Missglückter Start

26. September 2012 15:53; Akt: 28.09.2012 13:47 Print

Die unsichtbaren grünen Präsidentinnen

von Simon Hehli - An wen denken die meisten als Erstes, wenn Sie «grün» und «Politiker» denken? Vielleicht an Bastien Girod - sicher nicht an Adèle Thorens oder Regula Rytz. Das soll sich nun ändern.

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Adèle Thorens (links) ist im grünen Co-Präsidium für die Romandie zuständig, Regula Rytz (rechts) für die Deutschschweiz. Noch hat die Bernerin aber kaum Zeit für ihr Amt. (Bild: Keystone/Salvatore di Nolfi)

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Es war ein glänzender Auftritt, den Regula RytzRegula
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Ende April in der Sendung «Giacobbo/Müller» hinlegte. Wenige Tage nach ihrer Wahl zur Co-Präsidentin der Grünen bot sie den beiden Satirikern Paroli. Als Giacobbo die Doppelspitze der Partei als «WG-Groove» lächerlich machen wollte, konterte Rytz: «Ich sehe das Problem nicht: Ihr macht die Sendung ja auch zu zweit.»

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Die Lacher hatte Rytz damit auf ihrer Seite. Doch den guten Start konnte sie nicht ausnutzen: Inzwischen ist Rytz weitgehend in der Versenkung verschwunden. Ihre welsche Jobsharing-Partnerin im Grünen-Präsidium, Adèle Thorens, ist in der Romandie bereits zu einer einflussreichen Figur der politischen Öffentlichkeit geworden, wie Westschweizer Bundeshausjournalisten bestätigen. Rytz’ Name hingegen ist ausserhalb ihres Heimatkantons Bern nicht geläufig.

In Medienberichten taucht Rytz deutlich seltener auf als Martin BäumleMartin
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und Martin LandoltMartin
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, die mit den Grünliberalen respektive der BDP kleinere Parteien führen. Und in einer Umfrage der «SonntagsZeitung» von Mitte September landete Rytz bei der Frage, welche Politiker eine wichtige Rolle spielen sollen, auf dem letzten Platz. Nicht aus Antipathie – sondern weil zwei Drittel der Befragten schlicht nicht wussten, wer die 50-Jährige ist.

Erst ab 2013 voll für die Partei da

Rytz bisherige Absenz in der Öffentlichkeit hat einen Grund. Die Historikerin wurde im letzten Herbst neu als Nationalrätin gewählt – ein Amt, das laut Berechnungen ihres Parteikollegen Balthasar Glättli einem 70-Prozent-Job entspricht. Daneben ist Rytz aber noch in der Stadtberner Exekutive, dem Gemeinderat, tätig. Als Tiefbaudirektorin meistert sie nach eigenen Angaben ein Wochenpensum von 60 Stunden. Kein Wunder, bleibt da kaum noch Zeit, als Grünenchefin Präsenz zu markieren. Deshalb hat Rytz auch bereits vor der Wahl zur Präsidentin angekündigt, auf Ende Jahr aus dem Gemeinderat zurückzutreten.

Des Risikos, dass die Partei mehr als ein halbes Jahr lang beim Deutschschweizer Publikum einen führungslosen Eindruck erwecken könnte, waren sich die Grünen bei der Wahl im April bewusst. Rytz warnte, dass sie im Gegensatz zu Thorens vorerst nur beschränkte Ressourcen fürs Co-Präsidium haben würde. «2013 wird sich das aber ändern», kündigt sie im Gespräch mit 20 Minuten Online an. «Dann kann ich mich voll auf die nationale Politik konzentrieren.»

Die Agenda meints gut mit den Grünen

Parteipräsidenten üben in der stark personalisierten Politlandschaft eine zentrale Rolle aus. «Sie sind im Idealfall Figuren, die der Partei ein Gesicht geben und ihr Glaubwürdigkeit verleihen», sagt Politikberater Mark Balsiger. Eine Partei leide, wenn ihr Präsident in der Öffentlichkeit nicht gut abschneide – so wie früher beispielsweise die FDP mit Fulvio PelliFulvio
Pelli

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Casram SA, Caslano
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oder die Grünen mit Ueli LeuenbergerUeli
Leuenberger

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.

Diese beiden Parteien gehörten bei den Wahlen 2011 denn auch zu den Verlierern. Im Gegensatz zu jenen, die stark auf ihre Aushängeschilder ausgerichtet waren: die Grünliberalen mit Martin Bäumle und die BDP mit ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sowie Präsident Hans GrunderHans
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Grunder Ingegnieure AG, Hasle-Rüegsau
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. Ihnen nachzueifern würde jedoch der Grundphilosophie der Grünen widersprechen, sagt Regula Rytz: «Wir sind nicht hierarchisch auf eine Person fixiert.» Während der derzeitigen Medienabsenz der Chefin sollen sich bei den traditionell individualistisch geprägten Grünen andere Köpfe profilieren – etwa Migrations-Experte Balthasar GlättliBalthasar
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Verein OneGov.ch
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oder Bastien GirodBastien
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Suisse Eole (Vereinigung zur Förderung der Windenergien in der Schweiz), Corcelles-Cormondrèche
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Nicht nur wegen der Stellvertreter ist Rytz’ Absenz für Mark Balsiger kein Problem. Die politische Agenda meine es gut mit den Grünen: «Ihre Kernthemen stehen derzeit wenig im Fokus, wodurch sie eine Schonfrist erhalten.» Politgeograf Michael Hermann fügt an, der Zeitpunkt für einen Führungswechsel und ein vorübergehendes Vakuum sei drei Jahre vor den nächsten nationalen Wahlen relativ günstig.

