Vergewaltigungsvorwurf

03. Oktober 2017 18:45; Akt: 04.10.2017 13:10 Print

Frau zeigt Roman Polanski in St. Gallen an

Die deutsche Schauspielerin Renate Langer wirft dem US-Star-Regisseur Roman Polanski vor, sie 1972 in Gstaad vergewaltigt zu haben.

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Derzeit in der Schweiz: Roman Polanski besucht das Zurich Film Festival. (2. Oktober 2017) Ihr Fall ist bereits verjährt: «Robin» (rechts) mit ihrer Anwältin in Los Angeles. (15. August 2017) Beabsichtigt nach Los Angeles zu reisen: Regisseur Roman Polanski war seit vielen Jahren nicht mehr in den USA. (25. Februar 2015) Polanskis Anwalt Harland Braun will wissen, was sein Mandant bei einer Rückkehr zu befürchten hat. Er argumentierte, dass Polanski schon 1978 eine Strafe in den USA verbüsst und 2009 und 2010 zudem weitere Monate unter Hausarrest in der Schweiz verbracht habe. (20. März 2017) Die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Michele Hanisee will, dass Polanski vor Gericht erscheint, um die Vorwürfe gegen ihn beizulegen. (20. März 2017) Richter Scott M. Gordon lässt sich am Gericht in Los Angeles nicht in die Karten blicken. Er werde eine schriftliche Anordnung herausgeben, erklärte er. (20. März 2017) Die US-Justiz wirft Roman Polanski vor, eine 13-Jährige vergewaltigt zu haben: Der Regisseur an einer Pressekonferenz in Katowice, Polen. (24. Mai 2016) Wurde in Krakau verhört: Roman Polanski nach einem Besuch beim Stadtrat von Krakau. (15. Januar 2015) Richter Dariusz Mazur bei der Anhörung im Bezirksgericht Krakau (30. Oktober 2015) Sie wurde 1977 als 13-Jährige von Roman Polanski vergewaltigt, nun hat sie ihre Autobiografie geschrieben: Samantha Geimer 2008 an einer Premiere eines Dokumentarfilms über das Polanski-Verfahren. Die Zeit danach empfand sie als noch schlimmer als die Tat an sich: Samantha Geimer als Teenager. Vor Gericht: Roman Polanski am 29. März 1977 in Los Angeles. Er flüchtet vor der US-Justiz nach Frankreich, wo er Staatsbürger ist und deshalb nicht an die USA ausgeliefert werden kann. Ihr wird bis heute vorgeworfen, ihre Tochter verschachert zu haben: Samantha Geimers Mutter Susan Gailey begleitet sie an die Premiere des Dokumentarfilms über den Fall Polanski, Mai 2008. Die Schweiz schreitet ein: Am 26. September 2009 wird der Regisseur bei seiner Einreise in Zürich aufgrund eines internationalen Haftbefehls von 2005 verhaftet. Er hätte am Zurich Film Festival den Preis für sein Lebenswerk erhalten sollen. «Free Polanski»: Aus der Filmszene werden Proteste laut. (26. September 2009) Die Kameras sind bereit: Die Medien positionieren sich vor dem Bezirksgefängnis in Winterthur, wo Polanski am vermutet wird. Trügerisches Idyll: Am tauscht Polanski das Gefängnis gegen den elektronisch überwachten Hausarrest, den er in seinem Chalet in Gstaad fristet. Hinter dem Vorhang: Polanskis Sohn Elvis schaut aus dem Fenster des Gstaader Chalets. (5. Dezember 2009) Überwacht: Der Filmemacher auf seinem Balkon in Gstaad. (24. April 2010) Am 12. Juni 2010 lehnen die Schweizer Behörden den Auslieferungsantrag an die USA ab und heben Polanskis Hausarrest auf. Im September 2010 holt der Filmemacher den Preis ab, der ihm zwei Jahre zuvor am Zurich Film Festival hätte überreicht werden sollen. Fototermin: Polanski Ende Mai 2013 in Cannes bei der Promotion seines neuen Films «Venus in Fur». Inzwischen ist er 80 Jahre alt: Der Filmemacher mit seiner Frau, der französischen Schauspielerin Emmanuelle Seigner, am 27. August 2013 in Paris.

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Nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen Starregisseur Roman Polanski in der Schweiz soll sich der Kanton Bern um den Fall kümmern. Die Anzeige ging zwar im Kanton St. Gallen ein, die mutmassliche Tat soll sich aber 1972 in Gstaad im Berner Oberland ereignet haben. Die St. Galler Staatsanwaltschaft wollte im Verlauf des Mittwochs ein Übernahmeersuchen an die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern schicken, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

Auf Berner Seite muss die Staatsanwaltschaft in einem ersten Schritt prüfen, ob sie zuständig ist. In der Folge gilt es namentlich abzuklären, ob der zur Anzeige gebrachte Vorfall verjährt ist.

Eine heute 61-jährige ehemalige Schauspielerin und Fotomodell hatte am 26. September bei der Kantonspolizei St. Gallen Anzeige erstattet gegen den 84-jährigen Starregisseur. Dieser soll die Jugendliche 1972 in einem Chalet in Gstaad vergewaltigt haben. Die gebürtige Münchnerin deponierte ihre Aussagen bei der St. Galler Kantonspolizei, obwohl sie nicht im Kanton wohnhaft ist. Ein solches Vorgehen ist nach Schweizer Recht möglich.

Seit Jahrzehnten im Visier der Justiz

Es ist nicht das erste mal, dass gegen Polanski Vergewaltigungsvorwürfe laut werden. 1977 hatte der Regisseur in den USA Sex mit einer Minderjährigen. Der Filmemacher bekannte sich schuldig und sass nach einer Vereinbarung zwischen Anklage und Verteidigung 42 Tage in Haft ab.

Als der Richter nach Angaben von Polanskis Anwalt den Deal platzen liess und stattdessen eine langjährige Haftstrafe forderte, floh Polanski nach Europa. Trotz der Bitte seines Opfers um die Einstellung des Gerichtsprozesses verfolgt die US-Justiz die Jahrzehnte zurückreichenden Vergewaltigungsvorwürfe gegen Polanski weiter.

2009 wurde Polanski in der Schweiz verhaftet. Er hätte eigentlich am Zurich Film Festival eine Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegennehmen sollen, doch stattdessen klickten die Handschellen.

Hausarrest im Nobelkurort

Polanski sass zwei Monate in der Schweiz in Haft, anschliessend stand er acht Monate lang in seinem Chalet im Berner Oberländer Nobelkurort Gstaad unter Hausarrest und musste eine elektronische Fussfessel tragen. Einem Auslieferungsgesuch an die USA entsprach die Schweizer Justiz nicht.

Das Gstaader Chalet, in dem Polanski seinen Hausarrest absass, zog immer wieder viele Medienschaffende an. Sie belagerten manchmal tagelang das Anwesen, um den Filmemacher zu Gesicht zu bekommen.

Die Fussfessel kam den Regisseur nach eigenen Angaben übrigens teuer zu stehen: «Ich erhielt eine Rechnung über 28'000 Schweizer Franken für diese dämliche Fessel», sagte Polanski einmal in einem Interview mit der «Welt am Sonntag».

Nach seiner Freilassung aus dem Hausarrest im Berner Oberland zeigte sich Polanski versöhnlich mit der Schweiz. Er werde dem Land weiterhin freundschaftlich verbunden sein, betont er.

(fur/chk/sda)