«Das ist unsere Tradition»

06. Januar 2016 08:20; Akt: 06.01.2016 13:45 Print

Basler Rapper provoziert mit Pistolen-Schüssen

Ein Basler Rapper hat an Neujahr ein Video veröffentlicht, in dem er mit einer Pistole in die Luft schiesst. Freudenschüsse an Festtagen seien Tradition, sagt er dazu.

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Dieses Video hat der Basler Rapper Mergim Tolaj bereits mehrmals gepostet. Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Der Rapper Mergim «Tenka» Tolaj aus Basel, der unter dem Künstlernamen Big Papi auftritt, hat am 1. Januar auf Instagram ein Video veröffentlicht – es zeigt, wie der Musiker mit einer Pistole mehrmals in die Luft schiesst. «Happy New Year», schreibt er dazu. Dasselbe Video postete er auch Ende September – und wünschte allen ein schönes Opferfest.

Ein Leser-Reporter sagt, das Video sei in der Schweiz aufgenommen worden. Dem widerspricht Tolaj. Es sei im letzten Sommer in seinem kosovarischen Heimatdorf Decan entstanden: «Wir feierten eine Hochzeit und ich habe dann mit der Pistole geschossen. Das ist unsere Tradition, also wieso nicht?», so der Rapper. «Es sind ganz klar Freudenschüsse.»

Gas- oder Feuerwaffe?

Ob er sich Gedanken gemacht habe, dass er jemanden verletzen könnte? «Nein, weil wir ja nicht in einer Menschenmenge schiessen und auch nicht in der Stadt», so Tolaj. Bedenken, dass er seinen zahlreichen Followern auf Facebook und Instagram mit dem Pistolen-Video ein schlechtes Vorbild sein könnte, hat er nicht: «Ich bin schliesslich kein Gangster-Rapper.» Zudem behauptet Tolaj: «Es war nur eine Gas-Luftpistole, sie tönt nur wie eine echte. Niemand kann so verletzt werden.»

Dem widerspricht Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen: «In dem Video ist eine Pistole mit echter oder Schreckschuss-Munition zu sehen. Es handelt sich ganz klar um eine Feuerwaffe, ganz sicher nicht um eine Gas- oder Softairwaffe. Einerseits sieht man deutlich, wie die Patronen ausgeworfen werden. Andererseits bleibt der Schlitten hinten, nach dem das Magazin leer ist.»

Dennoch fügt Krüsi hinzu: «Die Aussage, dass mit einer Gasdruckpistole niemand verletzt werden kann, ist absurd. Der Einsatz einer Waffe – egal von welchem Typ – ist je nach Distanz immer mit einem Verletzungsrisiko verbunden.»

«Eine echte Gefahr»

Der von Tolaj erwähnten Tradition, zu festlichen Anlässen in die Luft zu feuern, steht Martin Boess, Direktor der Schweizer Kriminalprävention, sehr skeptisch gegenüber: «Mit einer Waffe zu schiessen, um seine Freude auszudrücken, ist gefährlich und entsprechend auch verboten.» Dieses Verhalten könne nicht nur strafrechtliche Folgen nach sich ziehen, sondern auch eine echte Gefahr für Mitmenschen bedeuten.«Eine Waffe gehört nur in die Hände von ausgebildeten Personen mit entsprechender Bewilligung.»

Auch sei er sehr erstaunt über die Aussage von Tolaj, dass er sich keine Gedanken gemacht habe. Boess: «Schusswaffen gehören definitiv nur in die Hände von verantwortungsbewussten Menschen mit Respekt vor möglichen Folgen.»

Verletzte und Tote

Im Kosovo fordert diese Tradition jedes Jahr zahlreiche Opfer. Allein an Silvester wurden ein zweijähriger Junge und ein Mann durch solche Freudenschüsse verletzt. Möglicherweise wurden solche Schüsse zum Jahreswechsel auch in der Ostschweiz abgefeuert: In Altstätten SG ist während des Silvesterfeuerwerks ein Projektil in den Rollladen eines Hauses eingeschlagen. Wer geschossen hat und aus welchem Grund, ist noch nicht geklärt. «Auch aus welcher Distanz und welchem Winkel der Schuss abgefeuert wurde, ist bisher unbekannt», bestätigt Krüsi. Mit einer Pistole wäre dies theoretisch bis aus etwa zwei Kilometern möglich, mit einem Sturmgewehr sogar noch von weiter weg.

Und in Deutschland starb in der Nacht auf Neujahr die elfjährige Janina in der Silvesternacht durch das Projektil einer Kleinkaliberwaffe – der unbekannte Schütze wird noch gesucht. Das Mädchen stand in einer Menschengruppe auf der Strasse, als es gegen ein Uhr von einer Kugel am Kopf getroffen wurde. Die Schwerverletzte starb in den Morgenstunden im Spital.

(qll)