Offene Lehrstellen

26. Oktober 2017 12:44; Akt: 26.10.2017 13:14 Print

«Junge Frauen, macht eine Lehre auf dem Bau!»

von P. Michel - Im Baugewerbe sind 12 Prozent der Lehrstellen offen – obwohl Tausende Junge noch eine Stelle suchen. Die Firmen hoffen nun auf die Frauen.

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Im Bereich Gesundheit und Soziales, wo vorwiegend Frauen arbeiten, wurden per Ende August alle Lehrstellen bis auf drei Prozent besetzt. Anders dagegen sieht es im Baugewerbe aus: Dort blieben 12 Prozent der Lehrstellen offen. Während der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert, dass Betriebe mehr Lehrstellen für die beliebten Branchen bei Frauen schaffen, fordert die Baubranche ein Umdenken. «Statt mehr typische Frauenjobs zu schaffen, müssten die jungen Frauen flexibler werden», sagt Josef Wiederkehr, Präsident der Schweizer Gerüstbauer. Er rät: «Junge Frauen, macht eine Lehre auf dem Bau!» Gerade im heutigen durchlässigen Bildungssystem könne man den eingeschlagenen Weg jederzeit wieder ändern. «Wichtig ist, dass die Jungen sich mit einer Berufslehre ein solides Fundament erarbeiten statt in einem Zwischenjahr Zeit zu verlieren.» Junge Frauen von der Baubranche zu überzeugen, versucht derzeit auch der Baumeisterverband mit der Image-Kampagne «Bauhelden». In der dazugehörigen Webserie fragt etwa die 22-jährige Maurerin Nadja ihre Freundinnen: «Und, was wollt ihr später so machen?» Die Antwort: Ich will mal eine eigene psychologische Praxis eröffnen. Und: «Ich will Drogistin werden.» Die Fleischbranche hat ebenfalls mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Darum setzt der Fleischfachverband ebenfalls auf die Frauen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen sind so etwa nicht mehr Teil der Ausbildung in der Fachrichtung «Feinkost und Veredelung». Als Zückerchen sieht der Verband zudem die «Karriere-Garantie»: «In kaum einer Branche ist der Aufstieg in eine Führungsposition so rasch möglich.»

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9500 Jugendliche haben per Ende August noch keine Lehrstelle gefunden. Das zeigt eine neue Erhebung des Staatssekretariats für Berufsbildung. Gleichzeitig sind noch 7000 Lehrstellen unbesetzt.

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Firmen im Bereich Gesundheit und Soziales, in dem vorwiegend Frauen arbeiten, konnten bis auf drei Prozent alle Lehrstellen besetzen. Im Bereich Bau und Architektur fanden die Betriebe dagegen für 12 Prozent ihrer ausgeschriebenen Lehren keine passenden Kandidaten. Und im Bereich verarbeitendes Gewerbe, wozu etwa der Beruf Fleischfachmann zählt, blieben 11 Prozent der Stellen unbesetzt.

Braucht es mehr «typische Frauenjobs?»

Berufsbildungs-Experten sprechen von einem «Passungsproblem»: Es gibt zwar offene Stellen, die Berufe interessieren die Jungen aber nicht. Statt etwa als Gipserin zu arbeiten, warten viele Schulabgänger lieber im Zwischenjahr auf ihre Traumstelle, etwa als medizinische Praxisassistentin.

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund will ihnen nun einen Job in den beliebten Berufen verschaffen, indem er eine Aufstockung der Lehrstellen «vor allem für mehrheitlich weiblich geprägte Berufsfelder wie Gesundheit und Soziales» fordert, wo die Betriebe heute zu wenig Lehrstellen anbieten würden.

Baubranche: «Junge Frauen müssten flexibler werden»

Die Baubranche, in der per Ende August 12 Prozent der Lehrstellen offen waren, kann mit diesem Vorschlag nichts anfangen. «Statt mehr typische Frauenjobs zu schaffen, müssten die jungen Frauen flexibler werden», sagt Josef Wiederkehr, Präsident der Schweizer Gerüstbauer.

