Gastfeindschaft

08. November 2013 22:45; Akt: 08.11.2013 23:06 Print

Schweizer sollen freundlicher werden

Schweizer sind unfreundlich zu Touristen: Laut einer Online-Umfrage steht die Schweiz in puncto Gastfreundschaft auf dem letzten Platz. Freundlichkeitskurse sollen dies ändern.

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Dass die Schweizer ein eher unfreundliches Volk sind, mag für viele nichts Neues sein. Dies bestätigt auch eine Online-Umfrage des Hotelbewertungsportals Zoover: Von 23 europäischen Ländern ist die Schweiz in puncto Gastfreundschaft auf dem letzten Platz. Die schlechte Platzierung macht Handlungsbedarf deutlich.

Das Problem wollen Zentralschweizer Touristiker nun in Angriff nehmen. Geplant ist ein Programm, das die Gastfreundschaft der Schweiz verbessern soll. Eine der Massnahmen sind die Luzerner «Friendly Hosts»: 25 Damen und Herren, meist (Früh-)Pensionierte und Mütter, arbeiten ehrenamtlich als Stadtführer in Luzern. Sie helfen Touristen aus aller Welt, sich in der Stadt zurechtzufinden. Sie verteilen Stadtpläne und geben Insidertipps. Dies sollen sie im Rahmen des Programms nun in der ganzen Zentralschweiz tun.

Was ist Gastfreundschaft?

Das am Programm beteiligte Institut für Tourismuswirtschaft der Hochschule Luzern macht dies an wissenschaftlichen Aspekten fest - und zwar mit typisch schweizerischer Genauigkeit. Dabei gilt es erst einmal herauszufinden, was denn Gastfreundschaft genau bedeutet. «Es geht darum, die einzelnen Ebenen und Dimensionen der Gastfreundschaft zu identifizieren», heisst es im Programm-Prospekt.

Ein weiterer Schritt ist die Sensibilisierung der Bevölkerung. In Workshops sollen sich die Teilnehmer einen Nachmittag lang mit dem Thema intensiv befassen und sich am Ende dazu verpflichten, einen persönlichen Beitrag an die Gastfreundschaft zu leisten. Zum Schluss müssen sie ihr Unternehmen beispielsweise in Selbst-Checks zur Gastfreundschaft testen.

Was die Zentralschweizer erst versuchen, machen andere schon lange: Engadin St.Moritz Tourismus führt seit zwei Jahren kostenfreie Herzlichkeits-Workshops an - im Sinne des Allegra-Prinzips, was so viel heissen soll: A: Augenkontakt halten, L: Immer freundlich lächeln, L: Lass mich dir helfen, E: Erwartungen übertreffen, G: Gerne ja, R: Rückfragen und A: Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal. «Von Spitalbelegschaften, über Hotelangestellte, bis zu Bus-Chauffeuren und Restaurantmitarbeitern, in 53 Workshops haben wir 1800 Personen geschult», wie Eva Reinecke von der Tourismusorganisation auf Anfrage mitteilt.

Oscar der Gastfreundschaft

Ein fast schon alter Hund im Bereich der Gastfreundschafts-Schulung ist Jürg Balsiger, Direktor der Stanserhorn-Bahn: «Seit gut zehn Jahren werden unsere Mitarbeiter konzeptionell auf Gastfreundschaft getrimmt - mit grossem Erfolg.» Pro Saison erhielten sie rund 200 positiv Rückmeldungen. Das wichtigste sei die Einstellung: «Wir achten bereits bei der Auswahl von neuen Angestellten darauf, strahlende, positiv-denkende und konstruktive Persönlichkeiten einzustellen.» Später werde dann in saisonalen Schulungen die positive Sprache, Ausstrahlung und Körperhaltung geschult.

