Preiskampf beim Kampfjet

10. Februar 2012 20:27; Akt: 10.02.2012 20:36 Print

Der Gripen könnte deutlich billiger werden

von Lukas Mäder - Obwohl sich der Bundesrat für den Gripen entschieden hat, gehen die Diskussionen weiter. Die Regierung wird kaum auf ihren Entscheid zurückkommen. Aber die Debatte kann ihr nur recht sein.

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Eigentlich hat der Bundesrat bereits Ende November entschieden, dass die Schweizer Luftwaffe neue Kampfjets vom Typ Gripen erhält. Doch die Diskussionen über das richtige Flugzeug gehen weiter. In den nächsten Tagen befassen sich die Sicherheitspolitischen Kommissionen (SiK) des Parlaments nochmals mit dem Thema.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht der Kaufpreis, hat doch Dassault, der französische Hersteller des unterlegenen Jets Rafale, in einem Brief an die SiK eine Preissenkung angekündigt. Der Gripen-Hersteller Saab hat diese Woche reagiert und mehrere Journalisten nach Schweden eingeladen, von wo sie eifrig über mögliche Preissenkungen auch beim Gripen schrieben. Dabei sind solche Preisanpassungen an die konkreten Wünsche einer Luftwaffe absolut üblich.

Nach dem bundesrätlichen Entscheid sprach Verteidigungsminister Ueli Maurer von maximalen Kosten von 3,1 Milliarden Franken für 22 Gripen-Jets. Er lobte insbesondere das positive Kosten-Nutzen-Verhältnis des schwedischen Produkts. Vor einigen Wochen unterbreitete der unterlegene französische Hersteller Dassault dem Parlament ein neues Angebot über 18 Jets für 2,7 Milliarden Franken. Eine Kopie ging ans Verteidigungsdepartement (VBS), hatte jedoch keine konkrete Folgen. «Wegen dieses Briefes auf den Typenentscheid zurückzukommen, wäre unseriös», sagt Sprecherin Silvia Steidle.

Bis zu 500 Millionen billiger

Sowieso ist nicht sicher, dass das neue Rafale-Angebot - keineswegs so detailliert wie eine Offerte - billiger ist als der Gripen im endgültigen Paket. Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen Saab und dem Schweizer Rüstungsbeschaffer Armasuisse. Dabei geht es um die Leistungsmerkmale des
Flugzeugs sowie um zusätzliche Bestandteile des Gripen-Deals.

Bei der Bewaffnung, der Fähigkeit zum Bodenkampf oder zur Aufklärung oder beim Kauf von Simulatoren können laut «Cockpit»-Chefredaktor und Aviatik-Experte Max Ungricht zum Beispiel Kosten gespart werden. Diese Features des Kaufpakets könnten später ausgeliefert werden. «Das könnte das
Rüstungsgeschäft um gegen 500 Millionen verbilligen», sagt Ungricht. Entscheidend für die Kosten sei auch, dass die Schweiz und Schweden sich auf gemeinsame Spezifikationen des Jets einigen, damit kein teures «Modell Schweiz» gefertigt werden müsse.

Details zu den laufenden Verhandlungen wollen weder das Verteidigungsdepartement noch Saab verraten. Doch die Drohkulisse des verbilligten Rafale-Angebots dürfte die Schweden fügsam machen. Der Jet-Hersteller ist bereit, auf fast alle Wünsche der Schweiz einzugehen, wie Anders Carp, Direktor Gripen für die Schweiz, durchblicken lässt. Dies gelte auch für die Staatsgarantie, welche das schwedische Verteidigungsministerium angeboten hat. «Die Schweiz muss sagen, ob sie finanzielle, zeitliche oder andere Garantien braucht. Wir bieten sie gerne an», sagt Carp. Der Zeitplan für die Verhandlungen ist ergeizig. Laut VBS-Sprecherin Steidle soll Ende März im Bundesrat eine Aussprache über die möglichen Beschaffungsoptionen stattfinden. Für Juni ist die Verabschiedung des Rüstungsprogramm geplant.

Nur Empfehlung an den Bundesrat

In den nächsten Wochen will die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats den Typenentscheid untersuchen. Am 21. Februar trifft sich erstmals die zuständige Subkommission, welcher SVP-Nationalrat und Militärpilot Thomas Hurter vorsteht. Er will die Grundlagen des Entscheids unter die Lupe nehmen, da er vermutet, dass alleine der Preis den Ausschlag gegeben habe.

Hurter sieht es als Erfolg seines kritischen Nachfragens, dass Schweden inzwischen eine Staatsgarantie angeboten hat. Denn der Jet, den die Schweiz kaufen will, ist noch nicht fertig entwickelt. Hurter ist sich bewusst, dass er den Bundesrat nicht zwingen kann, auf seinen Entscheid zurückzukommen. «Wir können nur Empfehlungen abgeben», sagt er. Doch der Bundesrat wird es sich gut überlegen, wenn beim Gripen-Entscheid tatsächlich Mängel zum Vorschein kommen. Ansonsten droht das Rüstungsprogramm im Parlament zu scheitern. «Dann stünden wir vor einem Scherbenhaufen», sagt Hurter.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Don Norvol am 12.02.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Anregung

    In der Vermessung gibt es den Grundsatz: Nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig! Gleiches lässt sich auf die Kampfjetdebatte übertragen. Der Gripen wird wohl den konkurrierenden Jets unterlegen sein. Die ihm zugetragenen Aufgaben wird er aber ohne Probleme erledigen können. Der Gripen ist also wohl wirklich das bestgeeigneteste Flugzeug. Ob überhaupt Kampfjets gekauft werden sollen, ist dann wieder ein anderes Thema!

