Noch im Dezember

05. Dezember 2012 06:41; Akt: 05.12.2012 06:56 Print

Zwillingsmord von Horgen wird neu verhandelt

An Heiligabend 2007 waren in Horgen siebenjährige Zwillinge erstickt worden. Die Mutter wurde schuldig gesprochen. Weil die Pflichtverteidigerin versagte, kommt der Prozess nun erneut vor Gericht.

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Die Zeichnung zeigt die Zwillingsmörderin Bianca B. im Gerichtssaal. (Bild: Keystone)

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Die erschütternde Tötung zweier Kinder in der Nacht auf Heiligabend 2007 im zürcherischen Horgen wird vor dem Bezirksgericht Horgen erneut aufgerollt. Die 2010 als Täterin verurteilte Mutter macht ungenügende Verteidigung im ersten Prozess geltend.

Am 26. März 2010 sprach das Zürcher Geschworenengericht die heute 39-jährige Mutter der beiden getöteten Erstklässler des mehrfachen Mordes schuldig und verurteilte sie zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe. Ein Motiv wurde im zweiwöchigen Prozess nicht erkennbar. Die gesamte Beweislage überzeugte aber das Geschworenengericht.

Die Frau, die bis heute ihre Unschuld beteuert, akzeptierte das Urteil nicht. Nach dem Prozess engagierte sie einen neuen Verteidiger und machte beim Zürcher Kassationsgericht geltend, sie sei ungenügend verteidigt gewesen.

Gravierende Mängel im Plädoyer

Das Kassationsgericht rügte daraufhin mehrere gravierende Mängel im Plädoyer. Es hiess die Beschwerde gut, hob das Urteil auf und wies den Fall zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Weil das Geschworenengericht inzwischen abgeschafft wurde, ist nun das Bezirksgericht Horgen als erste Instanz dafür zuständig.

Die Beschuldigte sitzt seit der Tat in Haft. Wie Verteidiger Thomas Fingerhuth gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte, ist seine Mandantin inzwischen im vorzeitigen Strafvollzug. Damit hat sie verglichen mit der Untersuchungshaft mehr Rechte: Sie darf etwa Besuch empfangen und ist nicht mehr den Grossteil des Tages allein.

Nach fünf Jahren neu aufgerollt

Fast genau fünf Jahre nach den tragischen Geschehnissen werden diese nun erneut aufgerollt. In der Nacht auf Heiligabend 2007 hatte die Mutter gemäss Anklage die beiden nicht ganz achtjährigen Zwillinge - ein Bub und ein Mädchen - in ihren Betten erstickt. Um von sich als Täterin abzulenken, täuschte sie einen Einbruch vor.

Die Verhandlung ist auf drei Tage angelegt: Den 12., 18. und 19. Dezember. Befragt werden die Beschuldigte sowie der von ihr inzwischen geschiedene Vater der Kinder. Dieser, anfänglich ebenfalls verdächtigt, wurde inzwischen als Täter ausgeschlossen. Der Psychiater, der beide Eltern begutachtet hatte, kommt ebenfalls nochmals zu Wort.

Staatsanwalt Markus Oertle hatte beantragt, nur die Plädoyers neu zu halten. Das Kassationsgericht habe einzig den letzten Parteienvortrag der damaligen Verteidigerin als ungenügend beurteilt. Er habe allerdings Verständnis dafür, dass das Gericht auch neue Befragungen durchführen wolle.

Das psychiatrische Gutachten sei 2009 erstellt worden. Inzwischen seien Jahre vergangen, die Angeschuldigte mache eine Therapie - es sei «sicher richtig, dass das berücksichtigt wird», so Oertle. Zu seinen Anträgen machte Oertle keine Angaben.

Verteidiger beantragt neues Gutachten

Ob das Urteil noch im Dezember eröffnet wird, hängt laut Verteidiger Fingerhuth unter anderem von allfälligen Beweisergänzungs-Anträgen ab. Er selbst habe ein neues Gutachten beantragt, erklärte der Anwalt.

Seiner Ansicht nach gehe es nicht an, dass derselbe Gutachter beide involvierten Personen begutachte. Da sei Befangenheit im Spiel. Zudem seien gewisse Aspekte der Persönlichkeit seiner Mandantin nicht behandelt worden. Heisse das Gericht den Antrag gut, so werde die Verhandlung ausgesetzt, bis ein neues Gutachten vorliege.

Markus Bischoff, Rechtsvertreter des Vaters der getöteten Kinder, betonte die menschliche Dimension für seinen Klienten: Es sei «grauenhaft für ihn», dass jetzt alles wieder aufgerollt werde. Am liebsten hätte er nichts mehr mit der Sache zu tun.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Justitia am 05.12.2012 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte Gerechtigkeit

    Ich denke es ist jemand erst eine Mörderin wenn es 100% bewiesen ist! Leider ist es heute so, dass die Anwälte das drehen und wenden können, wie sie wollen oder es Ihnen mehr nützt. Wenn die Pflichtverdeidigerin markant schwach war, war es für den Staatsanwalt ein einfaches, den gewünschten Erfolg zu erzielen! Deshalb ist es richtig, wenn dieser Fall noch ein mal aufgerollt wird. Wenn Sie Schuldig ist soll sie dafür büssen aber nur wenn sie Schuldig ist!

  • Schweizer am 05.12.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mörder bleibt Mörder

    Hoffen wir, dass das Gericht zum gleichen Urteil kommt wie die Vorinstanz und diese Mörderin erneut verurteilt.

    • Peter Günther am 05.12.2012 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Erst denken dann Urteilen

      Das hoffe ich nicht, denn es wäre ein gravierender Fehler wenn man aufgrund unterschiedlicher Tatsachen zu einem gleichen Urteil kommen würde. Ihre Aussage hat etwas Altertümliches, aber nicht umsonst hat sich die Hexenjagt in der Schweiz so lange gehalten.

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  • Nils Zürcher am 05.12.2012 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    hoffentlich kein milderes Urteil

    Ungenügende Verteidigung? Die Frau wurde schuldig gesprochen, ihre Kinder umgebracht zu haben. An diesem Umstand hätte auch eine bessere Verteidigung im Grundsatz nichts geändert. Ich sehe es schon kommen, nun wird plötzlich noch dieses (schlimme Kindeheit) und jenes (vorübergehende Unzurechnugsfähigkeit) und noch anderes (Alkohol Einfluss) berücksichtigt und die Strafe abgemildert. Sie soll ihre Strafe akzeptieren und nicht noch versuchen das Beste für sich herauszuholen. Denn die Kinder sind tot, sie hat sie umgebracht. Punkt.

  • Hans Fischer am 05.12.2012 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer also?

    Erinnert irgendwie an den Fall Zwahlen.

  • Aline Koch am 05.12.2012 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    *GRRRRRRR*

    Katasrophe, sowas wieder hervorzukramen. Die Frau gehört für immer weggesperrt, wer bringt denn schon seine eigenen Kinder um! Verständnislos!!

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