Tamedia-Abstimmungsumfrage

09. August 2017 05:51; Akt: 09.08.2017 05:51 Print

Junge und Frauen sind skeptisch bei Altersreform

Die Reform der Altersvorsorge hat bei den Stimmbürgern einen schweren Stand. Das zeigt die Tamedia-Abstimmungsumfrage.

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Der Kampf um die Zukunft der Altersvorsorge hat längst begonnen – zu wichtig ist die Abstimmung vom 24. September, die die erste grosse Reform der AHV seit 20 Jahren bringen könnte.

Die erste Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage deutet auf ein enges Rennen hin: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer zugunsten der AHV wird zwar noch von einer knappen Mehrheit von 52 Prozent unterstützt.

Dagegen fällt die für die übrigen Teile der Reform – von der Erhöhung der AHV bis zur Senkung des Umwandlungssatzes – nötige Gesetzesänderung durch: 54 Prozent wollen sieben Wochen vor der Abstimmung Nein oder eher Nein stimmen, nur 40 Prozent beabsichtigen, ein Ja in die Urne zu legen.

Die Altersvorsorge 2020 ist in zwei separate Vorlagen aufgeteilt. Fällt nur eine durch, ist die gesamte Reform gescheitert. Dass die Stimmabsichten bei den beiden Vorlagen noch auseinandergehen, dürfte laut Politologe Fabio Wasserfallen unter anderem an der noch nicht weit fortgeschrittenen Meinungsbildung und am schlechten Informationsstand liegen.

Tiefere Zustimmung bei den Jungen

Deutlich zeigt sich, dass die Wähler von FDP und SVP – beide Parteien bekämpfen die Rentenreform – das neue Gesetz zur Altersvorsorge klar ablehnen: Drei von vier SVP-Anhängern wollen Nein stimmen, und auch bei den FDP-Wählern sind es gut 60 Prozent. Obwohl SP und Grüne die Reform befürworten, steht die Basis zum heutigen Zeitpunkt nicht geschlossen hinter der Reform: Bei den Grünen wollen 42 Prozent Nein stimmen, bei der SP 31 Prozent.

Laut der Umfrage ist die Zustimmung bei den jüngeren Stimmbürgern bei beiden Vorlagen tiefer: Derzeit wollen etwa nur 34 Prozent der 18- bis 34-Jährigen dem Altersvorsorge-Gesetz zustimmen. Bei den 50- bis 64-Jährigen liegt der Anteil der Ja-Sager 9 Prozentpunkte höher. Am stärksten ist die Zustimmung bei den Rentnern mit 45 Prozent Ja.

Auch Frauen, deren ordentliches Rentenalter auf 65 Jahre ansteigen würde, stehen der Reform kritischer gegenüber als Männer. Nur jede dritte Frau, aber beinahe jeder zweite Mann würde derzeit Ja stimmen.

Für Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen, ist klar, dass die Kampagne der Gegner bereits anschlägt: «Die Jungen realisieren, dass sie die Rechnung bezahlen und dass die AHV mit dieser Reform ab 2030 bachab geht.» Er hoffe, dass sich auch noch mehr Ältere mit den Jungen solidarisieren und Nein stimmen.

Dass die Bevölkerung das Gesetz kritischer sieht als die Erhöhung der Mehrwertsteuer, sei nachvollziehbar: «Um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wird man kaum herumkommen. Im Gesetz ist aber der unsinnige Ausbau der AHV enthalten, der vielen zu weit geht.»

Pro-Komitee: «Kein Sonntagsspaziergang»

Aufgeschreckt ist das Lager der Befürworter: «Die Umfrage zeigt, dass die Abstimmung kein Sonntagsspaziergang wird», sagt Grünen-Präsidentin Regula Rytz. Es gebe Befürworter und Gegner in vielen Parteien. «Das Nein-Lager hat seine Kampagne früher gestartet, es bleibt aber noch Zeit bis zur Abstimmung. Wir werden zeigen, dass die Reform ein fairer Kompromiss ist. Die FDP dagegen will die Renten kürzen.»

Auch bei den Frauen im eigenen Lager spüre sie Skepsis, eine Erhöhung des Rentenalters zu schlucken, bevor die Lohngleichheit erreicht sei. Aber: «Entscheidend ist, dass die Stärkung der AHV gerade Frauen hilft, die oft nur die erste Säule haben.»

