96'000 Franken oder Ersparnis?

14. Mai 2017 06:07; Akt: 14.05.2017 10:49 Print

Wie viel kostet die Energiewende die Mieter?

Laut den Gegnern des Energiegesetzes kommen auf einen einfachen Hausbesitzer oder den Mieter Kosten von 96’000 Franken zu. Ganz anders rechnen die Befürworter.

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Der Zahlenkrieg um die Energiestrategie geht in die nächste Runde: Auf Facebook warnen die Gegner, das Gesetz sei eine «Kostenfalle für einfache Hausbesitzer und Mieter».

Um das durch das Gesetz vorgegebene Ziel einer Reduktion des Energieverbrauchs von 43 Prozent bis 2035 zu erreichen, müssten Gebäude neu isoliert werden, Ölheizungen ersetzt oder ein Smartmeter, der den Stromverbrauch misst, eingebaut werden. Dies koste für ein 5,5-Zimmer-Einfamilienhaus gut und gerne 96’000 Franken, rechnen die Gegner in einer Grafik vor.

SVP befürchtet höhere Mieten

«Es ist unredlich, wenn die Befürworter des Gesetzes von Mehrkosten von 40 Franken pro vierköpfigen Haushalt sprechen», sagt SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz. «Alle Hausbesitzer, die den grössten Teil des Geldes für die Sanierung nicht aufbringen und so auch nicht von Subventionen profitieren können, beissen in den sauren Apfel.» Sie bezahlen dann über höhere Energiepreise die Subventionen derjenigen, die das Geld für Sanierungen sowieso haben. Da Vermieter die Investitionen auf die Mieter abwälzen müssten, stiegen die Mietpreise, so der Unternehmer.

Lohne sich eine Sanierung, nehme sie ein Hausbesitzer schon heute vor, mit dem Gesetz kämen aber staatlicher Zwang und unnötig hohe Kosten. Bestärkt in ihren Befürchtungen werden die Gegner durch den Entwurf des neuen CO2-Gesetzes. Dieses sieht für den Fall, dass das Ziel der Reduktion des CO2-Ausstosses verfehlt wird, ein Verbot von Ölheizungen in Neubauten und beim vollständigen Ersatz von Heizanlagen vor.

«Einsparungen von einigen Hundert Franken pro Jahr»

Die Rechnung ärgert Grünen-Nationalrat Bastien Girod: «Dass Lügen bewusst entwickelt und verbreitet werden, ist schockierend.» Die Vorlage, die in gut einer Woche vors Volk kommt, beinhalte keine Pflicht zu Gebäudesanierungen. «Sie setzt Anreize, Sanierungen vorzunehmen – durch steuerliche Vorteile und die Weiterführung des Gebäudeprogramms.» Laut Girod fahren Mieter oder Hausbesitzer nicht schlechter: «Mit dem Ersatz der Ölheizung durch eine effiziente Alternative wie eine Wärmepumpe spart man langfristig Geld.»

Auch Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie sagt, die Rechnung sei falsch: «Das neue Energiegesetz sieht keinen Zwang vor, bestehende Ölheizungen zu ersetzen.» Die Revision des CO2-Gesetzes sei noch nicht einmal vom Parlament beraten worden und habe nichts mit der Abstimmung zu tun.

«Der Vermieter muss das Geld erst einmal haben»

Auch Zünd sagt, ein «energetisch fittes Gebäude» spare viel Geld. «Ein vor 1970 gebautes Wohngebäude verbraucht 12 bis 15, ja sogar bis zu 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Ein energetisch gut saniertes Gebäude gerade noch 4 bis 5 Liter.» Pro Jahr liessen sich dadurch «locker einige hundert Franken» an Energiekosten einsparen, zumal auch der Ölpreis wieder steigen könne.

Das Argument, dass man über die lange Zeit auch als Mieter Geld spare, lässt SVP-Nationalrat Amstutz nicht gelten: «Als Mieter bezahlt man zunächst höhere Mietzinsen und spart bestenfalls bei den Nebenkosten. Bis die Heizung amortisiert ist, ist man aber bereits dreimal umgezogen.» Bis dahin hätten die «Energie-Talibane in Bundesbern längst die nächsten teuren Zwangsmassnahmen erfunden».

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Alfredo am 14.05.2017 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eines ist klar

    dieses Gesetz ist die grösste Mogelpackung, seit der Abstimmung über das Krankenversicherungsgesetz. Auch damals wurde dem Stimmvolk vorgegaukelt es werde billiger und besser, wie billiger und besser sehen wir ja jedes Jahr bei den horrenden Aufschlägen. Nein ein solches Gesetz braucht es wirklich nicht mehr.

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  • PeterP@n am 14.05.2017 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin dagegen.

    Haben die Grünen schon mal etwas gemacht, dass keine zusätzlichen Kosten verursacht hat?!

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  • MASAI MARA am 14.05.2017 06:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2 mal den gleichen Fehler

    Diese Abstimmung ist schon wieder ein Blankocheck, den wir den Blendern in Bern unterschreiben sollen. Im Interview sagt ja Frau Zünd klar, dass die Massnahmen noch nicht mal definiert sind. Ich habe aus den letzten Umsetzungen gelernt. Mein Vertrauen gibt's nicht mehr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zeit_Genosse am 14.05.2017 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Folgefehler

    Das ist keine Energiestrategie, sondern ein politischer Notfallplan für den selbsterzeugten Stromengpass in der Zukunft. Man vertraut nicht dem Markt und will das vom Bund her per Gesetz geradebiegen. Wer zahlt ist klar. Die ausländischen Windräder und die chinesischen Solarpanels bringen keine Wertschöpfung und die Gebäudesanierung treibt die Mieten in die Höhe. Das Energiegesetz ist gut gemeint, doch ein Folgefehler einer überhasteten Energieausstiegsentscheidung. Der Markt könnte das Problem besser lösen als politischer Subventionismus.

  • Die Erde am 14.05.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wie das ist

    Ihr seht die Kosten einer beschädigten Umwelt nicht.

  • Hühne Lola am 14.05.2017 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vermeindliche Demokratie

    Es ist erstaunlich, wie viele Stimmbürger ständig auf die Angstmacherei und Lügen der SVP reinfallen. Und wir nennen das Demokratie.

  • Thomas Fredrik am 14.05.2017 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mieterstrom

    Was die meisten nicht wissen, heute darf der Solarstrom auf einem Mehrfamilienhaus nicht den Mieter verkauft werden. Er muss dem EW "geschenkt" werden. Bei einem Ja wird dieses Verbot aufgehoben. Das macht den Strompreis um ca. 1/3 billiger für die Mieter!

  • E. B. am 14.05.2017 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nur die halbe Wahrheit

    Einmal mehr scheint eine Vorlage mit unterlegten Zahlenannahmen dem Stimmbürger nicht reinen Wein einzuschenken. Ich bin für einen neuen Energiemix und Energieeffizienz aber unter verlässlicheren Annahmen und klar aufgezeigten Kostenfolgen für die Bevölkerung. Die Vorlage bleibt in wesentlichen Punkten diffus.