Suizid nach Attacke

15. September 2016 11:37; Akt: 15.09.2016 11:37 Print

Alains Schläger sollen hohe Strafen kassieren

Drei Jugendliche verprügelten Alain Meier, der kurz darauf Suizid beging. Jetzt zeigt sich, wie brutal sie vorgingen. Reue zeigten sie deswegen offenbar nicht.

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Zwei 17-Jährige und ein 16-Jähriger stehen im Oktober vor dem Zuger Strafgericht. Sie werden beschuldigt, Alain Meier im September vor einem Jahr in Zug angegriffen und übel zugerichtet zu haben.

Drei Tage später nahm sich der 21-Jährige in seiner Wohnung das Leben. In der Anklageschrift, schreibt die «Weltwoche», fordere der Staatsanwalt für die beiden Älteren mit 36 beziehungsweise 32 Monaten Freiheitsentzug ungewöhnlich hohe Strafen für Minderjährige, weil sie so brutal vorgegangen seien. In der Anklageschrift heisst es, sie hätten «wissentlich und willentlich unkontrolliert und hemmungslos gegen dessen Körper bzw. Kopf getreten».

Absprachen und fast siebzig Einvernahmen

Auch ihr Verhalten danach wird in der Anklageschrift festgehalten. Alains Tod beeindruckte die drei offenbar nicht. Vielmehr hätten sie versucht, diesen für sich zu nutzen, um ihrem Opfer die Schuld an der Attacke zuzuschieben. Die drei Angeklagten seien noch vor ihrer Verhaftung zusammengekommen, «um skrupellose Absprachen hinsichtlich Koordination ihres Aussageverhaltens» zu treffen.

Der Anwalt eines Angeklagten schreibt, der Tathergang sei auch nach insgesamt fast siebzig Einvernahmen nicht geklärt. «Die Aussagen gehen weit auseinander.»

Alain wollte kein Bier abgeben

Der Vorfall ereignete sich Anfang September letzten Jahres unweit des Zuger Stadtzentrums. Die drei waren damals alle unter 16 und verlangten von Alain, dass er ihnen Bier abgebe. Alain habe sich geweigert, weil sie minderjährig waren. Darauf hätten die Jugendlichen zunächst mit Handgreiflichkeiten reagiert, dann mit gezielten Schlägen.

Auch als ihr Opfer deswegen bereits am Boden lag, hätten sie weiter zugetreten. Mehrfach habe Alain versucht aufzustehen und sich zu schützen. «Zeitweilig wurde Alain Meier von zwei der Aggressoren gehalten, damit der dritte rücksichtslos auf das Opfer einkicken konnte.» Die Schläge und Fusstritte seien für Alain lebensgefährlich gewesen.

Strafermittler in die Irre geführt

Der 17-jährige Haupttäter mit kosovarischen Wurzeln sass nach seiner Verhaftung sieben Wochen lang in Untersuchungshaft. Seither ist er in einem Erziehungsheim untergebracht. In der Einvernahme soll der Jugendliche falsche Anschuldigungen gemacht und die Strafermittler in die Irre geführt haben.

So beschuldigte er einmal den einen seiner Mittäter, Alain getreten zu haben, dann wieder den anderen. Gegenüber den Ermittlern behauptete er, er habe die beiden verwechselt. Von Reue über die Tat sei hingegen nichts spürbar.

Zeugen eingeschüchtert

Aber nicht nur das: Auch auf Zeugen soll Einfluss genommen worden sein. Diese hätten während der Einvernahme sichtlich Angst gezeigt, Aussagen zu machen. Sie sollen zuvor eingeschüchtert worden sein.

Sein gleichaltriger Mittäter mit brasilianischen Wurzeln sass ebenfalls sieben Wochen in U-Haft. Auch er wurde danach in einem Erziehungsheim untergebracht. Der 16-Jährige soll eine Strafe von 9 Monaten bedingt kassieren.

(ann)