Gericht stoppt Detektive

03. August 2017 13:52; Akt: 03.08.2017 16:29 Print

«IV-Betrüger erhalten eine Carte blanche»

Die IV darf vorläufig keine Detektive mehr einsetzen. Ein ehemaliger Sozialdetektiv spricht im Interview über seine Arbeit – und die spannendsten Fälle.

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Der frühere Sozialinspektor Bruno Strebel findet es «eine Katastrophe», dass die Invalidenversicherung (IV) vorläufig keine Detektive mehr auf verdächtige Bezüger ansetzt. Auch viele der zuständigen Detektivbüros würden dadurch einen erheblichen Schaden davontragen. «Wenn man nichts tut, entstehen Millionenschäden, die man sonst mit geringer Investition einsparen könnte», sagt Strebel. Die Privatsphäre der beobachteten Personen gelte es zu respektieren, diese werde durch die Observation meist gar nicht tangiert. Wenn die IV mit eigenen Abklärungen nicht weiterkommt, rufe sie ein Detektivbüro an und setze es auf den Fall an. «Man fährt dann beim Domizil des mutmasslichen Betrügers vor und schaut, wann er das Haus verlässt, wo er hingeht und ob er Tätigkeiten nachgeht, zu denen er eigentlich nicht fähig sein sollte.» Im Bild: Eine vermeintlich bettlägrige IV-Bezügerin, die von Detektiven gefilmt wurde, wie sie mit dem Car verreist. Strebel nennt ein Beispiel: «Ein Herr, der bei einer Reinigungsfirma arbeitete, gab an, sich nach einem Unfall kaum mehr strecken zu können. Nach einer Observation konnte ermittelt werden, dass er einfach bei der Konkurrenz in seinem Beruf weitergearbeitet hatte.» «Dann gab es noch einen Förster, der nach einem Arbeitsunfall starke Rückenschmerzen beklagte und erwischt wurde, als er auf einem Bauernhof schwarz arbeitete und Holz hackte», erzählt Strebel. Einen typischen IV-Betrüger gibt es laut Strebel nicht. Vorgetäuschte Rücken oder Gelenkschmerzen seien häufig, aber: «Es gibt nichts, was es nicht gibt.»

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Herr Strebel*, die IV-Stellen setzen per sofort keine Sozialdetektive mehr ein. Was halten Sie von diesem Entscheid?
Das ist eine Katastrophe! Man gibt den IV-Betrügern damit eine Carte blanche und die lachen über uns. Die Detektivbüros tragen ebenfalls einen erheblichen Schaden davon. Einige der Büros waren bisher auf Sozialinspektionen spezialisiert, diese müssen jetzt umsatteln.

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Für die heimliche Beobachtung gibt es laut dem Bundesgericht keine Rechtsgrundlage. Ist Überwachung nicht eine Verletzung der Privatsphäre?
Wenn man nichts tut, entstehen Millionenschäden, die man sonst mit geringer Investition einsparen könnte. Die Privatsphäre gilt es zu respektieren, das ist klar, doch sie wird meist gar nicht tangiert. Observiert wird nur im öffentlichen Raum, und viele technische Hilfsmittel wie GPS sind gar nicht erlaubt. Da benutzt man dann einfach mehr Personal.

Was haben Sie als Sozialdetektiv für Erfahrungen gemacht?
Es gibt unzählige Beispiele, denn die Leute werden mit ihren Maschen sehr kreativ. Ein Herr, der bei einer Reinigungsfirma arbeitete, gab an, sich nach einem Unfall kaum mehr strecken zu können. Nach einer Observation konnte ermittelt werden, dass er einfach bei der Konkurrenz in seinem Beruf weitergearbeitet hat.

Ebenfalls ziemlich dreist war ein junger Mann, der angab, so schwer verletzt zu sein, dass er keinen Sport mehr treiben könne, dann aber als Trainer bei einem Fussballclub gearbeitet hat. Dann gab es noch einen Förster, der nach einem Arbeitsunfall über starke Rückenschmerzen klagte und erwischt wurde, als er auf einem Bauernhof schwarz arbeitete und Holz hackte.

