ausländischen Arbeitskräfte seien «zu einem unerlässlichen Faktor unseres Wirtschaftslebens» geworden, schrieb der Bundesrat 1964. Gleichzeitig versuchte der Bund, da eine Inflation drohte, das Wirtschaftswachstum zu bremsen, indem er die Zuwanderung beschränkte. Mit mässigem Erfolg.
Derweil hatte sich die Diskussion um die Ausländerpolitik längst vom wirtschaftlichen Hintergrund verabschiedet und eine fremdenfeindliche Komponente angenommen. Bereits 1961 entstand die «Nationale Aktion gegen Überfremdung von Volk und Heimat» (NA) — 1990 in Schweizer Demokraten umbenannt — als ideologisch weit rechts stehende Partei, die gegen Zuzug ausländischer Arbeitskräfte kämpfte. Zudem verbreitete sich die Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung. Das Bild der Italiener, der «Tschinggen», war gemacht: Sie seien laut, faul und würden die Schweizer Mädchen verführen. Ausserdem sitze bei ihnen das Messer locker. So tauchten denn auch Schmierereien «Italiener raus!» auf.
Wirkungslose Massnahmen
Auf der politischen Ebene reichte 1965 die Demokratische Partei des Kantons Zürich — eine Abspaltung der FDP, die sich 1971 wieder mit dieser vereinte — die ersten Überfremdungsinitiative ein, die eine ausländische Wohnbevölkerung von maximal 10 Prozent verlangte. Rund
Für die Bewegung gegen «Überfremdung» war die zurückgezogene Initiative erst der Anfang. Bereits 1967 zog James Schwarzenbach als erster NA-Politiker für Zürich in den Nationalrat ein. Nach dem Rückzug der ersten Überfremdungs-Initiative reichte Schwarzenbach im Mai 1969 das zweite derartige Volksbegehren ein, das weiter ging als das erste und bald den Namen Schwarzenbach-Initiative erhielt. Diese wollte den Ausländeranteil ebenfalls auf 10 Prozent beschränken, verlangte aber zusätzlich eine Umsetzung innert vier Jahren und machte Vorschriften für die erleichterte Einbürgerung. Der Abstimmungskampf wurde emotional geführt. Insbesondere die Wirtschaft engagierte sich stark für ein Nein. Trotzdem sagten am 7. Juni 46 Prozent der Stimmbürger Ja zu einer Beschränkung des Ausländeranteils — soviele, wie später nie mehr bei einer ähnlichen Abstimmung.
Wahlerfolg für Schwarzenbach
Obwohl er mit der Initiative nur einen Achtungserfolg erreichte, konnte Schwarzenbach von diesem politisch profitieren. Er gründete nach einem Streit mit der Nationalen Aktion die Republikanische Bewegung, die bei den Eidgenössischen Wahlen 1971 zu den grossen Wahlsiegern gehörte. Sie eroberte auf Anhieb sieben Sitze und erreichte damit Fraktionsstärke. Zur Fraktion kamen noch die vier Sitze, die die Nationale Aktion gewann. Sekretär der Fraktion wurde Ulrich Schlüer, der heute für die SVP in der Grossen Kammer sitzt.
Doch damit war der Höhepunkt für die Republikaner erreicht. Bereits 1975 verloren sie bei den Wahlen. Und Ende 1978 trat Schwarzenbach krankheitsbedingt von seinem Amt zurück. Damit verschwand auch seine Republikanische Bewegung in der Bedeutungslosigkeit. Die Nationale Aktion konnte sich im Nationalrat noch länger halten. Bei den Wahlen 1991 erlebte sie — bereits als Schweizer Demokraten — mit 5 Sitzen ein erneutes Hoch. 16 Jahre später verschwanden mit der Abwahl von Nationalrat Bernhard Hess auch die Schweizer Demokraten von der Bühne der nationalen Politik. Eine Sonderpartei für ausländerpolitische Themen war nicht mehr nötig. Inzwischen hatte sich die SVP dem Thema «Überfremdung» angenommen.
Quellen:
Hans-Rudolf Wicker, Rosita Fibi, Werner Haug (Hrsg.): Migration und die Schweiz.
Historisches Lexikon der Schweiz: Fremdenfeindlichkeit; Schweizer Demokraten.
Bundesarchiv.
Bundesamt für Statistik.
Alexander J. Seiler: siamo italiani.
Jürg Frischknecht: Von schwarzen Schafen (WoZ).
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36 PROZENT!
Wir haben heute richtig gerechnet knapp 36% Ausländeranteil (rechnet man die Masseneingebürgerten, Asylbewerber, SansPapiers, Grenzgänger usw. dazu)! Im Vergleich: Dänemark hat 5.9%, Schweden 6.0%. Das lasse ich hier mal so stehen. Wer einmal am Bahnhof Spreitenbach oder Altstetten ausgestiegen ist, sieht ja selber, was bei uns los ist! Herr Schwarzenbach war damals schon weitsichtig, mehr als sämtliche Politiker dieser Tage.
Falsches System
Viel besser für alle währe das Saudi Modell Ausländer die hier zweifellos gebraucht werden können eine befristete Zeit hier arbeiten und gehen dann wieder nach Hause mit viel Geld für einen Neustart im Heimatland. Keine Sozialkosten für die Schweiz und die Entwicklungshilfe könnte man dann auch reduzieren. Allen währe damit viel mehr geholfen.
Interessant ist doch,...
...dass James Schwarzenbach, obwohl aus bestem Hause, am meisten Anhänger in der Arbeitnehmerschaft hatte. Das hat die Linken ziemlich gewurmt. Schade, dass er nicht mehr lebt!