Graubünden

24. August 2017 21:50; Akt: 24.08.2017 22:14 Print

Doris Leuthard verspricht Bondo Unterstützung

Die Bundespräsidentin hat sich den Berg, der immer noch in Bewegung ist, aus der Luft angeschaut und Bondos Gemeindepräsidentin Hilfe versprochen.

Bergsturz: Mehrere Häuser in Bondo wurden evakuiert. (Video: Tamedia/Leser-Reporter)
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Der Bergsturz bei Bondo im bündnerischen Bergell hat entgegen erster Meldungen möglicherweise doch Opfer gefordert. Acht Personen werden vermisst, allesamt auswärtige Erwachsene aus der Schweiz sowie aus Österreich und Deutschland.

Gesteinslawine verwüstet Bondo

Sechs dieser acht Personen wurden von Familienangehörigen als vermisst gemeldet. Weitere zwei hielten sich zum Zeitpunkt des Bergsturzes in dessen Umgebung auf und können nun von den Einsatzkräften nicht erreicht werden, wie die Polizei heute mitteilte.

Doris Leuthard im Katastrophengebiet

Zusätzlich zu den acht Personen wurden weitere fünf bis sechs Menschen vermisst, die laut Chiarella Piano, Sprecherin der Kapo Graubünden, am Nachmittag in Italien gefunden wurden.

Die gute Nachricht wurde von Bundespräsidentin Doris Leuthard persönlich überbracht an einer improvisierten Medienkonferenz im nahegelegenen Promontogno. Leuthard hatte sich am späten Donnerstagnachmittag aus dem Helikopter einen Überblick über das Katastrophengebiet verschafft.

Armeehelikopter und Hunde im Einsatz

Bei den Vermissten handelt es sich um Staatsangehörige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es handelt sich um Wanderer und Berggänger, die unabhängig voneinander in Zweiergruppen im Gebiet unterwegs waren, wie Polizeisprecher Roman Rüegg vor Ort zu den Medien sagte. Einheimische aus dem Bergell würden sich unter ihnen nicht befinden.

Die Suche war aufgrund der neuen Erkenntnisse in der Nacht auf heute intensiviert worden. Auch ein Helikopter der Schweizer Armee kam zum Einsatz. Nun sind auch Suchhunde im Gelände. Bisher verlief die Suche aber ohne Erfolg. Unter den Vermissten seien keine Kinder, so Polizeisprecher Roman Rüegg zur «Südostschweiz».

Bondo bleibt evakuiert

Die Einwohner von Bondo dürfen vorerst nicht in ihre Häuser zurückkehren. Der 200-Seelen-Ort bleibt evakuiert. Experten schliessen Nachstürze im Seitental Val Bondasca nicht aus. Am Donnerstagnachmittag soll die Lage neu beurteilt werden. Auch die Hauptstrasse durch das Tal bleibt gesperrt. Die Fahrbahn war vom Murgang sowohl unter- als auch überspült worden, sie ist beschädigt und stellenweise verschüttet.

Vordergründig sei es ruhig, aber die Anspannung in der Region sei spürbar, erklärte die Korrespondentin von SRF in der «Tagesschau am Mittag». Einerseits sei die Sorge gross über die vermissten Personen, andererseits hätten die Dorfbewohner Angst, dass weitere Erdrutsche passieren würden.

Gefahr war bekannt - automatischer Alarm ausgelöst

Der Bergsturz hatte sich am Mittwochmorgen am Piz Cengalo zuhinterst im Val Bondasca gelöst. Felsmassen stürzten vom Gipfelbereich ins Tal und wurden dann als Murgang vom Bach Bondasca talauswärts bis nach Bondo geschoben. Das Dorf wurde vom gewaltigen Murgang gestreift, zwei Ställe am Dorfrand wurden zerstört. Und im Val Bondasca walzten die Gesteinsmassen zehn Ställe und Maiensässe nieder.

Die Bergsturzgefahr am Piz Cengalo ist seit langem bekannt. Im Val Bondasca ist ein automatisches Murgang-Alarmsystem eingerichtet worden. Dieses trat am Mittwoch in Aktion, alarmierte Einsatzkräfte und sperrte mittels Verkehrsampeln Strassen.

Maiensässe zuvor gesperrt

Das Bergsturzgebiet am Piz Cengalo wird seit Jahren vom kantonalen Amt für Wald- und Naturgefahren überwacht. Bei einer Messung Ende Juli hatten Geologen gemäss einem Bericht der Zeitung «Südostschweiz» massiv erhöhte Felsbewegungen festgestellt. Letzte Woche war dann offenbar ein Zugangsverbot für Maiensässe im gefährdeten Gebiet ausgesprochen worden.

(nxp/sda)