Nach Gotthard-Felssturz

15. November 2012 16:45; Akt: 15.11.2012 17:11 Print

So funktioniert das SBB-Alarmsystem

von Antonio Fumagalli - Ein riesiger Felsbrocken blockiert seit gestern Abend die Nord-Süd-Achse. Dass kein Zug in den Steinschlag raste, ist einem ausgeklügelten Warnsystem zu verdanken.

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Wer derzeit mit dem Zug ins Tessin fahren will, dem sind buchstäblich Steine in den Weg gelegt: Kurz vor 16.30 Uhr stürzten am Mittwoch 150 Kubikmeter Gestein bei Gurtnellen UR zu Tal, ein riesiger Brocken von rund 70 Kubikmetern durchschlug einen Sicherheitszaun und blieb auf den Geleisen liegen.

Dass kein Zug gegen den Felsen raste, ist einem vielschichtigen System zu verdanken, das die SBB über die Jahre hinweg an neuralgischen Punkten aufgebaut haben. In Gurtnellen waren die Erschütterungssensoren, die in die Sicherheitsnetze eingeflochten sind, entscheidend: Werden diese berührt, geht im Interventionszentrum in Erstfeld ein Alarm ein. Die Züge auf der Strecke werden aber nicht automatisch angehalten – die Sensoren könnten ja auch von einem Tier erschüttert worden sein.

Weniger als eine Minute Warnverzögerung

Droht Gefahr für Mensch und Material, werden die betroffenen Lokführer umgehend per Funk gewarnt: «Am Mittwochnachmittag hatten der Zuständige in der Interventionszentrale und der Zugverkehrsleiter innert 30 Sekunden Kontakt. Dieser stellte umgehend alle Signale auf Rot», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Zwei Züge mussten sofort angehalten werden, viele folgende mussten vorzeitig wenden.

Die Erschütterungssensoren sind aber bei weitem nicht das einzige Instrument, das die SBB entlang der gefährdeten Stellen einsetzen: Ein sogenannter Telejointmeter registriert die Bewegungen eines Felsens bereits im Mikrometerbereich. Ähnlich funktioniert ein Gerät, das Verschiebungen dank am Fels angebrachter Spiegel erkennt. Nachteil: Das System ist nur tagsüber und bei guter Sicht zuverlässig.

Drei Viertel der Schutzbauten am Gotthard

Der neuste Wurf der Geologen ist ein Georadar, der die Reflexion elektromagnetischer Strahlen der betroffenen Felspartien überwacht. Doch auch dieses Instrument hat seine Tücken: Zwischen Gestein und Empfänger dürfen keine Bäume stehen.

Nicht weniger als 4000 Schutzbauwerke betreiben die SBB schweizweit, dazu gehören auch Mauern, Mulden und Galerien. Der Fokus wird dabei auf das Gotthardmassiv gelegt: «Ungefähr drei Viertel aller Anlagen haben wir in dieser Region», sagt Schärli.

Wie der jüngste, unerwartet eingetroffene Felssturz zeigt, kann aber die ausgeklügeltste Technik keine Gewissheit geben, dass der Betrieb nicht wieder beeinträchtigt wird. Pressesprecher Schärli: «Ein kleines Restrisiko bleibt immer. Aber sobald die Strecke wieder freigegeben ist, fahre ich absolut ohne Bedenken ins Tessin.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Zingg am 16.11.2012 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird erwartet von der SBB !!

    Dies erwArten Wir auch, schliesslich bezahlen Wir auch Genug wenn dann Nicht zu viel für eine Reise in den Tessin !!

  • Remo Müller am 16.11.2012 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2. Weg ins Tessin

    Ich würde es befürworten, wenn es eine zweite Bahnstrecke ins Tessin gibt. z.B. via Chur/Thusis

    • stefan am 18.11.2012 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      Überleg mal!

      in 4 Jahren haben wir das Problem nicht mehr, weil die Neat eröffnet wird. Dann sind nur noch die Züge betroffen. die über Göschenen fahren und die Schnellzüge fahren alle unten durch ohne Felsstürze

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  • Hans am 16.11.2012 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!!

