Gezielte Förderung

02. Oktober 2017 05:48; Akt: 02.10.2017 05:48 Print

Firmen sollen Talente in Schulen entdecken

von B. Zanni - Schulen müssten individuelle Begabungen entdecken, fordert ein Bildungspolitiker. Ihm schweben Talent-Scouts vor.

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Laut Markus Hengstschläger, Genetik-Professor und Regierungsberater, sollen Talent-Scouts in Schulen herausfinden, ob ein Kind visuell oder auditiv begabt sei. Auch sollten die Scouts soziale, körperliche, musische, rhetorische und geisteswissenschaftliche oder naturwissenschaftliche Kompetenzen identifizieren. Felix Müri, Präsident der Bildungskommission:«Talent-Scouts sind das, was der Schweiz schon lange fehlt, um sich nachhaltig als Top-Wirtschaftsstandort zu behaupten.» Auch WEF-Chef Klaus Schwab pochte kürzlich auf den Bedarf nach Talenten: «Die Welt vollzieht gerade den Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus.» Zeit für die Talentförderung gebe es laut Felix Müri in der Schule genügend. «Anstatt dass die Schule endlich die Stärken der Kinder herausholt, werden etliche Stunden verschwendet, um deren Schwächen abzuklären.» Mathematik-Talent Maximilian Janisch legte mit neun Jahren sein Abitur ab. An der Universität Perpignan besuchte er Algebra-Vorlesungen, am Mathematischen Institut der Universität Zürich erhält er Privatunterricht. Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, sieht keinen Bedarf nach Talent-Scouts. «Die Talente von Schülern zu erkennen und zu fördern, gehört zu den gewöhnlichen Erwartungen an einen Lehrer.» Es könne aber nicht schaden, wenn Lehrpersonen dies gezielter machten. Bildungsökonom Stefan Wolter warnt vor Talent-Scouts. «Menschen, die einseitig erzogen werden, erzielen selten den vorgesehenen Erfolg.»

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Schlummert in Lena das Potenzial zur erfolgreichen Forscherin? Und hat Tim das Zeug zum begabten Musiker? Geht es nach Markus Hengstschläger sollen solche Fragen schon früh geklärt werden. In Schulen fordert der österreichische Genetik-Professor und Regierungsberater deshalb: «Wir brauchen Lehrer und wir brauchen Talentscouts.»

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Die eine Hälfte der Zeit sieht er für das Unterrichten der Kinder vor, die andere für deren Scouting, präzisiert Hengstschläger im «Handelsblatt». «Die Lehrer vermitteln die Inhalte, der Scout schaut sich die individuellen Talentbereiche an.» Es gelte herauszufinden, ob ein Kind visuell oder auditiv begabt sei. Auch sollten die Scouts soziale, körperliche, musische, rhetorische und geisteswissenschaftliche oder naturwissenschaftliche Kompetenzen identifizieren.

Laut dem Wissenschaftler kann es sich die Gesellschaft nicht mehr leisten, sich um das Entdecken individueller Talente zu scheren. Auch Klaus Schwab, Chef des World Economic Forum, pochte kürzlich auf den Bedarf nach Talenten: «Die Welt vollzieht gerade den Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus.» Denn gut augebildete und kreative Arbeitskräfte würden zunehmend wichtiger als Kapital.

«Talent-Scouts für Top-Wirtschaftsstandort»

Felix Müri, Präsident der Bildungskommission, will das Thema in der Kommission anstossen und danach eventuell einen entsprechenden Vorstoss in der Kommission einreichen. «Talent-Scouts sind das, was der Schweiz schon lange fehlt, um sich nachhaltig als Top-Wirtschaftsstandort zu behaupten», so der Luzerner SVP-Nationalrat. Da die Schweiz zu wenig Talentförderung betreibe, sei sie oft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. «Dabei bieten wir mit der Universität, der ETH und den Firmen beste Voraussetzungen für den eigenen Nachwuchs.»

Müri schweben Scouts aus der Praxis vor. «Niemand weiss besser, welche Talente gefragt sind als direkte Vertreter aus Unternehmen. Das können Google, die UBS oder Roche sein.» Schüler und Eltern dagegen hätten die Tendenz, Fähigkeiten zu über- oder unterschätzen. Zeit für die Talentförderung gebe es in der Schule genügend. «Anstatt dass die Schule endlich die Stärken der Kinder herausholt, werden etliche Stunden verschwendet, um deren Schwächen abzuklären.»

Talente durch Lernmaterial entdecken

Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH, befürchtet «im Schnellzug der Digitalisierung», dass die Schüler in zehn Jahren automatisch auf ihre Talente geprüft werden. Dann würden Unternehmen gerade Schulen, die Finanzprobleme haben, mit günstigem Online-Lernmaterial versorgen. «Anhand der individuellen Datenprofile der Schüler eruieren die Firmen die Talente und Fähigkeiten.» Dadurch sei möglich, dass die Schüler später auf ihre Talente zugeschnittene Jobangebote erhalten.