Er rät: «Junge Frauen, macht eine Lehre auf dem Bau!» Gerade im heutigen durchlässigen Bildungssystem könne man den eingeschlagenen Weg jederzeit wieder ändern. «Wichtig ist, dass die Jungen sich mit einer Berufslehre ein solides Fundament erarbeiten statt in einem Zwischenjahr Zeit zu verlieren.»

Den Frauen-Anteil von einem Prozent etwa bei den Maurer-Lehrlingen versucht derzeit auch der Baumeisterverband mit der Image-Kampagne «Bauhelden» zu heben. In der dazugehörigen Webserie sagt etwa die 22-jährige Maurerin Nadja: «Ich schätze die Arbeit draussen an der Sonne – und ich kann irgendwann mein eigenes Haus bauen.»

Ueli Büchi, Leiter Berufsbildung beim Baumeisterverband, will dafür sorgen, dass junge Frauen solche verinnerlichten Entscheide nochmals überdenken. «Über die Baubranche halten sich viele Klischees, die wir aufbrechen müssen.» So seien viele Arbeiten wegen dem Einsatz von Maschinen nicht mehr körperlich anstrengend.

Metzger haben Ausbildung für Frauen angepasst

Damit dies bei der Zielgruppe auch ankommt, müssten aber auch die Berufsberater und Eltern aufgeklärt werden: «Viele denken noch immer: Ein Job auf dem Bau ist nichts für Frauen.» Zudem sei bei den Eltern die Ansicht verbreitet, dass Frauen auf der Baustelle nicht akzeptiert würden. In der Webserie «Bauhelden» sagt Nadja: «Allein unter Männern zu sein macht mir gar nichts aus, da ich bei meinem Hobby, im Pferdesport-Training, nur unter Frauen bin.»

Auch der Schweizer Fleischfachverband will mehr Frauen für seine Berufe begeistern. Laut Staatssekretariat für Berufsbildung blieben dort per Ende August 11 Prozent der Lehrstellen unbesetzt.

Um den Beruf für junge Frauen attraktiver zu gestalten, wurde bei der Lehre als Fleischfachfrau die Fachrichtung «Feinkost und Veredelung» geschaffen. Schlachten, Zerlegen und Ausbeinen ist nicht Teil der Ausbildung, dafür etwa die kreative Herstellung von kalten Platten. «Diese Arbeiten entsprechen Frauen eher», sagt Bildungsleiter Philipp Sax. Als Zückerchen sieht er zudem die «Karriere-Garantie»: «In kaum einer Branche ist der Aufstieg in eine Führungsposition so rasch möglich.»

Es sei wichtig, dass Frauen, die bisher nur typische Frauenberufe in Betracht gezogen haben, auch handwerkliche Jobs berücksichtigen, sagt Sax. «Aber einfach einen Beruf, in dem es noch viele Stellen gibt, als Notlösung zu wählen, macht keinen Sinn.» Die innere Motivation für den Beruf müsse von den Jugendlichen selber kommen. «Ansonsten stimmt die Leistung nicht, und nach der ersten Krise im Betrieb gibt der Jugendliche die Stelle auf.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gentleman am 26.10.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    weisse Lichtblicke

    am Morgen im Zug finde ich die Malerinnen zwischen all den aufgetackelten Business Frauen einen wundervollen Anblick.

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  • Gianluca R. am 26.10.2017 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Mehr Frauen auf den Bau und bei der Abfallentsorgung! Oder hört da der Wunsch nach Gleichberechtigung auf? ;)

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  • Eufemio Bernasconi am 26.10.2017 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    genauuuuuuu

    neee..so viel gleichberechtigung wollen sie dann doch nicht.die hört bei den drehtüren der teppichetagen auf...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pinun am 27.10.2017 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauenpower

    . . . .nicht mehr so körperlich anstrengend??? Ich arbeite seit über 20 Jahren als Handwerkerin. Man sollte sich schon bewusst sein, dass es körperlich streng ist, jedoch kann man mit einer guten Technik vieles erreichen. Los Mädels, wir brauchen mehr Frauenpower in dieser Männerdomaine.

