Streit um Fernverkehrslinien

03. September 2017 15:34; Akt: 03.09.2017 21:48 Print

SBB warnt vor Verlusten über 100 Millionen Franken

Die BLS will das Monopol der SBB beim Fernverkehr zu Fall bringen. Jetzt warnt die SBB vor höheren Kosten, sollte sie die Strecken verlieren.

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Die SBB steht als einziger Anbieter von Fernverkehrslinien unter Druck: So buhlt etwa auch die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) um eine eigene Konzession. Dabei hat die BLS jene Fernverkehrsstrecken im Visier, die die SBB schon heute rentabel betreibt, etwa durch das Mittelland an den Flughafen und in die Ostschweiz sowie in der Region Neuenburg–Freiburg–Bern.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, droht nun die SBB mit hohen Verlusten, wenn sie die Konzession an die BLS abtreten müsste. «Dies würde die jährlichen Gesamtsystemkosten um 20 bis 30 Millionen Franken erhöhen», so SBB-Sprecher Reto Schärli zur Zeitung. Für diesen Mehraufwand müssten laut SBB die Kunden, Bund und Kantone aufkommen. «Die Realisierung des BLS-Vorschlags würde für die SBB eine Gewinnreduktion von bis zu 100 Millionen Franken bedeuten.»

Auch in der Politik erhält die SBB Unterstützung für ihren Abwehrkampf. «Ich bezweifle einen Nutzen für die Kunden», sagt der Urner Ständerat Josef Dittli. Er begrüsse grundsätzlich Konkurrenz und Markt, doch in diesem Fall wirkten sie sich negativ aus, würden doch die Gesamtkosten steigen.

Wettbewerbshüter warnt SBB

Derweil ruft das Gebaren der SBB in der Verteidigung seiner Fernverkehrs-Linien die Wettbewerbskommission auf den Plan. Laut «SonntagsZeitung» warnte die Weko SBB-Chef Andreas Meyer vor einem Verstoss gegen das Kartellrecht. Es sei «problematisch, wenn Einfluss auf den Wettbewerb bei der Vergabe der Fernverkehrskonzessionen genommen wird, indem beispielsweise versucht wird, Konzessionsgesuche von anderen Anbietern abzuwenden». Ein Verfahren drohe, wenn sich die Indizien auf ein rechtswidriges Verhalten bestätigen sollten.

Als «erpresserisch» empfand die BLS etwa ein Angebot der SBB für die Benützung von SBB-Werkstätten. Dafür hätte die BLS jedoch auf den Einstieg in den Fernverkehr verzichten müssen. Von Druckversuchen seitens der SBB war laut «SonntagsZeitung» auch bei den Passagierdaten die Rede. Diese wollte die SBB der BLS nicht zur Verfügung stellen, obwohl sie zusammen mit der BLS erhoben werden.

«Scheuen den Wettbewerb nicht»

«Die SBB scheut den Wettbewerb nicht. Eine Zerstückelung der Fernverkehrskonzession würde jedoch kaum zusätzlichen Kundennutzen generieren», kontert ein SBB-Sprecher die Vorwürfe der Weko.

Der Verwaltungsrat der BLS entscheidet nächste Woche, ob er definitiv ein Gesuch um eine Fernverkehrskonzession einreichen wird. Einen Kompromiss hat die SBB im Juli mit der Südostbahn (SOB) geschlossen. Sie kann nun einige Strecken im Auftrag der SBB betreiben.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remo am 03.09.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    öV

    Die Politik sollte dafür sorgen, dass der öffentliche Verkehr für jedermann erschwinglich wird/bleibt. Die verschiedenen Unternehmen sollten gescheiter miteinander arbeiten, den Service optimieren und anderen Konkurrenten wie dem Fernbus die Stirn bieten, anstatt einander - auf kosten der Reisenden - zu konkurrieren.

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  • james mc'neil am 03.09.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenz im Staatsbetrieb

    Wieso braucht es Konkurrenz zwischen Staatsbetrieben? Doppeltes Angebot und zweifache Verwaltung sind schlicht teurer. Die SBB sollte die BLS aufkaufen bzw. die anderen Bahnen verstaatlichen. Konkurrenz funktioniert nur in der Privatwirtschaft, wo dies zu Effizienzsteigerung führt - im öffentlichen Bereich ist die Konsequenz meistens eine grössere Verschwendung!

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  • Dieter am 03.09.2017 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliches spiel

    Lasst es nicht enden wie in DE. Kann ja echt nicht sein das die SBB auf den rentablen strecken eine konkurenz akzeptieren muss und immer noch den taktfahrplan auf nicht rentablen strecken aufrecht erhalten muss. Die privstisierung ist der untergang vom öV. Bevor jetzt alle daumen runter drücken schaut mal nach DE bzw. geht dort mal bahnfahren oder frankreich dasselbe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eugen Klaberli am 04.09.2017 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    ÄSBB

    SBB ist schon ein Jammer Verein worden. Nur noch Jammern wenn das Monopol zu wackeln beginnt.

  • Leser am 04.09.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Aber den Güterverkehr

    zum Grossteil von der DB abwickeln lassen ist dann kein Problem?

  • Ueli am 04.09.2017 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Dann machts wie in der privat

    Wirtschaft und schliesst den laden! Anstelle der gleise strassen bauen und dann ist zumindest ein problem gelöst. Es nervt für beides zu zahlen und bei beidem keine brauchbare lösung zu bekommen...öv und strasse sind beides tickende zeitbomben

  • AnonymousSG am 04.09.2017 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SBBPOST

    eigentlich sollten Postauto und SBB sich mal trennen, die teilen sich schliesslich die Preise! Fahrt auf 5 "Zonen", ob mit Bus oder Bahn, der Preis bleibt gleich!

    • marc_s am 04.09.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @AnonymousSG

      ...ach und alle anderen Verkehrsunternehmen sind separat und eigenständig, haben eigene Preise, eigene Schienen? Was denken Sie wie denn der Preis eines Tickets oder eines Generalabonnements zu stande kommt? JA JA NUR MECKERN ABER SELBER NULL AHNUNG

    • AnonymousSG am 04.09.2017 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @marc_s

      wenn Sie mehr Anhung haben geben Sie gerne ein Beispiel :) ;)

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  • Kämpfer am 04.09.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine Million sparen

    Dem Chef der SBB das Salär kürzen, dann beträgt der Verlust nur noch 99Millionen.