    Endlich sehen wir im positven Sinn wo das Geld hinfliesst!! Diese Investition dürfte mit einer Nicht-Kollision egalisiert sein, Perfekt.

  • Halli hallo am 16.11.2012 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Aha, ist dies dasselbe Warnsystem, welches bereits beim letzten (leider nicht so gut ausgegangenen) Felsabbruch im Einsatz war???! Damals hats nicht geholfen/funktioniert.

    • contra am 16.11.2012 07:52 Report Diesen Beitrag melden

      Ja danke!

      Wohl ein ewiger Pessimist.

    • René am 16.11.2012 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @contra

      Schade fas Du mit diesem Unglück überfordert bist.

    • halli hallo am 16.11.2012 11:23 Report Diesen Beitrag melden

      @contra

      Kein Pessimist! Dem sagt man Realist!! Was nützt dieses Warnsystem wenn sich bereits ein Zug in diesem Gebiet befindet? Das Lichtsignal, welches ja auf Rot schalten sollte, befindet sich wohl kaum direkt bei der Gefahrenstelle, und wenn, dann sollte man den Bremsweg eines x-tonnen schweren Zuges auch noch einberechnen! Die wahre Natur lässt sich nicht immer so leicht überlisten. Leider!!!

    • stefan am 18.11.2012 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Lies mal richtig!!!!

      Die Zentrale hat innerhalb von 30 sec. Funkkontakt mit den Lokführern gehabt und die Lokführer machten sofort eine Notbremsung

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  • Nicolas Wild am 16.11.2012 00:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Galerie

    Wieso baut die SBB an dieser steinschlag prädestinierten lage eine galerie bzw ein dach über das bahngleis? dann können sie sich denn ganzen krimskrams an messgeräten sparen

    • Steini Fels am 16.11.2012 07:55 Report Diesen Beitrag melden

      Teuer oder nicht sicher? wer weiss

      Wie immer, alle wissen alles besser. Das hat die SBB sicher noch "nie" angedacht. Schon mal etwas von Projektmanagement gehört, darin ist auch die Risikobeurteilung.

    • René am 16.11.2012 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Viel Glück gehabt

      Man hat nun 2x gesehen wie ihre hochgelobten Profis den Job ernst nehmen. Zum Glück keine verletzten oder gar Tote. Den der 'Vorsatz' zu der Körperverletzung wäre hier gegeben.

    • Nilo am 16.11.2012 09:03 Report Diesen Beitrag melden

      70 Kubikmeter Stein vs. Dach

      Aus welchem Material würden Sie den dieses Dach bauen? Sehen Sie sich mal die Bilder an und überlegen Sie sich ob ein Dach dieser Gewalt standgehalten hätte.

    • Nicolas wild am 16.11.2012 09:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Galerie

      Richtig gebaut gibts da kein Risiko mehr - die einmalige Investition ist nicht gerade billig, wenn man aber alle möglichen szenarien durchrechnet dann muss es sich lohnen

    • s.h am 16.11.2012 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...

      Was da runter kommt kann keine Galerie der Welt halten wen solch riesige Steine da drauf dreschen kracht das glatt zusammen. Fangnetze sind enorm stabil und auch diese werden auseinander gerissen also ist der Gedanke dahinter schon richtig das man keine Galerie baut die man dan alljährlich neu konstruieren darf ^^

    • David am 16.11.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Winkel

      Kommt auf den Winkel an, in dem der Brocken auf die Oberfläche kracht. Wenn man den Winkel dem Gelände oberhalb anpasst kann der Felsbrocken ja einfach drüberrutschen.

    • René am 16.11.2012 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Der Winkel ist das Wichtigste

      Danke David, nun sind wir zu zweit welche entsprechenden Unterricht hatten.

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