Digitales Klassenzimmer

07. Oktober 2015 08:22; Akt: 07.10.2015 08:30 Print

Werden Roboter bald als Hilfslehrer eingesetzt?

Roboter fragen in Japan Schulwissen ab und helfen Lehrern. In der Schweiz verfolgt man die Entwicklung genau und kann sich einen Einsatz vorstellen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein kleiner weisser Plastikmann mit leuchtenden Augen und einer süssen Stimme stiehlt Lehrern in Japan vermehrt die Show. Roboter Nao zeigt Schülern, wie man einen Purzelbaum schlägt oder in den Spagat geht, fragt Englische Vokabeln ab oder übt mit ihnen Rechnen. Im Land, in dem auch das Tamagotchi erfunden wurde, laufen derzeit zahlreiche Tests mit Robotern in Klassenzimmern.

Nach ersten Versuchen mit verschiedenen Robotern ist man überzeugt, dass die Kinder sich den Unterrichtsstoff so besser merken können. «Die Schüler lernen effektiver», sagt Hiroshi Ishiguro, Leiter des Roboter-Projekts an der Universität Osaka, in der «Zeit». Denn die Roboter seien viel beliebter als die menschlichen Lehrer, weil sie nett und niedlich seien und von den Schülern als ihre Freunde angesehen würden. «Sie erteilen weder Befehle, noch rügen sie die Schüler.»

Schweiz verfolgt Experimente in Japan genau

Roboter sollen die Lehrer aber nicht ersetzen. Vielmehr sollen Letztere von den menschenähnlichen Computern im Unterricht unterstützt werden. Noch ist man aber weit davon entfernt, dass Nao und seine Kollegen eine echte Rolle im Schulunterricht übernehmen können. Dafür sind deren Wortschatz und Sprachverständnis zu klein.

Dennoch verfolgt man in der Schweiz die Experimente in Japan genau und hat verschiedene Roboter auch schon begutachtet. Klaus Rummler von der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH): «Die Ergebnisse waren ernüchternd, denn unter anderem hat Nao Mühe, das schweizerische Hochdeutsch zu verstehen.»

Roboter haben alle Schüler gleich gern

Robotik hat laut Rummler dennoch eine ziemliche Relevanz für die PHZH. «Ich kann mir vorstellen, dass solche Plastikmännchen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren den Lehrern ein Begleiter werden.» Dies nicht zuletzt, weil Schüler das neutrale Feedback des Roboters schätzen. «Er hat alle Schüler gleich gern und ist nicht enttäuscht, wenn etwas nicht klappt.»

Auch Beat Zemp, Präsident des Schweizerischen Lehrerverbands, kann sich vorstellen, dass Roboter als Hilfe für Lehrer in den Klassenzimmern Einzug halten. «Wenn sie für den Lernprozess förderlich sind und im Unterricht einen Mehrwert bringen.» Der Einsatz von Pensionierten und Zivilschützern im Klassenzimmer zeige: Assistenz-Personal in den Schulen bringe viel. Zuerst müsse man aber untersuchen, ob die anfängliche Faszination der Schüler für Roboter in Langzeit-Experimenten auch anhalte.

Roboter faszinieren Mädchen und Buben gleichermassen

Auch Hanspeter Erni von der Pädagogischen Hochschule Luzern will den Roboter-Einsatz im Klassenzimmer zuerst über längere Zeit untersuchen. Für einfache Aufgaben könnte er sich dies aber sehr wohl vorstellen. «Sie könnten ein zusätzliches und effektives Unterrichtswerkzeug sein, denn der Roboter fasziniert Buben wie Mädchen gleichermassen.»

Und: Roboter Nao hat es bereits in die Schweizer Schulzimmer geschafft, wenn auch nicht als Lehrer. Als sogenannter Avatar-Roboter vertritt er seit bald zwei Jahren Kinder, die nach einem Unfall oder wegen einer schweren Krankheit mehrere Wochen oder Monate im Spital sein müssen, in der Schule. Über Nao kann das Kind am Unterricht teilnehmen und den Kontakt zu seinen Gspänli halten. Das Projekt gibt es für das Spital beider Basel und seit kurzem auch für das Spital in Yverdon-les-Bains.

(ann)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarah am 07.10.2015 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grundeinkommen muss her

    Alle Jobs verschwinden und die Abgaben immer höher.

    einklappen einklappen
  • Peter am 07.10.2015 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Lehrer

    Nicht nur unsere Lehrer werden ersetzt werden, sondern auch unsere Partner und wer weis ob man irgendwann noch Roboter Kinder will.

    einklappen einklappen
  • Puppi am 07.10.2015 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Phantasie, Freude, Spiel

    Kinder liebten schon immer fiktive Identifikationsfiguren, den Teddybären, ihre immaginären Freunde, alles was Raum lässt um durch die eigene Phantasie genährt zu werden. Lasst's ihnen wenn's ihnen gefällt!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marie Stark am 07.10.2015 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle ersetzen

    Eigentlich könnte man ja die Schulkinder auch gleich durch Roboter ersetzen... Wär noch lustig zum zuschauen!

  • Der Schüler am 07.10.2015 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diplome

    Haben denn die Roboter all die notwendigen Diplome, ohne die ein Schweizer niemals einen solchen Job kriegt?

  • Peter Schwarz am 07.10.2015 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Rückständig ?

    Lernen im Spiel ist immer motivierend. Den meisten Schulstoff könnte man ganz einfach mit Filmen und Computerspielen etc. vermitteln. Die Schweiz ist da Schlusslicht im Internationalen Vergleich. Danach in der Praxis erproben. ( Wir bauten damals in Chemie eine Rakete die wir danach starteten. Computerspiele erhöhen auch die Schaltgeschwindigkeit der Synapsen und somit den IQ. Allerdings finden unsere Pädagogen dies sicherlich schlecht und gefährlich für die Kinderseele und obendrein würde es fast keine mehr von ihn brauchen.....

  • Hype am 07.10.2015 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    It's happening....

    Schon krass zu sehen, wie sich die Technologie weiterentwickelt, wenn man bedenkt, dass ich selbst vor 3 Jahren in der Oberstufe war und nun schon Pläne für Roboter in der Schule entstehen.. O:

  • H.H. am 07.10.2015 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Kriegen wir in Zukunft noch Kinder, oder begnügt man sich mit Einwanderung aus dem Osten? Ich fürchte, der Staat wird uns altbackenen Eingeborenen in Europa flächendeckend das Kinder kriegen verbieten. Grund: Importierter Geburtenüberschuss von anders gläubigen Menschen

    • K.K. am 07.10.2015 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gegenfrage

      Was hat das mit dem Artikel zu tun? Einfach nur mal bei jeder Gelegenheit auf Immigranten eindreschen, was?

    einklappen einklappen