Ernährungssicherheit: Ja zeichnet sich ab

Ebenfalls an die Urne kommt eine neue Verfassungsbestimmung zur Ernährungssicherheit. Diese scheint relativ unbestritten zu sein: Eine Mehrheit von 53 Prozent will Ja stimmen, 27 Prozent lehnen die Vorlage ab. Jeder Fünfte hat noch nicht entschieden. Generell ist die Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen, Verschiebungen bis zum Abstimmungstermin bleiben möglich.

8630 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 3. und 4. August online an der ersten Welle der Tamedia-Abstimmungsumfrage teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit den Politikwissenschaftlern Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,5 Prozentpunkten. Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anna am 09.08.2017 06:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen und Wein trinken

    Da zahlt man über 40 Jahre brav ein und unsere Politiker verschenken das Geld in die ganze Welt. Jetzt sind sie erstaunt, dass es fehlt. Die Bundesräte sollte man alle mit einer Minimalrente pensionieren.

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  • Regina am 09.08.2017 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Renten....

    Ich stimme NEIN nicht wegen der Mehrwertsteuer welche erhöht wird, sondern weil die AHV nicht dazu da ist um Pensionskassen zu sanieren. DieFr. 70.00 sollten alle Rentner erhalten, diese müssen ihre teuren Wohnungen KK Prämien und nicht zu vergessen die Steuern auch bezahlen. Ich hatte auch 3x Rentenklau. Nimmt mich nur wunder wie.... unsere Schweiz gehört nur noch den Reichen....

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  • Chuck Norris am 09.08.2017 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich 53

    Stimme ganz klar nein und ich hoffe es kommt auch so

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich, m29 am 09.08.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich sage nein, weil es keine Probleme löst sondern wie alle vorangegange Reformen nur ein rauszögern ist. Das System muss Grundlegend reformiert werden. Ich erwarte von unseren gut bezahlten Vertretern Lösungen die beständig sind, nicht solche die gerade ihre eigene Amtszeit überdauern. Aber ich bin ja ein kleiner Bürogummi.

  • Heidi M am 09.08.2017 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sanierung ist Kompromis

    Es ist 5 vor 12 für die dringenden Korrekturen, damit das Rentenniveau gehalten werden kann. Sonst heisst es bis 67 Jahre arbeiten oder tiefere Renten. Jede(r) muss aber etwas dazu geben, es geht gar nicht anders. Gerade mittlere bis tiefere Einkommen werden profitieren, ich hoffe, diese Bevölkerungschicht wird es sich gut überlegen. In der Vergangenheit ist eine separate Sanierung AHV oder Pensionskasse stets klar gescheitert...

  • S.Potter am 09.08.2017 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hoffentlich nein

    Mit der gestrigen Angstmacherei von BR Berset haben hoffentlich noch mehr Leute gemerkt, dass diese Reform eine Mogelpackung ist. An alle Jungen - geht Nein stimmen. Dies ermöglicjt eine echte Reform mit der ihr auch noch eine Altersversorhung erhaltet. Mit einer Ja bezahöt ihr in 5 Jahren nochmal einiges drauf denn jetzt ist ein Ausbau geplant.

  • Philippe am 09.08.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein klares NEIN

    Die AHV um 70 CHF für Neurentner zu erhöhen ist im Widerspruch zur kürzlich vom Volk abgelehnten Erhöhung der AHV für alle und eine unsinnige Vermischung von BVG und AHV. Besser NEIN dann muss auch die MWST gesenkt werden und alle profitieren.

  • Als Auslgeich am 09.08.2017 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    erst mal 20% mehr für die Frauen

    Wir, die wir die AHV haben, bekommen eh nicht mehr. Frauen bekommen so oder so 20% weniger, wenigstens diejenigen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben und auch mindestens 20% weniger verdient haben - für dieselbe Arbeit - dann dürfte man mal den pensionierten Frauen einfach 20% mehr AHV geben, das wäre schon mal ein Ausgleich und ein Anfang zu einer gerechteren Welt. Dass die Lebenshaltungskosten von Frauen mindestens 30% höher liegen, davon sprechen wir vorerst mal nicht :-) doch später schon. Herr Berset studieren sie mal.