Mehr Ökologie, weniger Ideologie

Mehrere grüne Nationalräte sagen, dass Rytz trotz ihrer Doppelbelastung bereits stark im Innern der Partei wirke. Nach der Wahlpleite im letzten Jahr mit fünf verlorenen Nationalratssitzen gehe es darum, die Grünen wieder besser aufzustellen. Für Rytz bedeutet das, mit klaren Inhalten und konkreten Lösungen die Wähler zurückzugewinnen. Sei es beim Atomausstieg oder mit Vorschlägen für eine bessere Ressourceneffizienz in der Wirtschaft.

Die Auswahl der Schwerpunkte macht klar: Die grüne Führungscrew will sich wieder stärker auf ihr Kerngebiet, den Umweltschutz, konzentrieren – und damit weniger als Juniorpartnerin der SP wahrgenommen werden. Das bestätigt auch Co-Präsidentin Adèle Thorens. «Wir müssen wegkommen vom Klischee, dass wir eine rein ideologisch geprägte Partei sind.» Sie stammt aus einer Unternehmerfamilie, Rytz' Vater ist Architekt – beide dächten dementsprechend pragmatisch, sagt Thorens: «Wir haben keine Hemmungen, zusammen mit der Wirtschaft ökologische Lösungen zu erarbeiten.»

«Sie kombiniert Charme und Scharfsinn»

Politologe Balsiger glaubt, dass sich das Warten auf Rytz für die Grünen auszahlen wird. Die erfahrene Exekutivpolitikerin kombiniere Scharfsinn und Charme: «Statt mit der Giftspritze zu attackieren, dürfte sie sich mit treffsicheren Argumenten durchsetzen.» Die Herren der Elefantenrunde können sich schon mal auf Rytz’ Schlagfertigkeit einstellen – Viktor Giacobbo kann ein Liedchen davon singen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Trudi Müller am 28.09.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Grün nur für Reiche

    Ich, so wie viel anderen Schweizern, ist es schon aus Finanziellen Gründen nicht möglich Grün zu wählen. Auch wenn eine Präsidentin Humor hat und die andere in den Medien gut ankommt. Grün wohnen, von der Miete und Nebenkosten, Bio Strom und Ökologisch isoliert und geheitzt so wie nur Nahrunsmittel die Ökologisch Hergestellt worden sind, übersteigt das Einkommen eines Verkäufers oder Verkäuferin und dann sind noch kein Steuren und Krankenkassen bezahlt.

  • nicht unbedingt grün am 27.09.2012 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Wer muss es wissen ?

    Das Geltungsbedürfnis und Imponiergehabe gewisser Möchtegernpolitikerinnen ist sehr gross doch man kann eben nicht überall zur gleichen Zeit seine ach so wichtige Meinung allen die es hören wollen oder auch nicht kund tun.

  • Kevin am 27.09.2012 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kann nur sagen..

    Na hoffentlich bleiben die unsichtbar

  • TrixLuzern am 27.09.2012 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Politikerin!

    RegulaRytz ist eine sehr seriöse Politikerin! Da sie viel arbeitet hat sie gar keine Zeit sich in den Medien zu presäntieren. Was ich an ihr sehr schätze, ist,dass sie, bevor sie etwas unternimmt oder entscheidet ALLES gut überlegt und auch voll dahinter steht! Ich wünsche Regula Rytz weiterhin viel Kraft und durchhaltewillen und wünschte mir noch mehr solche PolitikerInnen!

    • conny eiland am 27.09.2012 11:59 Report Diesen Beitrag melden

      Bestien

      Was nützt gut überlegen wenn Bestie Girod und Oberglättli alles zur Sau mauchen

    • Christoph Hofer am 27.09.2012 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      dä Girod

      Uns kann nichts passieren. Wir haben den Girod;-)! Eigentlich schon tragisch wenn solche Personen Einfluss nehmen können. Sehr bedenklich! Armutszeugnis für die Schweiz! Die zwei Frauen teilen zwar nicht mein Gedankengut, doch sind sie wenigstens einigermassen sympatisch.

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  • ErParis am 27.09.2012 09:11 Report Diesen Beitrag melden

    Grün?

    Da zünd ich lieber meine Öl-Heizung an.

    • Papierlischweizer am 27.09.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

      Vernünftig?

      Das Einschränken der Nutzung fossiler Treibstoffe hat nichts mit politischer Einstellung zu tun, viel mehr mit Vernunft.

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