Nationalrätin fordert

11. Mai 2014 10:55; Akt: 11.05.2014 11:15 Print

«Frauen haben Recht auf gleich grosse Brüste»

Krankenkassen sollen auch die Operation der gesunden Brust von Brustkrebs kranken Frauen bezahlen. Dies verlangt die SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen in einer Motion.

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Frauen, die an Brustkrebs leiden, müssen für das Recht einer zweiten Operation kämpfen: Krankenkassen bezahlen selten für die Verkleinerung ihrer gesunden Brust. (Bild: Keystone)

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Leidet eine Frau an Brustkrebs, ist ihre gesunde Brust nach dem Eingriff oft grösser als die andere. 1000 betroffene Frauen wünschen sich jährlich deswegen eine Asymmetriekorrektur – eine Brustverkleinerung, damit beide Brüste wieder gleich gross sind. Diese müssen viele jedoch nach wie vor selbst bezahlen, weil die Versicherung die Kostenübernahme ablehnen. Begründung: Bei einer Korrektur der gesunden Brust handle es sich um eine Schönheitsoperation. Laut Dirk Schäfer, Vorstandsmitglied der Schweizer Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, wird nur jede zweite Korrektur von Kassen übernommen, wie die« SonntagsZeitung» schreibt. Diese Quote bestätigt die CSS.

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Die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen will dies ändern. Sie hat letzte Woche eine breit überparteilich unterstützte Motion eingereicht, in der die Asymmetriekorrektur als Pflichtleistung ins Krankenversicherungsgesetz aufgenommen werden soll. «Es darf nicht sein, dass nur Frauen mit Geld oder einer Rechtsschutzversicherung Anrecht auf gleich grosse Brüste haben.»

«Brust gilt als paarweise vorkommendes Organ»

Laut Thomas Gächter, Zürcher Sozialversicherungsprofessor, ist die Rechtslage klar: Das Bundesgericht habe festgehalten, dass die betroffenen Frauen einen Anspruch auf Rekonstruktion der Brust hätten. Die Brust gelte als paarweise vorkommendes Organ.

Der Vertrauensarzt beurteilt in der Regel jeden Fall einzeln, wie eine Umfrage bei den zehn grössten Schweizer Krankenversicherungen zeigt. Ausschlaggebend ist der Grössenunterschied der beiden Brüste und der sogenannte Krankheitswert: Eine psychische Belastung aufgrund der ungleichen Brüste beispielsweise.

«Typisch, dass Frauen für ihr Recht kämpfen müssen»

Für Kiener Nellen, Juristin und Mitglied des Schweizer Forums für Brustkrebs Europa Donna Schweiz, ist das«typisch»: Bei Männern bezahlten die Krankenkassen seit einem Gerichtsentscheid von 1995 Hodenprothesen nach einer Tumorerkrankung. Frauen aber müssten trotz eines Gerichtsentscheids bei ihrer Kasse für ihre Recht kämpfen.

Wird die Motion angenommen, führt dies laut Sozialrechlter Gächter zu mehr Rechtssicherheit. Dieser Ansicht sind auch die Krankenversicherungen Concordia und KPT. Für die Helsana würde eine Verankerung als Kassenpflichtleistung unter bestimmten Bedingungen eine Gleichbehandlung aller Patientinnen sicherstellen. Andere Kassen wie Groupe Mutuel, Swica, Sanitas und Visana sehen hingegen keinen Handlungsbedarf. Auch wenn die Korrektur eine Pflichtleistung wäre, würde jeder Einzelfall durch einen Vertrauensarzt geprüft, argumentieren sie.

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