Wie gingen Sie als Sozialdetektiv konkret vor?
Die IV macht bei einem konkreten Verdacht, meist weil sie von jemandem einen Tipp bekommen hat, zunächst eigene Abklärungen. Wenn sie damit nicht weiterkommt, rufen sie ein Detektivbüro an und setzen es auf den Fall an.

Man fährt dann beim Domizil des mutmasslichen Betrügers vor und schaut, wann er das Haus verlässt, wo er hingeht und ob er Tätigkeiten nachgeht, zu denen er eigentlich nicht fähig sein sollte. Wenn jemand zum Beispiel sagt, er könne sich vor lauter Rückenschmerzen kaum bücken, dann aber weiter einer körperlich anstrengenden Arbeit nachgeht. Bei der Observation werden auch Fahrzeuge wie Autos oder Motorräder und auch Kameras zur Beweisaufnahme eingesetzt.

Wie wird am häufigsten IV-Betrug begangen?
Den wirklichen Regelfall gibt es eigentlich nicht. Vorgetäuschte Rücken- oder Gelenkschmerzen sind häufig. Auch Menschen, die angeben, starke Schäden am Gehör erlitten zu haben, und dann doch zum Beispiel an ein Konzert gehen, sind ein Klassiker. Im Grunde hat man aber die ganze Bandbreite: Es gibt nichts, was es nicht gibt.

(laz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vlado am 03.08.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Welt

    Wir werden ja sowieso überall gefilmt und überwacht. Nur bei Betrügern darf man das nicht.

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  • Mon Damin am 03.08.2017 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Tacheles

    Und wie viele beziehen Sozialhilfe, obwohl sie hier nie gearbeitet haben?

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  • Hitman am 03.08.2017 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super-Richter

    Super...und ich Depp gehe jeden Tag arbeiten! Danke liebe Richter, für den heutigen Motivationsschub...ihr seit prima Vorbilder für alle die in die Arbeitswelt eintreten

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Monika Schärer am 05.08.2017 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rollstuhl

    Mein Mann ist seit letzten September nach einem Unfall Querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.Anfangs Jahr bekam er einen Brief von der IV für eine Überprüfung ob er tatsächlich einen Rollstuhl brauche!Damals war er noch in SPZ in Nottwil.

  • Peter am 05.08.2017 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt IV Bezügern

    Es gibt IV Bezügern denen sieht man es nicht an, das etwas nicht in Ortung ist. Darum sagen viele die, die Person nicht persönlich kennen, der sei schliesslich auch genug gesund, um zu arbeiten. ...

  • Junge am 05.08.2017 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kolleg von mir hat IV 100 Prozent

    Kolleg von mir hat IV 100 Prozent wird von vielen bezeichnet als fauler Hund um zu arbeiten. Mein Kolleg sagt immer, sind sie mein Leben Land in meinen Schuhen gelaufen. Viele schauen dann dumm aus den Kleidern

  • Monika T. am 05.08.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Detektiv

    Nach Abschluss eines Unfalles bot mich die Versicherung wie üblich zu einem Vertrauensarzt auf. Ich erklärte diesem gleich, er solle mich mit meinen sehr geringen Unfallfolgen doch als uneingeschränkt arbeitsfähig einstufen, das sei mir im Berufsleben (Lok-Führerin) wichtig. Der Arzt meinte erfreut, er habe auch andere Kunden. Ein jüngerer Mann wollte ihm weismachen, er könne seinen Oberkörper vor diagnostisch nicht erfassbaren, unerklärlichen Schmerzen kaum mehr bewegen. Der Fall löste sich von selbst. Der Arzt traf den Kerl zufällig privat wieder, -- als Aushilfslehrer auf dem Tennisplatz.

  • Iv rentner am 05.08.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    gewusst wie...........

    ich gehe lieber die sonne geniessen,denn die Neidgenossen sind sowas von langweilig, aber danke trotzdem für die Rente