Einen Bedarf nach Scouts sieht Brühlmann nicht. «Die Talente von Schülern zu erkennen und zu fördern, gehört zu den gewöhnlichen Erwartungen an einen Lehrer.» Es könne aber nicht schaden, wenn Lehrpersonen dies gezielter machten.

Bildungsökonom Stefan Wolter warnt vor Talent-Scouts. «Menschen, die einseitig erzogen werden, erzielen selten den vorgesehenen Erfolg.» Es bestehe das Risiko, vergeblich nur auf das Talent fokussiert ausgebildet zu werden. Denn häufig entpuppten sich vermeintliche Talente nicht als Überflieger. «Und selbst wenn man 30 Picassos hat, muss man aber mindestens so viele Leute haben, die diese fördern.» Zudem sei nicht klar, ob ein Talent auch in ferner Zukunft noch gefragt sei.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al Bundy am 02.10.2017 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aufhören

    Es wird immer mehr gefordert, gebohrt, bearbeitet. unsere Kinder sind heute schon zum Teil gestresst oder gestört. Macht so weiter und die Leute werden im Schnitt 100 aber mit 30 schon GaGa.

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  • Hir Tensalat am 02.10.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern

    Ich sehe schon die Helikoptereltern vor mir, die ihr Kind z.B. drei Stunden täglich zum Chemiekurs schicken, weil sie den "mein Sohn ist Wissenschaftler"-Status im Blick haben und dabei das Wohl ihres Kindes vergessen.

  • Monika am 02.10.2017 06:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    allen gleiche Chancen geben

    es geht nicht an dass Firmen noch mehr Einfluss auf das Schulwesen haben. Schule sollte eine geschützte Werkstatt sein wo jeder gleiche Chancen hat. zudem werden schon heute die Menschen in gewisse Richtungen gedrängt. mit Tablets lernen obwohl der Mensch mit einem physischen Buch besser lernen könnte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Erdmensch am 02.10.2017 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Talent, dann gut

    Wenn wir auf dieser Erde bestehen wollen, müssen wir umdenken. Wir können nicht dank talentierten Menschen alles was wir in diese Wirklichkeit brachten unter den Teppich kehren. Wir haben sehr wohl talentierte Menschen, die schon lange warnen, dass es so nicht weiter geht. Talentierte Menschen, die wir als Spinner, Ketzer, Hexen und Chaoten bezeichnen. Wir suchen eine Lösung, die uns seit mehr als 100 Jahren zu Füssen liegt. Wir wollen die Lösung nicht, weil wir Angst haben, wir könnten etwas verlieren. Nun wird es eng.

  • Papi is de bescht am 02.10.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kind sein

    Lasst die Kinder erstmal mal Kind sein. Ist doch Wahnsinn was heute immer früher schon gefordert wird und was sie leisten sollen. Das wahre Leben lernen Sie noch früh genug kennen.

    • Sime S. am 02.10.2017 20:07 Report Diesen Beitrag melden

      Ja aber...

      ...da stimme ich Ihnen voll und ganz zu....jedoch wäre ich froh gewesen, wären meine Talente in der Schule damals erkennt worden, so hätte ich für mich vielleicht nicht die falsche berufliche Laufbahn gewählt! Heute als erwachsene Person ist eine neue Berufslaufbahn einzuschlagen ist nur sehr schwierig bis gar nicht mehr möglich! Deshalb ja, Kinder sollen auf jeden Fall Kind sein dürfen, aber im Alter der Berufsfindung fände ich es super, wenn mehr auf die Talente der einzelnen Kinder eingegangen würde. Das wünsche ich mir auch für meinen Sohn.

    • 20min.-Leser am 02.10.2017 20:23 Report Diesen Beitrag melden

      @Papi is de bescht

      Auch die Eltern sollten mal Eltern gelassen werden und nicht immer für alles zu Sündenböcken gemacht werden, weil sie angeblich zu wenig Erziehungs-, Lern- und Leistungsdruck auf ihre Kinder ausüben würden.

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  • Realist am 02.10.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach!

    Wirtschaftleute haben nicht die Kompetenz oder die ErfahrungKinder und ihre Talente in ihrer Entwicklung beurteilen zu können, auch wenn sie sich Scouts nennen!!

    • Anneli am 02.10.2017 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Naja, die können sich ja auch in diese Richtung weiterbilden. Zudem lernen Lehrpersonen die wichtigen Dinge auch im Leben, nicht an der PH.

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  • Beobachter am 02.10.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ch ancenungleichheit mal anders betrachtet

    Heute ist es so in der Schule. Fremdsprachige Kinder erhalten Kleingruppenförderung. Schweizer Durchschnittskinder müssen alles können, es wird erwartet, dass sie selbstständig und lerneifrig sind und den /die Lehrer nicht brauchen. Kinder lernen aber über Beziehung und Zuwendung brauchen alle.

  • Mutter am 02.10.2017 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstvertrauen ist alles

    Mein Kind sollte laut Lehrer nicht in die Kantonsschule gehen. Ist nun leitender Arzt an einem Schweizerspital und Dozent an der Uni. Hätte wohl ein Scout das Talent in der Primarschule erkannt?