  • Ja am 27.10.2017 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Hatte mich im ganzen Kanton als Schreinerin geworben und ein Einziger hat mich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.Man hat mir zum Teil direkt gesagt sie nehmen keine Frauen.Wie soll man dann auf dem Bau ernst genommen werden?Das ist ja körperlich strenger als Schreiner.

  • Fraz am 27.10.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beweist euch!

    Ja liebe Frauen, macht das mal! Allerdings müsste man für Männerfreie Baustellen sorgen denn es kann ja nicht sein, dass diese dann die schweren Zementsäcke, Schalttafeln, Steine...., für die Frauen heranschaffen müssten. Das wäre diskriminierend! Ein Haus, vom Aushub bis zum letzten Dachziegel nur von Frauen gebaut, das wäre schon eine tolle Sache und eine wirkliche Herausforderung für unsere starken Frauen. Los geht's!

  • Xääneli am 27.10.2017 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steht in den Sternen

    Alle reden hier vom Malerinnen oder Automechanikerinnen. Was ist mit Verkehrswegbauer? Maurer? Plattenleger?Etc? Ich glaube kaum das dort viele Ausbildner bereit wären Lehrstellen ab junge Frauen zu vergeben. Diese Berufe sind bereits für junge Männer körperlich extrem anstrengend. Klar sollte man bei der Lehrstellensuche die Erwartungen ein wenig runterschrauben, aber ob es in diesen Bereichen viel einfacher ist als Frau eine Lehrstelle zu bekommen?

    • Lutz am 27.10.2017 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      Wille zählt

      Wo ein Wille ist. ist auch ein Weg. Aber die meisten Jungen Damen wollen eifach keinen Job der körperlich anstrengend sein könnte. daher auch der Aufruf zu Flexibilität.

    • A.S. am 27.10.2017 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn man will ,gehts auch

      Wir bei uns haben eine ausgelernte Maurerin und eine im 2 Lehrjahr.Also es geht.

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  • S.Müller am 27.10.2017 07:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kenne ich nur leider zugut...

    Das Problem liegt auch darin, dass viele Chef's nicht den nötigen Respekt gegenüber Frauen aufbringen können! Im Gartenbau z.b. müssen Frauen so schwere Platten oder Kies schippen, dass es irgenwann nicht geht. Da müsste der Chef auch darauf schauen, dass bei schweren Aufgaben die Arbeitskollen einem unter die Arme greift. Aber das sehen leider noch viele Männer nicht ein. Somit macht man es den Frauen auch nicht schmackhaft bei einigen körperlichen Berufen!Das müsste schleunigst geändert werden, denn die Männer haben ja keine Kinder die sie mal bekommen. Darum dürfen Frauen auch nicht all zuschwer Aufheben! Sogar SUV bestätigt dies!

    • Fail am 27.10.2017 10:34 Report Diesen Beitrag melden

      2 für 1

      Das ist absolut uneffizient wenn es zwei Personen braucht für einen Job der einer allein schaffen kann. Frauenquoten und erleichterte Bedingungen sind einfach Schwachsinn

    • Wie Bitte am 27.10.2017 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S.Müller

      Ich finde eine Frau die zur Arbeit geht und dann andere rufen muss um ihre Arbeit zu erledigen,die hat nichts dort verloren.Wenn etwas so schwer ist dass es mehrere Personen braucht o.k.,aber da stehen und jemand anderes macht deine Arbeit..Sorry bin selber eine Frau und habe selber körperlich schwer gearbeitet.Meine Arbeitskollegen mussten mir noch nie die Arbeit abnehmen.Das wäre mir selbst peinlich dann würde ich lieber einen anderen Job suchen.

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