  • Feilscher am 10.02.2012 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Schweizer

    Zahlt was auf dem Preisschild steht... Ist doch klar dass man bei so hohen Beträgen und dann noch bei ausländischen Firmen den Preis drücken muss... Gegeneinander ausspielen bis die auf dem Zahnfleisch gehen und erst DANN entscheiden.

  • giorgio, lugano am 11.02.2012 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Gripen könnte billiger werden...nein,...

    ...besser vergessen werden, und die Krankenkassen könnten billiger werden. Wir sind ringsum von starken Armeen geschützt, also nur zur "Angeberei" ?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Don Norvol am 12.02.2012 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Anregung

    In der Vermessung gibt es den Grundsatz: Nicht so genau wie möglich, sondern so genau wie nötig! Gleiches lässt sich auf die Kampfjetdebatte übertragen. Der Gripen wird wohl den konkurrierenden Jets unterlegen sein. Die ihm zugetragenen Aufgaben wird er aber ohne Probleme erledigen können. Der Gripen ist also wohl wirklich das bestgeeigneteste Flugzeug. Ob überhaupt Kampfjets gekauft werden sollen, ist dann wieder ein anderes Thema!

  • Roman Probst am 12.02.2012 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlentscheid vom Bundesrat!

    Langsam kommt das ganze Faisko zum Vorschein. Der Bundesrat in der aktuellen zusammensetzung ist absolut unfähig. Die Schweiz braucht das Flugzeug das am Besten ist und nicht das billigste, dann lieber gar kein Kampflugzeug!

  • Dein Freund am 11.02.2012 18:19 Report Diesen Beitrag melden

    Aber Hallo

    Was denkt ihr eigentlich was wir da kaufen?? Wir brauchen keine Kampfflugzeuge (Kampfbomber schon gar nicht) sondern Luftpolizeifahrzeuge. Da braucht es nichts teures, sondern was nützliches, das auch anderweitig gebraucht werden kann. Zudem muss es nur ca 900kmh fleigen, da wären drohnen günstiger sicherer und praktischer (Grenzschutz im IR). Zudem müssten unsere "klugen" Politiker der Armee endlich den Verteigigungsauftrag wegnehmen, der kostet nur und bringt nichts. Jedes land das uns angreifen will kann das aus so grosser Entfernung mit Raketen tun, da gibts nacher nichts mehr zu verteidig

  • marki basler am 11.02.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt beim Gripen da habt ihr das beste

    Finde es richtig wenn man bei der Offerte Saab bleibt. Das Dassault (Sarkozy Angebot) ist einfach unseriös. Der Rafale hat 2 Triebwerke und soll billiger sein wie der Schwedische Gripen..... überlegt mal. Da ist Wahlkampf in France....

    • Dr. Calculon am 11.02.2012 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      Rafale da hat man ein richtiges Flugzeug

      Na und? Ist doch nicht unser Problem wenn Sarkozy uns den Rafale (definitiv besser als Gripen) aus Wahltaktischen Gründen viel günstiger gibt. Wir wählen ja nicht in Frankreich. warum auf so ein gutes Angebot verzichten. Und ist es wirklich Wahltaktik? der Euro ist gegenüber dem Franken viel stärker gesunken als die schwedische Krone. Das erklärt schon einiges und der Deal mit Indien mit 128 Flugzeugen macht den Preis pro Stück auch günstiger

    • Georg am 12.02.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Warum?

      Die Indischen Rafale werden grösstenteils auch in Indien gefertigt, das macht sie billiger. Fertigen wir die Rafale in der CH wird sie deutlich teurer.

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  • Marc Bjorg am 11.02.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Der Gripen NG hat IRIS-T!

    Für die Schweiz ist der Gripen NG mit der IRIS-T für die Nahverteidigung ein Quantensprung. Ein Flugzeug das zur Zeit nur dem EF leicht unterlegen ist weil dieser auch das IRIS-T System hat. Sogar eine F22 kann rein gar nix gegen eine Gripen, weil die Gripen die Raketen der F22 abschiesst bevor sie selbst getroffen wird. "Da guckst du... auch wenn du in der F22 sitzt!" Das Flugzeug ist nur ein Teil vom System! Die Gripen und der EF sind beide das beste was es gibt für das Geld! Der Gripen als leichter Jagdbomber der EF als mittlerer Jäger.

    • Flugzeugmech am 11.02.2012 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      IRIS-T passt an jeden Fighterjet

      IRIS-T ist eine Lenkwaffe das hat überhaupt nichts mit dem Flugzeug zu tun. IRIS-T kann man an jedes NATO Kompatible Flugzeug machen , egal ob F-5, F/A-18 ,Rafale etc. Mit einem Waffenpylon adapter würds sogar an russische Flugzeuge gehen. Beim Eurofigter kommts dann noch auf die ausstattung an Östereichische Eurofighter können nur Sidewinder einsetzen. Nicht mal AMRAM für mittlere entfernung (Was unsere F/A-18 kann).

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