Kommunikation auf Umwegen

28. April 2017 06:37; Akt: 28.04.2017 06:37 Print

Emojis im Chat? Das kann falsch verstanden werden

Bei Textnachrichten mit dem Handy sind Missverständnisse vorprogrammiert. Warum Botschaften oft falsch verstanden werden, erklären drei Experten.

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Egal, ob auf Whatsapp, Facebook oder anderen Plattformen – beim Chatten laufen wir Gefahr, falsch verstanden zu werden. Vor allem Ironie oder Sarkasmus scheinen beim Empfänger oft anders oder gar nicht anzukommen. Da helfen auch Emojis nicht weiter.

Christa Dürscheid, Professorin für Deutsche Sprache an der Universität Zürich und Autorin des Buchs «Schreiben Digital», nennt drei Gründe, warum es bei der Kommunikation auf dem Smartphone zu Missverständnissen kommt: «Der Mensch kann sich nur auf den Text und die Emojis verlassen. Er sieht die Mimik und die Gestik seines Gegenübers nicht, um diese richtig zu interpretieren.»

Ironie und Sarkasmus schwer erkennbar

Ein weiterer Grund könne die Länge von Textnachrichten sein: «Sind sie zu kurz, kann es schwieriger für uns sein, Ausdrucksformen wie Ironie oder Sarkasmus zu erkennen.»

Als dritten möglichen Grund nennt die Professorin den Kontext: «Wenn ich beispielsweise schreibe ‹Es scheint die Sonne› und für die Sonne das Sonnen-Emoji verwende, ist der Kontext für viele klar. Das ist aber nicht bei jedem Emoji so.»

Viel zu viele Emojis

Die Vielzahl von Emojis könne auch verwirren, so Dürscheid: «Es gibt inzwischen rund 1000 Emojis. Viele von diesen Bildern sind in sich vieldeutig. Auch das kann zu Missverständnissen führen.»

Ähnlich sieht es Mike Fruet, Experte für Körpersprache bei nonverbales.ch: «Ein Emoji ist eine sehr undifferenzierte Darstellung eines Gefühls. Abgesehen davon, dass die Emojis zum Teil falsch gezeichnet sind, können sie gerade wegen ihrer Einfachheit unterschiedlich interpretiert werden.»

Diese Emojis nutzen wir alle falsch

Technik führt zu Missverständnissen

Manuel Nappo, Leiter der Fachstelle Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich, bestätigt, dass es bei der Kommunikation auf dem Smartphone immer wieder zu Missverständnissen kommen kann – egal, ob mit oder ohne Emoji.

Dies liege oftmals nicht nur an der fehlenden Mimik und Gestik allein oder weil Gefühle schwer in 150 Zeichen passten, sondern auch an der heutigen Technik: «Emoji ist leider oft nicht gleich Emoji», erklärt Nappo. «Beispielsweise werden in den Betriebssystemen von heute die Emojis total unterschiedlich dargestellt. Wo bei Apple das Smiley so richtig frech grinst, lächelt es bei Samsung von Herzen.»

Zudem spiele es immer eine Rolle, wie eine Person ein Emoji interpretiere. «Das zeigt sich beispielsweise beim Daten», so Nappo. «Weil sich die Personen kaum kennen, kann das Smiley mit dem Kussmund inklusive Herzli schnell für Verwirrung sorgen. Viele nutzen es einfach so als Küsschen und für andere bedeutet es viel mehr als das.»

Emotionale Verfassung bedenken

Fruet führt aus: «Missverständnisse entstehen, weil wir Menschen sind. Einzigartige Individuen, die einzigartig und eben individuell wahrnehmen und interpretieren.»

Zudem müsse man bei dieser Art der Kommunikation bedenken, dass derjenige, der die Nachricht schreibe, in einer anderen emotionalen Verfassung sei, als derjenige, der die Nachricht empfange. Fruet: «Da keine Interaktion auf das Gesagte und den Menschen dahinter stattfindet, kann sowohl der Text als auch ein Emoji falsch verstanden werden.»

Männer und Frauen kommunizieren verschieden

Social Media-Experte Nappo glaubt, dass Missverständnisse vor allem bei Chats zwischen Männern und Frauen und zwischen Eltern und Kindern vorkommen. So würden Frauen dazu neigen, einen eher neutralen Ton persönlich zu nehmen, und würden sich womöglich sogar abgelehnt fühlen. Männer hingegen würden sich von langen, allzu ausschweifenden Nachrichten womöglich überfordert fühlen.

In der Beziehung Eltern und Kind sei es so, dass die jüngere Generation auf eine ganz andere Art Texte verfasse. «So verwenden sie beispielsweise Abkürzungen wie ‹cu› für ‹see you›, ‹lol› für ‹laughing out loud› und so weiter. Oder dann eben als Antwort nur Emojis, wie beispielsweise Daumen-hoch statt ‹Klar, ist in Ordnung für mich›. Oder einfach ein paar lachende Emojis statt ‹Hört sich super an, viel Spass noch›», so Nappo. «Dies kann für ältere Generationen verwirrend sein.»

Bei Missverständnis nachfragen

Unter Freunden kommt es laut Nappo viel weniger zu Missverständnissen: «Man kennt sich und akzeptiert mehr oder hinterfragt weniger bei unklaren Aussagen.»

Gemäss Nappo kommunizieren wir eher intuitiv und unterschätzen die Wirkung der digitalen Kommunikation. Er empfiehlt: «Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man deshalb in der digitalen Kommunikation die Empfänger öfter fragen, ob die Botschaft so ankommt, wie man sie verschickt hat.»

Was Emojis wirklich bedeuten

(qll)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • emo tschi am 28.04.2017 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    kleine männdli ...

    wow - gleich drei Experten erklären uns die grossen, grossen Probleme dieser Welt!!! Tausend Dank!

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  • Hugo am 28.04.2017 07:19 Report Diesen Beitrag melden

    Drei Experten

    Emojis benutze ich nur mit Text, damit sie richtig verstanden werden. Für das brauche ich aber nicht drei Experten.!

  • livia am 28.04.2017 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    emoijs gehsten ändern

    dann sollte bei den emoijs die müde sind die träne oder was das sein soll, weg lassen und ihm ein gähnen verpassen, ich hab den auch schon benutzt weil ich traurig war, und bei der katze sollte man es auch ändern die sieht erschrocken aus, und hat nichts mit Müdigkeit zu tun, vielleicht sollte man ihr auch ein gähnen verpassen und die augen schliessen da sind wohl noch einige die geändert werden müssen damit man sie auch richtig interpretiert

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Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Wundert am 28.04.2017 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Verwundert

    Ich wunder mich immer wieder über die Kommentare à la "Sind das alle Probleme die wir momentan haben" und "interessiert doch keinen". Wenn's euch nicht interessiert, klickt die News nicht an oder werdet selber Professor und untersucht eure eigenen Studien :)

  • Neumann am 28.04.2017 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Japaner

    Falschinterpretation ist kein Wunder, wenn man bei Emojis die (ganz andere) japanische Gefühlswelt übernimmt! Haben wir Westler dem nichts entgegenzusetzen?

  • murrli am 28.04.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Experten

    Es gibt wirklich kein Thema, für das es keinen "Experten" gibt. Ich selber zum Beispiel bin Experte für Experten zu allem und jedem.

  • Nico am 28.04.2017 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte lieber einen Blog...

    über die unleserliche Ausgabe von Heute. Frage mich bloss was die geschmissen haben.

  • Sabrina meier am 28.04.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Wrong emoji

    Aber wenn es doch alle gleich falsch verstehen ist es doch auch wieder in ordnung.