Interview zur Tariferhöhung

14. Januar 2010 16:38; Akt: 14.01.2010 17:22 Print

«Preiserhöhung ist Basis für attraktiveren öV»«Preiserhöhung ist Basis für attraktiveren öV»

von Lukas Mäder, Bern - Der öffentliche Verkehr wird teurer. Die geplante Preiserhöhung sei die Basis, um das Angebot durch Ausbauten attraktiver zu machen, sagt Peter Vollmer vom Verband öffentlicher Verkehr. Aber längerfristig brauche der öV noch mehr Geld.

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Das normale 2.-Klasse-GA wird 6,5 Prozent teurer. Bringen Sie nicht Pendler dazu, auf das Auto umzusteigen?
Peter Vollmer: Der Pendler, der beispielsweise für die Strecke Bern-Zürich aufs Auto umsteigt, macht eine falsche Rechnung. Gerade für Pendler auf solchen Fernverkehrsstrecken ist das GA enorm günstig. Deshalb sind wir überzeugt, dass die Personen, die als Pendler das GA auf solchen grossen Distanzen brauchen, nicht umsteigen werden. Sie haben mit dem GA immer noch einen sehr preisgünstigen Fahrausweis in der Tasche, auch wenn dieser jetzt teurer wird.

Aber verringern die Preiserhöhungen nicht die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs?
Ich glaube nicht. Denn die Preiserhöhungen sind massvoll. Wir haben natürlich Überlegungen gemacht zur sogenannten Elastizität, also dazu, ob Leute den öffentlichen Verkehr nicht mehr benutzen, wenn der Preis steigt. Solche Fälle gibt es immer, aber wir gehen davon aus, dass nur wenige Personen umsteigen werden. Das ist unsere Absicht und deshalb haben wir die Preise moderat erhöht. Wir wollen nicht einfach Geld verdienen.

Sondern?
Wir wollen möglichst viele Personen transportieren, aber soviel Geld verdienen, dass wir das Angebot aufrechterhalten und ausbauen können. Wir sind zuversichtlich, dass der öffentliche Verkehr mit der Preiserhöhung nicht weniger attraktiv wird. Höhere Tarife sind die Basis, um den öV attraktiver zu machen. So haben wir die finanziellen Mittel für den Ausbau, den die Kunden wollen.

Mit der aktuellen Preiserhöhung haben Sie geschätzte 150 Millionen Franken Mehreinnahmen. Wohin fliessen diese?
Dieses Geld fliesst vor allem ins Angebot: In mehr Züge, mehr Busse aber auch mehr und besseres Rollmaterial. Wobei die Angebotssteigerungen weit über 150 Millionen Franken hinausgehen. Denn wir haben im öffentlichen Verkehr auch hohe Produktivitätssteigerungen und Mehrerträge durch die steigenden Anzahl Kunden. Das alleine reicht aber nicht.

150 Millionen Franken sind vergleichsweise wenig zu den 20 Milliarden Franken, die die SBB in Rollmaterial investieren wollen. Kommt es nächstes Jahr gleich wieder zu einer Preiserhöhung?
Wir hatten bisher in der Regel etwa alle zwei Jahre eine Preisrunde. Ausländische Unternehmen oder gewisse Verkehrsverbunde in der Schweiz erhöhen die Tarife jedes Jahr ein bisschen. Dann fällt es weniger auf. Wir werden schauen, ob man in Zukunft generelle Preiserhöhungen macht oder nur für einen bestimmten Sektor, beispielsweise für Pauschalfahrausweise oder Einzelbillette. Ich kann Ihnen hier aber keine verbindliche Auskunft geben, wann die nächste Preiserhöhung kommt.

Braucht es längerfristig nicht neue Finanzierungsquellen beim öffentlichen Verkehr?
Doch. Wir machen schon lange solche Überlegungen. Wir haben heute Geld aus verschiedenen Quellen. Die öffentlichen Mittel sind teilweise zweckgebundene Mittel, Fond-Mittel oder Mittel aus der allgemeinen Kasse. Diese Situation führt zu Engpässen und zu Schwierigkeiten, gerade bei einem Sparprogramm. Überlegungen zu einer grundlegend neuen und tragfähigeren Finanzierung sind notwendig und richtig.

Wäre eine Benzinsteuer eine Möglichkeit?
Es ist politisch wahrscheinlich nicht sehr klug, einfach die Autofahrer zu belasten, damit der öffentliche Verkehr mehr Mittel hat. Es braucht vielmehr eine Gesamtbetrachtung. Wir gehen davon aus, dass beim Modell des Mobility-Pricing vielleicht alle, die Mobilität in Anspruch nehmen, eine bestimmte Abgabe leisten. Die eingenommenen Mittel würden dort eingesetzt, wo es Ausbauten oder neue Angebote braucht, sei dies auf der Strasse oder bei der Bahn. Das wäre ein Zukunftsmodell.

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  • Lehrling am 12.02.2010 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitteschön?!

    Wie sollen wir Lehrlinge bitte sowas bezahlen?! Einfach nur ne riesen Frechheit!! Dafür, dass die Züge immer zu spät und zudem überfüllt sind ist das echt zu viel verlangt.

  • James Norrington am 19.01.2010 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Preis/Leistungsverhältnis

    Dafür, dass noch immer täglich Toiletten und Türen in den Zügen defekt sind und jeder Zug grundsätzlich überfüllt und verspätet ist, bringe ich als Pendler wenig Verständnis für eine Preiserhöhung auf.

  • Peter Meier am 19.01.2010 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Preise

    Bin ich froh, dass ich ein schönes, grosses Auto besitze. Damit kann man von A nch B reisen, ohne Kontrolle der SBB

    • Rob am 19.01.2010 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      Wo fiesst das ganze Geld hin?

      Die Umsätze in den Grossbahnhöfen konnten um 6,1% gesteigert werden. Die Mieterträge und die Verkaufserlöse bildeten zusammen die wichtigen Ertragspfeiler. SBB Immobilien verbesserte 2008 das Betriebsergebnis um 7,6% auf CHF 291,6 Mio. Theoretisch könnten die SBB sich rein mit Immobilien finanzieren. Durch Wegfallen der Billet Gebüren würden auch das Kontrolleur Personal hinfällig, sowie die Infrastuktur (Automaten) und deren Betreuung. Ich denke, die Kosten steigen nicht, wei die SBB zu wenig Geld hat, sondern, weil sie schlicht weg weniger Leute auf ihren Zügen wollen.

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