Schweiz Tourismus ist ebenfalls bestrebt, noch freundlicher mit den Gästen umzugehen und zeichnete dieses Jahr erstmals die 100 gastfreundlichsten Hotels der Schweiz mit dem Prix Bienvenu aus. Der Gastfreundlichkeits-Oscar wird den Hotels verliehen, die auf Bewertungsplattformen die besten Beurteilungen in Bezug auf Aufmerksamkeit, Herzlichkeit, Empathie und Hilfsbereitschaft des Personals erhielten. Wie kommt es also, dass die Schweiz trotz all dieser Massnahmen so schlecht abschneidet?

(blu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 08.11.2013 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich

    Dafür, dass wir in punkto Freundlichkeit auf dem letzten Platz sind, wollen sich doch erstaunlich viele in der Schweiz niederlassen!

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  • Andreas am 08.11.2013 23:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schade

    Sehr schade, wenn Freundlichkeit verordnet werden muss. So etwas sollte von Herzen kommen.

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  • Driver am 09.11.2013 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und Du

    Wenn Dich der Busfahrer täglich, freundlich beim Einsteigen begrüsst, grüsst DU dann auch?? Bervor Kurse besuchen, mal im kleinen beginnen und jeder bei sich anfangen. Danke an alle die täglich zurück grüssen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lars am 09.11.2013 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Höflichkeit muss sein

    Doch sollte die Schweiz, Schweiz bleiben. Wir Schweizer müssen uns im Ausland auch an die jeweilige Kultur anpassen - und das ist auch gut so. Die Schweiz muss sich wegen dem Tourismus nicht neu erfinden, und eine andere Diktatur aufbauen, die uns mehr schadet als nützt.

    • Robin _Hood am 10.11.2013 00:14 Report Diesen Beitrag melden

      Servus Helvetia

      Mir fällt kein Zacken aus der Krone offen und unvoreingenommen durch die Welt zu gehen! Im Gegenteil macht es grosse Freude und bereichert den Horizont. Wenn die Mehrheit der Schweizer es als Diktatur empfindet freundlich zu sein, dann frage ich mich, worauf wir eigentlich stolz sind? Ich fühle mich fremd im eigenen Land! Es wird langsam Zeit auszuwandern, bevor diese Pandemie mich auch noch befällt! Wenn menschliche Werte mit Füssen getreten werden, dann ist die Diktatur nicht mehr weit! Wo bleibt die Freiheit, Brüderlichkeit und Solidarität, welche einst das Fundament der Schweiz waren?

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  • Mutter am 09.11.2013 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    selbstverliebt

    seid ihr, liebe schweizer, wie kaum ein anderes volk. aber als unfreundlich habe ich euch nie empfunden, lebe mein halbes leben nun hier. im gegenteil, ich bin bis jetzt so gut wie überall sehr gut und zuvorkommend behandelt worden. wie man halt in den wald hinein ruft vermutlich. aber eins muss ich sagen, eure selbstverliebtheit fällt schon auf. und wehe jemand kritisiert euch, damit kommt ihr kaum klar.

  • Schweizerin* am 09.11.2013 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe genug ! es reicht!

    Es scheint Mode zu sein andauernd die Schweiz zu kritisieren und zum Teil auch zu beschimpfen. Da frage ich mich mit Recht, warum kommen all diese Leute in die Schweiz, oder leben zum Teil sogar hier, wenn es in CH so unfreundlich und schrecklich ist. ? Man kann nicht immer NUR FORDERN.

  • K.Berger am 09.11.2013 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es fällt einem kein Zacken aus der Krone

    Ich muss schon auch eingestehen das viele Schweizer sehr unfreundlich sind und ich das sehr schade finde den ein nettes Grûezi oder Lácheln gehôrt doch zur Grund Erziehung . Das schône ist doch das man selber damit anfangen kann, schaut mal wie die Leute reagieren.

  • Theo Klein am 09.11.2013 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundlich

    Gastfreundschaft ist in vielen Ländern grossgeschrieben. Jedoch sagen deren Einwohner, wir können freundlich sein, denn das ..... lebt in der Schweiz!