Antisemitismus

14. August 2014 07:26; Akt: 14.08.2014 07:26 Print

Schweizer Juden massiv beschimpft und bedroht

von G. Brönnimann - Briefe, E-Mails, Anrufe und Beschimpfungen auf offener Strasse: Die Zahl der antisemitischen Attacken nimmt in der Schweiz dramatisch zu.

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Die antisemitischen Attacken auf jüdische Schweizer Bürger mit anonymen Anrufen, Drohbriefen, E-Mails sowie Hasstiraden auf offener Strasse haben sprunghaft zugenommen. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Monika Flückiger)

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Montagabend, 18.30 Uhr: Ein Mann attackiert und verletzt einen 26-jährigen belgischen Touristen vor der Migros in Davos Dorf, berichtet das Magazin «Tachles». Laut Verwandten des Mannes eine antisemitische Tat: Der Angreifer habe «Juden raus!» geschrien. Sein Opfer, ein orthodoxer Jude, der seine Sommerferien seit 15 Jahren in Davos verbringt, beschreibt ihn als rund 60-jährigen Schweizer. Er will Anzeige erstatten.

Letzte Woche in Basel: Ein Schweizer Bürger ist auf dem Heimweg von der Synagoge. Er trägt die Kippa. Plötzlich beschimpft ihn ein Unbekannter als «Drecksjude», als «Scheissjude», der «verrecken» soll.

Mehr Fälle in einem Monat als in den zwei Jahren zuvor

«Solche Fälle gab es mehrfach in den letzten Wochen», sagt Patrick Studer, Beauftragter Prävention und Information des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG). «Die meisten Betroffenen möchten aber nicht, dass ihre Fälle öffentlich werden. Auch aus Angst, dass sich die Taten wiederholen», so Studer.

Der SIG betreibt eine Meldestelle für antisemitische Vorfälle in der Schweiz. Die Bilanz seit Ausbruch des Gaza-Konfliktes schockiert: Antisemiten lassen ihrem Hass freien Lauf.

«Eine Zunahme von antisemitischen Beleidigungen und Drohungen seit Anfang Juli ist ganz klar feststellbar. Man muss von einer eigentlichen Welle sprechen», sagt Studer. Konkret: «Allein im Juli waren es mehr Anrufe, Briefe, E-Mails und Beschimpfungen in der Öffentlichkeit als in den gesamten zwei Jahren zuvor.»